Einige Firmen sind verschwunden - Weniger Besucher als erwartet
Auch der Linuxtag leidet unter der Dot.com-Krise

Die so genannte Dot.com-Krise ist auch an den Linux-Firmen nicht spurlos vorübergegangen. Der diesjährige Linuxtag, die größte Messe zu Linux und Open Source in Europa, zeigte es deutlich.

ap STUTTGART. Etliche Firmen, die im vergangenen Jahr noch mit großen Ständen auf sich aufmerksam machten, gibt es inzwischen nicht mehr. Andere haben ihren Messeauftritt deutlich verkleinert. Mit etwa 110 Ausstellern blieb deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr zwar in etwa konstant. Bis Messeschluss am Sonntag kamen aber nur rund 15 000 Besucher, das waren doch erheblich weniger als die erwarteten 25 000.

Diesem Rückgang steht ein nach Angaben der Veranstalter gestiegenes Interesse am zweitägigen Business-Kongress vor dem eigentlichen Linuxtag gegenüber. Die große überschwängliche Begeisterung scheint einem eher geschäftsmäßigen Umgang mit Linux zu weichen. Von Seiten einiger Firmen auf dem Linuxtag war aber auch die Frage zu hören, ob denn drei Linux-Messen in Deutschland nicht doch etwas zu viel sind. Im Vergleich zu früheren Jahren wird nämlich in etlichen IT-Unternehmen inzwischen wieder genauer auf die Kosten der Marketingabteilungen geschaut. Neben dem Linuxtag in Stuttgart gibt es in diesem Jahr noch zwei Termine für im Linux- und Open-Source-Bereich tätige Firmen: Mitte Oktober der Linuxpark während der Systems in München und dann Ende Oktober in Frankfurt am Main die Messe LinuxWorld. Und nicht nur Christian Egle vom Software-Unternehmen SuSE wünschte sich auf dem Linuxtag "noch mehr Entscheider aus dem Mittelstand".

Höhere Leistung zu günstigen Preisen

Die ausstellenden großen Firmen wie Compaq, Hewlett-Packard oder Fujitsu-Siemens waren aber nicht unzufrieden mit ihrem Linux-Geschäft. Compaq verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von rund 300 % in diesem Bereich, von einem allerdings niedrigen Basisniveau ausgehend. Gezeigt wurde bei Compaq ein iPaq, der komplett unter Linux läuft. Auch Fujitsu-Siemens bestätigte ein weiter starkes Interesse an Linux und Aufträge für Rechner mit freier Software, auch von öffentlichen Auftraggebern wie Behörden. Hauptsächliches Einsatzgebiet seien weiter Server, erklärt Andreas Thoms von Fujitsu-Siemens. Wegen der geringen Hardware-Anforderungen von Linux sei es möglich, den Kunden höhere Leistung zu günstigen Preisen zu bieten". Aber hier müssten auch noch mehr gute Produkte entwickelt werden.

Hewlett-Packard präsentierte auf der Messe unter anderem Sicherheitslösungen, die als eine Stärke von Linux gelten: Mit MC/Serviceguard lassen sich Cluster, das sind zusammengeschaltete Rechner, überwachen und sichern. Bei HP-LX handelt es sich um eine Erweiterung von Linux, die besonders auf die Bedürfnisse von ASPs (Application Service Provider) und ISPs (Internet Service Provider) zugeschnitten sein und sie vor Angriffen schützen soll.

Mit dem Pfund Sicherheit von Linux wucherte auch SuSE, der größte Linuxdistributor in Deutschland. Vorgestellt wurde "Firewall on CD" - Mit dieser Schutzsoftware für Rechner lässt sich der Datenverkehr analysieren, überwachen und protokollieren. Und da die Software allein auf einer CD-ROM liegt, kann sie auch nicht verändert oder manipuliert werden. Konfigurationsdateien werden auf einer schreibgeschützten Diskette gespeichert. Referenzkunde für die "Firewall on CD" ist der Internet-Anbieter Lycos Europe.

Die Szene lebt lustig weiter

Aber der Linuxtag ist nicht nur eine Messe für Firmen, sondern vor allem auch ein Treffpunkt der vielen Programmierer, die an den zahlreichen Projekten im Umfeld von Linux arbeiten. Und hier war am Wochenende nichts von Flaute zu spüren. Es wurde wie eh und je diskutiert, gefachsimpelt oder gemeinsam an den vielen Computern an den Ständen an Problemen getüftelt. Zahlreiche Vorträge informierten daneben über neue Entwicklungen und den Stand von Projekten. An etlichen Ständen von Firmen, die Linux-Software vertreiben, war dann deutlich zu sehen, wie schnell die Entwicklung und wie gering die Halbwertszeit von Linux-Software ist. Komplette Pakete mit etwa zehn CDs, die vor einem halben Jahr noch rund hundert DM kosteten, gingen für zehn DM weg.

Zu den Höhepunkten und bestbesuchten Veranstaltungen des Linuxtags gehörten sicher die Vorträge von Rob "CmdrTaco" Malda, Mitbegründer von Slashdot, einem der bekanntesten Internet-Newsforen, und von Eric S. Raymond, seit vielen Jahren einer der Vordenker der Open-Source-Bewegung. Während Raymond die Entstehung und die Funktionsweise der Open-Source- und Linux-Szene aus entwicklungs- und verhaltenspsychologischer Sicht betrachtete, begann Malda seinen Vortrag ganz persönlich mit den Bekenntnissen, dass er selbst mit Debian-Linux und dem Editor Vim arbeite. "Und wer etwas anderes benutzt, liegt falsch." Die Reaktion des Publikums, eine Mischung aus Jubel, Lachen und Beifall, sagte mehr als alle Bücher über die Einstellungen der Linux-Programmierer.

Viel Interesse an BSD

Vielleicht etwas größere Beachtung als in früheren Jahren fand diesmal BSD, die Berkeley Software Distribution, deren Entwickler auch auf etlichen Vorträgen zu Wort kamen. BSD ist schon so runde 25 Jahre alt und stammt direkt von Unix ab. Es gilt als äußerst stabil, ist weitgehend mit Linux kompatibel, unterliegt aber einer anderen Lizenz, die es auch interessanter für Firmen macht. Jüngstes Beispiel dafür ist Apple, dessen neues Betriebssystem Mac OS X auf BSD-Code beruht. Symbol von BSD ist übrigens ein kleiner roter Teufel. Die am BSD-Stand selbstgebrannten CDs, das Stück zu fünf DM, erfreuten sich jedenfalls so großer Beliebtheit, dass die Helfer dort zeitweise mit dem Brennen nicht nachkamen.

Der nächste Linuxtag findet vom 6. bis 9. Juni 2002 wieder in der Stuttgarter Messe statt.

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