Einigen sich Banken, Bernie Ecclestone und die Autohersteller nicht, droht dem Rennzirkus das Aus
Letzte Runde für die Formel 1

Die Formel 1 steht vor der Zerreißprobe: Die Autohersteller und das Bankenkonsortium unter Führung der Bayerischen Landesbank (BayernLB) wollen heute einen letzten Versuch starten, doch noch eine Lösung für eine künftige Zusammenarbeit zu finden. Nach Handelsblatt-Informationen werden an dem Treffen an einem streng geheim gehaltenen Ort neben Renn-Promotor Bernie Ecclestone die Verhandlungsführer Gerhard Gribkowski (BayernLB) sowie der Brite Richard Parry-Jones (Ford) teilnehmen.

LONDON. Die Autohersteller fordern seit langem eine stärkere Beteiligung an der von Ecclestone undurchsichtig aufgebauten Formel 1. Erst vor kurzem hat Ferrari-Chef Luca di Montezemolo nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Mitsprache gefordert. "Ich möchte wissen, wie sich die Formel 1 entwickelt, dazu brauche ich Sitz und Stimme in jeder künftigen Lösung", wetterte der Chef des Schumacher-Rennstalls.

Nun wird die Zeit knapp: Die unter dem Dach der GWPC (Grand Prix World Championship) zusammengefassten Autofirmen haben den Banken, die 75 % am Rennveranstalter Slec besitzen, ein Ultimatum bis Jahresende gestellt. Kommt es bis Ende Dezember nicht zu einer Lösung, wollen sie einen alternativen Rennzirkus gründen. "Diese Frist wird auf keinen Fall verlängert", droht man auf der Autoseite. Die Vorbereitungen für eine eigene Serie (Code "Formel Gold"), die 2008 starten könnte, laufen bereits.

Da bis dahin die Formel 1 in ihrer bisherigen Form gesichert ist, spielen vor allem die Banken auf Zeit. Zudem würde der Aufbau einer neuen Serie die Autokonzerne viele Millionen kosten. "Das wäre der pure Wahnsinn", sagt ein Beobachter.

In den vergangenen Monaten hat es bereits zahlreiche informelle Treffen zwischen den Parteien gegeben, meist am Rande von Veranstaltungen. Diesmal handelt es sich jedoch um eine eigens einberufene Verhandlungsrunde, an der auch Top- Vertreter aller Autofirmen teilnehmen.

"Es geht um viele Milliarden"

Noch vor Weihnachten wollen sich die Beteiligten einigen. Dass dies gelingt, glaubt niemand wirklich. Hauptstreitpunkt ist die Aufteilung der Slec-Schulden. "Es geht um viele Milliarden", sagt ein Londoner Banker, der selbst mit dem Geschäft befasst war. Er schätzt die Slec-Schulden auf 2,5 bis 3 Mrd. $. Sie rühren zum einen aus einem Milliardenbond, den Ecclestone aufgelegt hatte, nachdem der Börsengang der Slec Ende der 90er-Jahre gescheitert war. Außerdem hat Ecclestone angeblich viel Geld in das digitale Fernsehen gesteckt, was aber gefloppt ist.

Die Kirch-Gruppe hatte 75 % an der Ecclestone-Firma vom Medienunternehmen EM.TV übernommen. Nachdem auch Kirch in die Knie gegangen war, bekamen die drei Banken die Anteile. Das Sagen hat aber weiterhin Ecclestone, der die restlichen 25 % besitzt. Das macht die Verhandlungen nicht leicht. Verbissen kämpft der 73-Jährige um sein Werk. "Bernie streut ständig Sand ins Getriebe", sagt ein Beteiligter genervt.

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