Einige haben kein glückliches Timing gehabt
Fondsmanager investieren wieder am Neuen Markt

Zum Aufschwung am Neuen Markt seit den Tiefständen vom 21. September haben nach Einschätzung von Experten wesentlich die Investmentfonds beigetragen. Viele von diesen sind nach eigener Auskunft mittlerweile wieder voll investiert. Allerdings habe eine ganze Reihe von Fondsmanagern den rechtzeitigen Einstieg in das Wachstumssegment verpasst, meint Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Reuters FRANKFURT. Diese räumen ein, nicht immer ein glückliches Timing gehabt zu haben. Der Auswahlindex Nemax 50 hat in den vergangenen zwei Monaten mehr als 100 Prozent an Wert gewonnen und stand am Freitagnachmittag bei rund 1290 Punkten. Damit ist der Nemax50 allerdings noch weit von seinem Allzeithoch entfernt, dass er am 10. März 2000 bei 9665 Punkten verzeichnet hatte.

Der Aufschwung der vergangenen Wochen ist nach Auffassung von Marc Schädler, Fondsmanager bei Nordinvest, deutlich von den Fonds getrieben worden. "Vor allem die großen und soliden Werte wurden von den Anlageexperten gekauft", sagt er. Bei den Werten aus der zweiten und dritten Reihe seien hingegen vor allem die Kleinanleger eingestiegen. Die Fondsmanager hätten teilweise sogar unter gewissem Druck gestanden, schnell Liquidität abzubauen und zu investieren. "Manager, die jetzt noch große Kassenbestände halten, machen sich bei ihren Anlegern nicht sonderlich beliebt", sagt Schädler.

Es werde wieder investiert, sagt Stefan Müller, Fondsmanager für den Neuen Markt und Small Caps, bei der Münchener Activest. Das Unternehmen hat sein Budget für den Neuen Markt Müller zufolge seit November wieder zu 100 Prozent investiert. Durch die allgemeine Verunsicherung hätten viele der Anleger nach dem 21. September Wert auf defensive Titel gelegt, wie auf Aktien aus den Sektoren Medizintechnik oder Industrial Services.

"Gerade die Unternehmen aus den nichtzyklischen Bereichen waren da gefragt. Aber seit Mitte Oktober haben wir unser Portfolio wieder etwas zyklischer ausgerichtet", sagt der Münchener Fondsmanager. Titel aus den Branchen Internet, Online-Broker und Biotechnologie seien stark nachgefragt worden.

So lange die Erwartung auf eine Konjunkturerholung in den USA im zweiten Quartal 2002 anhalte, ist nach Auffassung von Müller der aktuelle Kurswert des Neuen Marktes von rund 1218 Punkten gerechtfertigt und die Investitionen können gehalten werden. "Im nächsten Jahr gehen wir von einer weiteren Erholung aus", sagt er. Dies sei jedoch nur unter der Voraussetzung der Fall, dass sich die deutschen und US-amerikanischen Konjukturindizes nicht stark veränderten. Bis zum Jahresende 2001 erwartet Müller eine Seitwärtsbewegung der Kurse am Neuen Markt.

HSBC-Aktienstratege Borghoff sieht nach eigenen Angaben jedoch eine zu vorsichtige Haltung der Fondsmanager."Ich habe den Eindruck, dass eine ganze Reihe von Fondsmanagern den Aufschwung am Neuen Markt einfach verpasst hat", sagt er. Sie seien zu lange vorsichtig und pessimistisch gewesen. Zudem seien in den vergangenen Wochen vor allem Aktien der Unternehmen gut gelaufen, die immer noch Verluste machten oder die Gewinnzone noch nicht sicher erreicht hätten, wie T-Online, Broadvision oder Lion Bioscience. Auf Grund ihrer vorsichtigen Anlagephilosophie hätten viele Fondsmanager gerade diese Papiere aber gescheut. Borghoff erwartet, dass der Nemax-All-Share im zweiten Halbjahr 2002 bei 1400 bis 1500 Punkten stehen wird. Sollte ein Aufschwung aber bereits um die Jahreswende eintreten, werde der Markt Anfang 2002 um 10 bis 15 Prozent konsolidieren.

Nach Angaben der Manager der Anlagegesellschaft Invesco ist beispielsweise deren Fonds "Invesco Neue Märkte" um sieben Prozent hinter dem Nemax-All-Share zurückgeblieben. "Wir haben auf Solidität gesetzt", sagt Jochen Mathee von Invesco. In letzter Zeit seien aber gerade die Aktien der Unternehmen gut gelaufen, die die roten Zahlen bald hinter sich haben könnten. Zudem verfüge der Aufschwung der vergangenen Wochen über keine breite Basis. "Der Anstieg wurde wesentlich von einigen bestimmten Werten getragen, wie zum Beispiel T-Online." Von diesem Papier sei man aber bei Invesco nicht voll überzeugt, weshalb man der Aktie innerhalb der Fonds auch nicht viel Gewicht eingeräumt habe. "Das drückt jetzt natürlich auf die Performance" sagt Mathee. Ähnlich ist es bei der Anlagegesellschaft DWS. "Unser Timing hätte zwar etwas besser sein können", sagt Manager Tim Albrecht. "Aber wir waren eben vorsichtig."

Andreas Gartner von der SEB weist darauf hin, dass der Neue Markt für die Institutionellen, also unter anderem Versicherungen und Banken, zu einem schwierigen Pflaster geworden sei. "Da will keiner mehr in ein fallendes Messer greifen", sagt er. Die Fondsmanager müssten aber gemäß der Anweisungen dieser Großanleger investieren und daher am Neuen Markt Zurückhaltung üben. Trotzdem seien Ende Oktober die Neuer-Markt-Fonds der SEB fast vollständig (98,64 Prozent) investiert gewesen. Laut Gartner sind viele Anleger auch wegen der Illiquidität vieler Neuer-Markt-Titel vorsichtig. "Bei einer Infineon-Aktie kann ich mir sicher sein, dass ich trotz der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit immer wieder raus komme, am Neuen Markt aber nicht."

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