Einheitswährung durchbricht weitere Schallmauern auf dem Weg nach unten - Experten fordern Interventionen
„Euro-Talsohle noch nicht erreicht“

kra FRANKFURT/M. Der Euro kann seine Schwäche an den internationalen Devisenmärkten nicht überwinden. Er stürzte am Mittwoch Nachmittag deutlich unter die Marke von 0,88 US-Dollar, die bisher als starke Unterstützungslinie für die Einheitswährung gegolten hatte. Zusammen mit den rekordhohen Ölpreisen drohen die Importpreise und damit die Inflationsrate weiter anzuziehen. Die steigenden Importausgaben und weiter steigende Zinsen könnten mittelfristig zudem die Konjunktur bremsen.

Frank Schröder, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus&Burkhardt, ist der Auffassung, dass in der jetzigen Situation jedem Argument, das gegen den Euro ins Feld geführt werden kann, großes Gewicht eingeräumt wird. "Die Stimmung gegenüber dem Euro ist einfach schlecht", fügt er hinzu. Verwirrung habe zudem die Äußerung von Bundeskanzler Schröder ausgelöst, wonach der schwache Euro mehr Grund zur Freude als zur Sorge sei. Eine Regierungssprecherin verwies gestern darauf, dass Schröders Aussage vom Montag unverändert gültig sei. Die Europäische Zentralbank (EZB) verweigerte jeden Kommentar zur Äußerung des deutschen Bundeskanzlers.

Für den Bundeskanzler peinlich...

Mehrere Experten forderten vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung eine eindeutige Erklärung auf dem Treffen des Ecofin-Rates am Wochenende. "Die Wirtschafts- und Finanzminister sollten dem Euro zumindest verbal den Rücken stärken, auch wenn das für den Bundeskanzler peinlich wäre", fordert Frank Schröder.

Neal McKinnon von der amerikanischen Investmentbank Merril Lynch in London glaubt sogar, dass sich ohne einen Entschluss zu Interventionen zugunsten des Euros die Talfahrt der Einheitswährung auf den Devisenmärkten beschleunigen wird. "Kommt es nicht zu Interventionen, kann der Euro bis auf 0,82 US-Dollar fallen", prophezeit er. Sollte es in den nächsten Tagen nicht zu einer deutlichen Erholung des Euros kommen, würden die dänischen Wähler sich Ende des Monats kaum für den Euro entscheiden, sagt er. "Es besteht die Gefahr, dass der Euro dauerhaft zu einer Schwachwährung wird", malt er ein düsteres Szenario.

Conrad Mattern, Währungsexperte von der Deka Investment-Management, erkennt dagegen eine "finale Verkaufsbewegung" gegen den Euro. Die Stimmung sei schlechter als die Indikatoren, was auf einen baldigen Umschwung hindeute. Im Oktober sieht Mattern den Euro bei 0,93 US-Dollar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%