Einkauf "erheblich aufregender"
Spannendere Zeiten für die deutschen Verbraucher

Reuters BERLIN. Für die deutschen Verbraucher könnte der Einkauf bald erheblich aufregender werden. Weit mehr als heute dürfte er es schon vom kommenden Frühjahr an in der Hand haben, die Preise für Autos, Kühlschränke oder andere große Anschaffungen zu drücken. Der auf der Ware angegebene Preis müsste dann eigentlich den Zusatz tragen "vor Verhandlung". Denn ist der Kunde selbstbewusst, weiß er, was ihm das Produkt wert ist, und hat er Zeit und Lust, kann er mit dem Verkäufer zu feilschen beginnen- und das mit guten Erfolgsaussichten. Denn nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Bestimmungen für Rabatte und Zusatzvergünstigungen bald fallen.

Doch auch nach der Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung, welche die Regierung am Mittwoch beschließen will, dürfte es in Deutschland nicht wie auf einem orientalischen Basar zugehen. "Ich glaube nicht, dass es zu heißen Preisverhandlungen beim Joghurt im Supermarkt kommt", dämpft Dirk Klasen von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV) all zu große Erwartungen. Bei Lebensmitteln werde es zum Feilschen kaum Raum geben. "Im Übrigen ist das auch eine Mentalitätsfrage", sagt Klasen. Er könne sich nur schwer vorstellen, dass es in deutschen Geschäften künftig wie im Basar in Istanbul zugehe.

Zu große Vorfreude wird gedämpft

"Es wird vor allem um größere Anschaffungen gehen: um das Auto, den Kühlschrank, die HiFi-Musikanlage oder Möbel", erwarten Verbraucherexperten. Hier werde der Kunde auf "eine Vielzahl von Preisangeboten mit drastischen zweistelligen Rabatten treffen", mit denen Händler ihn zu gewinnen versuchten. Das wäre eine Situation wie derzeit beim Sommer- und Winterschlussverkauf. Allerdings dämpft Klasen zu große Vorfreude: "Der Kunde muss dann kritischer werden." Der Verbraucher müsse sich stärker ins Zeug legen, die Angebote einordnen, vergleichen und Zusatzkosten mitbedenken. Dennoch sei die geplante Liberalisierung allemal Im Interesse der Kundschaft. Der selbstbewusste Kunde müsse die Möglichkeiten haben, Kaufentscheidung selbstständig und ohne unnötige Einschränkungen zu treffen.

Kritischer sehen Verbraucherschützer wie Klasen die Zugaben und Vergünstigungen, die der Händler mit dem Geschäft verbindet. Dabei geht es um zusätzliche Leistungen und Rabattanreize, die mit Kundenkarten verbunden werden. Hier gebe es einen Anlass, im Interesse der Kunden für mehr Transparenz zu sorgen. Der Käufer müsse wissen, was ihn eine Sache tatsächlich koste. Aktuelle Beispiele für das künftige Geschehen gebe es ja schon beim Handy-Kauf. Da würden Mobiltelefone umsonst angeboten, allerdings müssten die Kunden mit dem Netz-Betreiber einen zwei Jahre währenden Vertrag abschließen, der auf Dauer einiges koste. Dieses Beispiel zeigt aus Sicht der Verbraucherschützer, dass schon derzeit etliche Praktiken akzeptiert werden, die die strengen Preis- und Zugabe-Regelungen unterlaufen, und dass die Kunden sich eben nicht nur ausschließlich am Preis für das Telefon orientieren dürfen. Klasen ist aber zuversichtlich, dass das Gros der Kunden sich mit dieser Vielfalt zurecht kommen wird.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), der viele Klein- und Mittelbetriebe vertritt, ist da skeptischer. Er fürchtet, das sich die Kunden durch schreiende Rabatt- und Vergünstigungsangebote blenden lassen. Zudem treibt ihn die Sorge um, dass die Aufhebung des Rabattgesetzes vor allem den Branchengrößen mit ihrer Produktvielfalt und finanziellen Stärke nutzen wird. Verbraucherverbände sehen da nicht so schwarz: es gebe auch für kleine und mittlere Händler die Möglichkeit, dem über eine stärkere Kooperationen geeignete Strategien entgegen zu setzen.

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