Einigung auf ehemaligen Bundesaußenminister als Mittler
Genscher soll Tarifstreit bei der Lufthansa schlichten

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher soll den festgefahrenen Tarifstreit über höhere Gehälter für die Lufthansa-Piloten schlichten. Das Unternehmen und die Pilotenvereinigung Cockpit beriefen den 74-jährigen FDP-Politiker am Mittwoch einhellig zum unabhängigen Mittler in dem seit Februar währenden Konflikt. Über den Beginn und Ort der Gespräche haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Der Schlichterspruch wird nach Cockpit-Angaben in jedem Fall nicht bindend sein.

ap FRANKFURT/MAIN Die Lufthansa teilte mit, dass die Verhandlungen "unverzüglich" beginnen sollten. Über die Dauer der Schlichtung werde Genscher selbst bestimmen. Die Piloten sicherten zu, während der Gespräche nicht zu streiken. Mit insgesamt drei Ausständen haben sie dem Unternehmen in den vergangenen Wochen einen Millionenschaden zugefügt.

Genscher genieße "vor dem Hintergrund seiner internationalen sowie seiner tarifpolitischen Erfahrungen als ehemaliger Bundesinnenminister für diese schwierige Aufgabe bei allen Beteiligten ein besonders großes Vertrauen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Lufthansa und der Pilotenvereinigung. Beide Seiten hätten ihm versichert, dass sie die Schlichtungsgespräche zügig und erfolgsorientiert führen würden und an einem schnellen Abschluss interessiert seien, teilte die Lufthansa mit.

Genschers Sprecherin Barbara Lulay erklärte, der 74-Jährige habe sich für die Annahme des Angebots entschieden `mit Rücksicht auf die Bedeutung des Unternehmens für den Standort Deutschland, des Betriebsfriedens unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lufthansa sowie im Interesse der Kunden". Genscher war von 1969 bis 1974 zunächst Bundesinnenminister. Seinen Ruf als geschickter Diplomat und Vielflieger brachte er sich im Amt des Außenministers ein, das er bis 1992 insgesamt 18 Jahre lang inne hatte.

Die Pilotengewerkschaft schätzt den Schlichtungsprozess als `sehr schwierig" ein. Die Lufthansa habe mit ihrem Verhalten während der letzten Tarifrunde das gegenseitige Vertrauen völlig zerstört. `Wenn klar ist, dass auch die Schlichtung nur wieder ein Mittel ist, um die Sache auf die lange Bank zu schieben, dann behalten wir uns die Fortsetzung des Arbeitskampfes vor", kündigte Pierre Adam von der Tarifkommission der Gewerkschaft an.

Döring wirft Piloten Maßlosigkeit vor

Die Verhandlungen waren am Dienstag in ihrer siebten Runde ergebnislos abgebrochen worden. Die Piloten haben inzwischen ihre Forderung nach 35 % mehr Gehalt auf 24 % für ein Jahr heruntergeschraubt. Nach Angaben der Pilotenvereinigung, die etwa 80 % der rund 4 200 Piloten organisiert, gingen diese der Lufthansa während der letzten Runde noch weiter entgegen. Die Fluggesellschaft offerierte nach eigenen Angaben erneut 13,6 % mehr Gehalt mit vierjähriger Laufzeit plus eine variable Vergütung von zwei Monatsgehältern für das Jahr 2000.

Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring sagte dem SWR, er rechne mit einem Erfolg des Schlichtungsverfahrens. Den Piloten warf der FDP-Politiker maßlos überzogene Forderungen vor, die das gesamte Tarifgefüge gefährdeten. Angesichts der lahmenden Konjunktur sei bei allen anstehenden Tarifverhandlungen außerordentliche Zurückhaltung gefordert.

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