Einigung über TV-Rechte
Durch Spaniens Liga geht ein Riss

Fußball ist in Spanien traditionell ein chaotisches Geschäft. Schillernde Präsidenten, zwielichtige Transaktionen und lang gepflegte Fehden zwischen den Clubs sorgten schon immer für Unterhaltung abseits des grünen Rasens. Aber eine Streikdrohung der Clubs eine Woche vor Beginn der ersten spanischen Liga, das ist selbst für Spanien neu.

sk MADRID. Es geht um Geld, und das ist mittlerweile selbst in der Primera División knapp. Erst in allerletzter Minute einigten sich zu Beginn dieser Woche die so genannte G-30 - eine Gruppe von 30 Vereinen der Ersten und Zweiten Liga - mit dem Fernsehkonzern Sogecable über die Vergütung der Übertragungsrechte. In den kommenden drei Jahren sollen die rebellierenden Clubs insgesamt 264 Millionen Euro erhalten - zehn Millionen Euro weniger als ursprünglich gefordert. Die Streikdrohung der G-30 ist damit vom Tisch, bestätigte Liga-Präsident Pedro Tomás: "Es wird gespielt." Die Fans freuen sich, ein fader Beigeschmack bleibt.

Der mühsam erzwungene Kompromiss kaschiert den Riss, der durch den spanischen Fußball geht. Die zwölf größten Clubs der ersten Liga, darunter die Spitzenvereine Real Madrid und der FC Barcelona, haben längst ihre eigenen, lukrativeren TV-Verträge abgeschlossen. Die kleineren Clubs bestanden aber auf der Zentralvermarktung der Rechte, um von der Attraktivität der großen Clubs profitieren zu können.

Investoren an der Börse in Madrid begrüßten die Einigung. Die Titel des Senders Sogecable, der zum links-gerichteten Medienkonzern Prisa gehört und mit Digital plus den einzigen Pay-TV-Kanal in Spanien stellt, stiegen auf nunmehr gut 20 Euro. Seit Januar stieg der Wert um mehr als 130 Prozent; Sogecable ist damit Top-Performer im spanischen Referenzindex Ibex 35. Analysten in Madrid sehen trotz der Kursrally weiteres Potenzial. Sogecable hatte erst im Frühsommer den kleineren Pay-TV-Wettbewerber Vía Digital von Spaniens Telekommunikationskonzern Telefónica übernommen. Die Verhandlungen über die TV-Verträge laufen über die 80 Prozentige Sogecable-Tochter Audiovisual Sport. Bislang schreiben beide Unternehmen rote Zahlen.

Die Fußballclubs sind dringend auf die Gelder aus den TV-Übertragungsrechten angewiesen. Die meisten spanischen Vereine sind extrem verschuldet, die Spieler müssen oft monatelang auf ihre Gehälter warten. 80 Prozent der Fußballklubs hätten ihren Spielern die Gehälter nicht oder nur zum Teil überwiesen, polterte jüngst die Spielervereinigung. Viele Vereine scheinen sich in den vergangenen Jahren mit dem Einkauf teurer Spieler übernommen zu haben. Zudem profitierten viele Clubs vom scharfen Bieterkampf zwischen ursprünglich drei spanischen Pay-TV-Gesellschaften. In einem offenen Brief an die spanische Regierung, bezifferte die Fußball-Liga die Schulden der 42 Vereine der ersten und zweiten Liga auf 1,6 Milliarden Euro. Allein der FC Barcelona soll mit mehr als 200 Millionen Euro in der Kreide stehen. Lediglich Real Madrid kann sich durch immer wieder neue Winkelzüge teure Spieler wie zuletzt Superstar David Beckham leisten: Der clevere Real-Präsident und Baulöwe Florentino Pérez verkaufte ein millionenschweres Sportareal an die Stadt Madrid. Kurzerhand schickten die Madrillenen ihre Millionentruppe auf Promotion-Tour durch Asien, einen Teil ihrer Werbemillionen müssen die Stars an den Club abgeben, der damit die hohen Gehälter finanziert.

Für Sogecable ist der Verhandlungsmarathon in Sachen Fußball indes noch nicht zu Ende. Das Unternehmen sucht jetzt die Einigung mit den öffentlichen Fernsehanstalten über einen Teil-Verkauf der Übertragungsrechte. In Spanien muss eine Fußball-Grundversorgung im freien Fernsehen sichergestellt sein. Die Verhandlungen sollen bis spätestens Freitag abgeschlossen sein. Auch die Vereine sind noch nicht auf der sicheren Seite: Sie verhandeln mit der spanischen Regierung, um einen Aufschub der Steuerschulden von insgesamt 290 Millionen Euro.

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