Einigungsversuch mit Kirch gescheitert
Springer-Hauptversammlung fordert Sonderprüfung

Die Auseinandersetzung zwischen dem Axel Springer Verlag und dem Medienunternehmer Leo Kirch geht in eine neue Runde. Eine Sonderprüfung soll klären, ob Vorstand, Aufsichtsrat und Großaktionäre des Verlags mit der Entscheidung, sich über eine Verkaufsoption von ihrer Beteiligung an der Pro Sieben Sat.1 AG zu trennen, Interessen des eigenen Unternehmens verletzt haben.

ddp/vwd BERLIN. Nachdem ein gütlicher Einigungsversuch am Rande der außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag gescheitert war, stimmte die Versammlung am Abend in Berlin gegen das Votum der meisten Kleinaktionäre für die Prüfungen.

Damit wurden die Anträge der Print Beteiligungs GmbH, die den Kirch-Anteil an Springer in Höhe von 40 Prozent vertritt und nur das Verhalten des Springer-Vorstandes und das der Verlegerwitwe Friede Springer überprüfen lassen wollte, deutlich erweitert. Friede Springer, die über 50 Prozent der Verlagsanteile hält, durfte wegen Betroffenheit nicht mitstimmen.

Der Springer-Vorstand hatte zuvor eine Einigung abgelehnt, die die Zustimmung zu einer Sonderprüfung bei gleichzeitigem Verzicht beider Parteien auf Schadenersatzforderungen vorsah. Nach Worten des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner hätte dies die "Verhältnisse auf den Kopf" gestellt. Der von Kirch beantragten Sonderprüfung sieht Döpfner gelassen entgegen. Sie werde belegen, dass Vorstand und Aufsichtsrat bei der Ausübung der Verkaufsoption ordnungsgemäß gehandelt haben, sagte der Vorstandsvorsitzende. Allerdings werde die Prüfung "erhebliche Management-Kapazitäten" binden und für Unruhe im Unternehmen sorgen. Springer hatte im Mai von Kirch die vertraglich zugesicherte Übernahme der Senderbeteiligung für rund 770 Millionen Euro verlangt und damit die KirchMedia in akute Finanznot gebracht.

Der Vertreter der Print Beteiligungs GmbH, Ronald Frohne, begründete den Antrag auf Sonderprüfung und die Schadenersatzforderung damit, dass der Vorstand mit seiner Verkaufsentscheidung nur zum Wohle der Mehrheitsaktionärin Friede Springer und nicht des Unternehmens gehandelt habe. Friede Springer habe ihren Einfluss genutzt, um durch eine "Fernsteuerung des Vorstandes" eine Einigung mit der KirchGruppe zu verhindern. Dem Verlag habe ein Angebot von Kirch vorgelegen, das ihn in eine wirtschaftlich bessere und rechtlich sichere Position gebracht hätte. Döpfner betonte hingegen, dass es keine juristisch sicheren Alternativen zur Ausübung der Option gegeben habe.

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