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Einkaufsmanager-Index schwächt sich weiter ab

Das Wachstum der Verarbeitenden Industrie in der Euro-Zone hat sich nach einer Reuters-Umfrage im März spürbar abgeschwächt und weist damit Analysten zufolge auf eine anhaltende konjunkturelle Verlangsamung hin.

rtr LONDON. Der Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone sank zum elften Mal in Folge und erreichte mit 51,2 (52,3) Punkten den tiefsten Stand seit zwei Jahren, teilte die Forschungsgruppe NTC, die den Index für Reuters ermittelt, am Montag in London mit. Der Index-Rückgang gehe mit nahezu stagnierenden Auftragseingängen und einem geringeren Personalzuwachs einher. Analysten werteten die Zahlen als Beleg für die anhaltende Konjunkturabschwächung und rechnen auch in den kommenden Monaten mit rückläufigen Indexwerten. Damit erhöhe sich der Druck auf die EZB, bald die Leitzinsen in der Euro-Zone zu senken. Auch in Deutschland setzte der Index seinen Abwärtstrend fort.

Indexwerte über 50 Punkten zeigen ein Wachstum an, Werte darunter ein Schrumpfen. Der Index der Euro-Zone war seit Juni 1999 von 52,5 Punkten auf ein Hoch von 60,7 Punkten im April 2000 gestiegen. Seither ist er allerdings kontinuierlich gefallen. In Deutschland sank der Index den neunten Monat infolge auf 51,1 (52,8) Punkte.

Die Forschungsgruppe teilte mit, insbesondere das weiter nahezu stagnierende Neugeschäft sei, wie bereits in den Vormonaten, für den Index-Rückgang verantwortlich. Der Auftragseingang-Index für die Euro-Zone ist den Angaben nach um zwei Prozentpunkte auf 50,9 Punkte gesunken und zeigt damit ein nahezu stagnierendes Neugeschäft an. Österreich und Italien hätten im März sogar von einem rückläufigen Index berichtet. Analog zum nachlassenden Neugeschäft sei auch der Beschäftigten-Index weiter zurückgegangen. Zugleich hätten sich die Lieferzeiten im Berichtsmonat etwas verlängert. Die schwächere Nachfrage habe zudem den Preisauftrieb weiter abgeflacht.

Volker Nitsch, Volkswirt bei der Bankgesellschaft Berlin, sieht noch kein Ende der Abwärtstendenz beim Einkaufsmanager-Index erreicht. "Wenn sich das so fortsetzt, wird es in zwei bis drei Monaten zu kontraktiven Werten kommen", sagte Nitsch. Dann werde die Situation "bedrohlich", fügte er hinzu. Nach Auffassung von Peter Saacke von Merrill Lynch in London ist es offensichtlich, dass sich die weltweite Konjunkturabschwächung nun negativ auf die Auftragseingänge auswirkt. Insbesondere die Rückgänge bei den Exportaufträgen seien Besorgnis erregend.

Auch Norbert Braems, Volkswirt bei Sal. Oppenheim, war von dem Rückgang der Indizes nicht überrascht. "Der Trend ist eindeutig, auch die Exportkomponente trifft es jetzt", sagte Braems. In Deutschland ist der Export-Index der Umfrage zufolge zum ersten Mal seit zwei Jahren unter die Marke von 50 Punkten gefallen und weist damit auf einen Rückgang der Exporttätigkeit hin. Trotzdem befindet sich nach Einschätzung von Braems die Wirtschaft in der Euro-Zone weiter auf Wachstumskurs, worauf die Gesamt-Indexwerte über 50 Punkte hindeuten.

Einige Analysten rechnen damit, dass der Reuters-Einkaufsmanager-Index sich mit ein paar Monaten Nachlauf in gleichem Maße entwickeln wird wie der entsprechende Frühindikator für die USA, der NAPM-Einkaufsmanager-Index. Dieser war im vergangenen August unter die Marke von 50 Punkten abgerutscht und verwies damit bereits auf die aktuelle kräftige Konjunkturabkühlung in den USA. "Wir sollten damit rechnen, dass diese (Reuters-Einkaufsmanager-) Zahlen in den nächsten zwei oder drei Monaten unter 50 Punkte fallen", sagte Catherine Lee von RBS Financial Markets.

Von der EZB erwarten die Volkswirte deshalb mehrheitlich noch in diesem Monat eine Leitzinssenkung um mindestens 25 Basispunkte. "Die EZB steht weiter unter Druck. Sie hat jetzt bei der Inflation das Problem mit Sonderkomponenten wie Nahrungsmittel", sagte Braems. Die Zentralbank werde aber die konjunkturelle Komponente stärker gewichten und bald die Zinsen senken. "Wenn nicht bei der nächsten Sitzung, dann bei der übernächsten", fügte Braems hinzu. Nach Auffassung von Stephen Webster von 4Cast in London spricht auch der geringere Preisauftrieb, auf den der Rückgang des Preis-Index hinweise, für eine baldige Zinssenkung der EZB.

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