Einige Zukunftstrends von damals sind heute Geschichte
Computer-Fax war vor 10 Jahren ein CeBIT-Highlight

Gerhard Schröder amtierte noch als Ministerpräsident von Niedersachsen, Jürgen Möllemann war Bundeswirtschaftsminister, und pünktlich zum Besuch der beiden prominenten Politiker auf der größten Computermesse der Welt setzte am 11. März 1992 auf dem Messegelände in Hannover der berüchtigte CeBIT-Schneeregen ein. Die CeBIT zog vor zehn Jahren schon knapp 650 000 Besucher an, die sich einen Überblick über die damals aktuellen Technik-Neuheiten wie das Computer-Fax oder den legendären Computer Amiga 600 verschaffen wollten.

HB/dpa HANNOVER. Nicht alle Trends aus dem März 1992 haben bis ins Jahr 2002 überlebt. So ist der Bildschirmtext der damaligen Deutschen Bundespost Telekom inzwischen Geschichte. Ende 2001 wurden die letzten Btx-Dienste eingestellt. Auch der Satellit Kopernikus, der aus dem All 16 Kanäle rauschfreier Digitalmusik für das Digitale Satelliten Radio (DSR) sendete, ist nicht mehr im Betrieb. Da DSR nie einen Massenmarkt erreichte, wurde der Transponder im Januar 1999 abgeklemmt.

Nicht durchgesetzt haben sich auch skurrile Neuheiten der CeBIT 1992 wie die dreidimensionale Computer-Maus mit Ultraschall- Technologie, die man für die Steuerung virtueller Welten auch nach oben und unten bewegen konnte. Ebenso in Vergessenheit geraten ist das schnurlose Telefon mit Infrarot-Technologie - für das kabellose Telefonieren haben sich andere Standards wie DECT durchgesetzt.

Im Gegensatz zur CeBIT 2002 dominierte der Softwaregigant Microsoft mit seiner Technologie noch nicht das Bild in den Messehallen. Zwar zeigten auch damals bereits etliche Aussteller Produkte rund um den PC, doch die Schlacht gegen IBM und das Betriebssystem OS/2 hatte das Unternehmen von Bill Gates mit Windows 3.1 noch längst nicht gewonnen. Außerdem buhlten Computerfirmen außerhalb des PC-Lagers wie Commodore, Atari und Apple mit ihren Produkten um die Gunst der Messebesucher. Der Siegeszug von Windows gegen OS/2 zeichnete sich aber nach der Messe im März 1992 ab. "Wer umfassende PR-Aktionen und lärmende Präsentationen (von IBM) erwartet hatte, gewann eher den Eindruck, IBM wolle sein Produkt vor der Öffentlichkeit verstecken", schrieb die Computerzeitschrift "c't".

In den leistungsstärksten PC auf der CeBIT 92 steckte ein 486er- Prozessor von Intel, der mit 50 Megahertz getaktet war und über immerhin 1,2 Millionen Transistoren verfügte. Zehn Jahre später stecken im Spitzenmodell des Chipgiganten 55 Millionen Transistoren bei einer Taktfrequenz von 2,2 Gigahertz. Aktuelle Chips aus dem Jahr 2002 wie der Pentium 4 oder die Konkurrenzmodelle von AMD oder Motorola machen Multimedia-Visionen von 1992 erst richtig möglich, beispielsweise das Bearbeiten von digitalen Videos am Bildschirm. Vor einem Jahrzehnt standen außerdem die nötigen Speichermedien noch nicht zur Verfügung. Der japanische Hersteller Hitachi zeigte auf der CeBIT 92 eine 3,7 Gigabyte große Festplatte, die damals umgerechnet rund 7000 Euro kostete. Heute sind Festplatten mit 40 Gigabyte und mehr für wenige hundert Euro zu haben.

Die CeBIT 1992 war ein wichtiger Meilenstein für ein freundlicheres Büro. Das schrille Geräusch von Nadeldruckern konnte nach der Messe immer häufiger abgeschaltet werden, weil etliche Hersteller die ersten preiswerten Schwarz-Weiss-Tintenstrahldrucker ab rund 900 DM (460 Euro) präsentierten. Heute sind Farb- Tintenstrahler für weniger als 100 Euro zu haben, am Preis der teuren Farbkartuschen hat sich allerdings kaum etwas geändert.

Eine enorme Entwicklung hat auch die Telekommunikationsbranche in den vergangenen zehn Jahren hinter sich gebracht: Die Schlagzeile "Europaweit mobil telefonieren", mit der ein europäisches Mobilfunknetz nach dem Standard Global System for Mobile Communications (GSM) angekündigt wurde, klang 1992 noch ziemlich futuristisch. Doch das digitale Mobilfunknetz GSM setzte sich in so kurzer Zeit am Markt durch, dass man heute nicht nur in 18 europäischen Ländern mit einem Handy telefonieren kann, sondern auch in anderen Kontinenten.

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