Einhellige Ananlystenmeinung
VORSCHAU - Keine EZB-Zinserhöhung oder Interventionen erwartet

Reuters FRANKFURT. Ungeachtet der Euro-Talfahrt und weiter hoher Rohölpreise wird die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag nach Einschätzung von Analysten keine Zinsanhebung beschließen. Doch um die von Euro und Ölpreisen ausgehenden Inflationsgefahren einzudämmen, könnten die Währungshüter schon im Oktober erneut die Zinsschraube anziehen, sagten die Experten. Sie schlossen Stützungskäufe durch die EZB zu Gunsten des angeschlagenen Euro aus. Da Zinserhöhungen in der Vergangenheit dem Euro nicht hätten helfen können, sei es jetzt das Beste für die Europäische Zentralbank, den Sturm vorbei ziehen zu lassen. Erst am 31. August hatte die EZB alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht erhöht und diesen Schritt vor allem mit dem schwachen Euro und den Ölpreisen begründet.

EZB-Chef Duisenberg wird wie nach jeder ersten Ratssitzung des Monats den Zinsentscheid ab 14.30 Uhr am Donnerstag vor der Presse erläutern.

Alle 55 von Reuters befragten Analysten prognostizierten für Donnerstag unveränderte Leitzinsen. Eine zweite Zinsanhebung innerhalb von vierzehn Tagen würde der Notenbank nur als Panikreaktion ausgelegt, erklärten Analysten. Gleichzeitig könnten zu aggressive Zinserhöhungen das Wachstum in der Euro-Zone abwürgen, warnten die Experten.

Der Euro setzt unterdessen seine Talfahrt am Dienstag fort und war im asiatischen Handel auf ein Rekordtief von unter 0,8560 $ gefallen. Damit hat der Euro seit seinem Start Anfang 1999 mehr als 27 % an Wert verloren. Händler bewerteten die leichte Kurserholung am Vormittag über 0,86 $ nur als Verschnaufpause auf dem Weg zu neuen Tiefständen. Der Markt wolle wissen, wann EZB zu Stützungskäufen bereit sei.

"Auch wenn der Euro wie ein Stein fällt, würde eine erneute Zinserhöhung diesen Trend kaum ändern", sagte Bernd Weidensteiner von der DG Bank. Deshalb sei es ratsam für die Notenbanker, die gegenwärtige Situation auszusitzen. EZB-Chef Wim Duisenberg wollte sich am Dienstagnachmittag vor dem Währungs- und Finanzausschuss des Europaparlaments äußern.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nannte unterdessen gemeinsame Interventionen der EZB und der Notenbanken der USA und Japans als im US-Interesse liegend.

Petra Köhler von der Dresdner Bank rechnet mit unveränderten Leitzinsen am Donnerstag. "Grundsätzlich ist der Euro-Kurs immer mehr eine Marktübertreibung. In solchen Phasen haben die Notenbanken nur eine begrenzte Macht zum Gegensteuern", sagte Köhler. Allerdings erwartet sie noch eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte in diesem Jahr. "Die EZB wird ihren Mindestbietungszins für Hauptrefinanzierungsgeschäfte um 25 Basispunkte auf dann 4,75 % anheben, und zwar wieder um die Folgen von Ölpreis- und Wechselkurseffekten zu dämpfen", sagte Köhler. Interventionen seien in der Regel aussichtslos, denn sie müssen genau dann vollzogen werden, wenn sich der allgemeine Marktrend zu drehen beginnt. Andernfalls könne sich der gegenwärtige Trend beschleunigen, warnte Köhler. Durch eine vorausschauende Geldpolitik müsse die EZB verhindern, dass der schwache Euro und die hohen Ölpreise im Zuge so genannter Zweit-Rundeneffekte zu höheren Import- und Erzeugerpreise führten, sagten die Experten übereinstimmend. Dabei werde es immer schwieriger, bis zum Jahresende noch die Inflationsrate von unter zwei Prozent zu erreichen.

Bis zu dieser Marke ist laut EZB-Definition Preisstabilität auf mittlere Sicht gewährleistet. Im Juni und Juli hatte die Jahresteuerung in der Euro-Zone jeweils bei 2,4 % gelegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%