Einige Unternehmen schneiden bei den Ratingagenturen besser ab als der Staat
Spekulative Engagements in Argentinien

Ist der Tiefpunkt erreicht oder kann Argentinien noch weiter abrutschen? Angesichts des derzeitigen politischen und finanziellen Szenarios ist Pessimismus angesagt, doch schon jetzt könnten wagemutige Anleger von niedrigen Kursen und hohen Renditen bei den Anleihen oder Aktien einiger argentinischer Unternehmen profitieren.

BUENOS AIRES. So hebt sich die Bonität von Movicom South-Bell und Telecom Argentina nach Meinung der Ratingagenturen deutlich von der des argentinischen Staates ab. Analysten sehen auch das Energie-Konglomerat Perez Companc auf Grund hoher Profite und starker Vermögenswerte gut gewappnet gegen eine Verschärfung der Krise.

Perez Companc verzeichnete im dritten Quartal 2001 Profite von 57 Mill. $, obwohl es wegen der tiefen Rezession in Argentinien Verluste in den Bereichen Raffinerie, Petrochemie und Elektrizität hinnehmen musste. Mehr als zwei Drittel der Einkünfte kommen aus der Gewinnung und dem Verkauf von Erdgas und Öl in Argentinien und Venezuela. Der argentinische Markt hat einen Anteil von 61 %; in Venezuela wird bereits mehr als ein Viertel der Einkünfte generiert, mit starken Wachstumsaussichten. Große Gewinnzuwächse verzeichnete das Energiekonglomerat außerdem in der Vermarktung und im Transport von Kohlenwasserstoff.

Die Gesamtverschuldung von Perez Companc beträgt 2,8 Mrd. $ mit einer Durchschnittslaufzeit von 2,16 Jahren, 59 % davon mit fixen Zinsraten. "Die Barreserven des Unternehmens erreichten 519 Mill. $ im September, daher sehen wir keine Liquiditätsengpässe für Perez", heißt es in einer Analyse von Raymond James Argentinien. "Wir empfehlen den Kauf von Perez Companc Anleihen mit Erträgen von über 12 % mit Laufzeiten bis zu vier Jahren." Auch die als ADR in den USA notierten Aktien der Holding haben die Marktstrategen von Raymond James als Kauf eingestuft.

Hohe Erträge bei niedrigen Einstiegskursen und geringem Ausfallrisiko bieten auch die Schuldtitel von Movicom South-Bell und Telecom Argentinien. Der Telekommunikationssektor ist einer der wenigen Sektoren, welcher der Rezession weitgehend trotzen konnte. Obwohl der Telefonmarkt in allen Sparten komplett geöffnet wurde, halten die einstigen Monopol-Unternehmen "Telecom Argentina" und die spanische Telefonica noch immer faktisch die Kontrolle über das inländische Festnetz. Festnetz- Gespräche ins In- und Ausland verzeichneten in den letzten Monaten leichtes Wachstum. Im Bereich der Mobiltelefonanrufe und der Datenübertragung gibt es deutliche Zuwächse. Telecom Argentina konnte im ersten Halbjahr 2001 leichte Verkaufsrückgänge von 4 % durch Kosteneinsparungen wettmachen und expandierte in den Bereichen Datenübertragung sowie Internet. Die Einnahmen aus dem Festnetz-Geschäft machen derzeit 63 % aus.

Trotz der zurzeit stabilen Lage hätten ein Zahlungsausfall des Landes oder eine Abwertung der Währung für die Telekombranche Verkaufseinbußen sowie eine deutliche Verschlechterung des Schuld- Gewinn-Verhältnisses zur Folge. Der Aktienkurs hat daher noch Spielraum nach unten. Attraktive Anlagen bieten jedoch die kurzfristigen Dollaranleihen des Unternehmens mit Laufzeiten bis Juli 2002 und November 2002, Renditen 13,65 % bzw. 14,74 %, mittelfristigen Eurobonds "Telecom April 2004"; Rendite 17,08 % und der "Telecom Juli 2004", Rendite 21,81 %. Standard & Poor's (S & P) stuft die Bonität des Unternehmens mit "B-" deutlich besser ein als den Staat. Begründet wird dies mit der starken Marktposition und dem internationalen Rückhalt durch die kontrollierende France Telecom.

Ähnlich ist die Argumentation für die Anleihe von Movicom Bell South "Movicom 08", die Raymond James Argentinien mit der Aussicht guter Zinseinnahmen (14 %) sowie langfristigen Kapitalgewinnen von 20 % zu "Kaufen und Halten" rät. S & P beurteilt Movicom mit "B+". Bell South, die 65 % von Movicom hält, hat eine Aktienemission in Aussicht gestellt, mit der es die Lateinamerikageschäfte bündeln will.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
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