Einkaufsmanagerindex bricht ein
Neue Hiobsbotschaften aus den USA

Die Konjunkturperspektiven für die USA haben sich nochmals verschlechtert. Nach dem Verbrauchervertrauen ist nun auch der nationale Einkaufsmanagerindex (NAPM) eingebrochen. Er gilt als guter Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden halben Jahr.

wmu DÜSSELDORF. Das Konjunkturklima in den USA ist derzeit rundum schlecht. Nicht nur bei den Verbrauchern, auch in den Unternehmen herrscht nach den Anschlägen vom 11. September große Verunsicherung. Das belegt der unerwartet scharfe Einbruch des nationalen Index der Einkaufsmanager (NAPM) für das produzierende Gewerbe im Oktober. Er fiel gegenüber September von 47,0 auf 39,8 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 1991. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 44,7 Zähler gerechnet. Der ebenfalls unerwartet starke Rückgang der Ausgaben der Privathaushalte im September belegt zudem, dass der private Konsum derzeit als Konjunkturstütze ausfällt.

Der Einkaufsmanager-Index gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen in den kommenden Monaten. Er setzt sich aus mehreren Teilindikatoren zusammen. Laut NAPM-Definition weist ein Indexwert von über 50 Punkten auf Wirtschaftswachstum hin, Werte darunter deuten auf eine schrumpfende Wirtschaft. Längerfristige empirische Untersuchungen haben aber ergeben, dass bereits ein Wert von über 44 Punkten Wachstum signalisiert.

Dieser ist nun freilich ebenfalls deutlich unterschritten, so dass die Rezessionsbefürchtungen neue Nahrung erhalten. Norbert Ore von der Einkaufsmanagervereinigung NAPM erklärte am Donnerstag, der Durchschnittswert des Index zwischen Januar und Oktober lasse auf ein Jahreswachstum der gesamten US- Wirtschaft von 0,3 % schließen. Wäre der Oktober-Wert dagegen der Jahresdurchschnitt, wäre die US-Wirtschaft um 1,1 % geschrumpft.

Die drei Teilindikatoren, die mit einem überdurchschnittlich hohen Gewicht in den Gesamtindex eingehen, sind auch besonders stark eingebrochen. Der Teilindikator für die Auftragseingänge (Gewicht: 30 %) sank von 50,3 auf 38,3 Punkte. Ähnlich drastisch, nämlich von 51,3 auf 40,9 Punkte, ging der Produktionsindikator zurück, der zu 25 % in den Gesamtindex eingeht. Der Beschäftigungsindikator (20 %) sank von 41,2 auf 35,1 Punkte. Bei den Lagerbeständen verzeichnet die NAPM nunmehr seit 21 Monaten eine Kontraktion.

Der Oktober-Index spiegelt nach Ores Angaben zum ersten Mal die vollständigen Auswirkungen der Anschläge vom 11. September wider. Die Indexverläufe unmittelbar vor den Anschlägen hätten auf eine Besserung im produzierenden Gewerbe in absehbarer Zeit hingedeutet. Nun werde es einige Zeit dauern, bis sich der Negativtrend wieder umkehre. Als positiv wertete es der NAPM- Ökonom, dass der Teilindikator für die Auftragseingänge aus dem Ausland fast konstant blieb.

Unerwartet deutlich fiel auch der Rückgang der Ausgaben der Privathaushalte im September hin. Diese sanken gegenüber August um 1,8 %. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 0,8 % gerechnet. Die persönlichen Einkommen blieben dagegen unverändert.

Ökonomen wiesen allerdings auf einen Sondereffekt hin, der die persönlichen Ausgaben besonders stark sinken ließ. Die Auszahlungen von Versicherungen werden in der US-Statistik für die persönlichen Ausgaben mit den Prämienzahlungen saldiert. Da auf Grund der Anschläge besonders viele Versicherungsleistungen fällig wurden, führte dies bei den Ausgaben zu einem ungewöhnlich hohen Minus. Nach Berechnungen der DGZ-Deka-Bank wären die persönlichen Ausgaben ohne diesen Sondereffekt "nur" um 1,0 % gesunken.

Wenig erfreulich fielen auch die Bauausgaben aus. Sie fielen zum fünften Mal in Folge und verminderten sich im September zum Vormonat um 0,4 %. Lediglich die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung entwickelten sich etwas positiver als erwartet. Sie sanken in der vergangenen Woche um 10 000. Ungeachtet dessen wird erwartet, dass der heute erscheinende Arbeitsmarktbericht eine weitere Verschlechterung der Beschäftigungssituation im Oktober ausweist.

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