Einkaufsmanagerumfragen: Keine Anzeichen für eine Erholung
Industriestimmung in den USA und Europa bessert sich

In den USA mehren sich die Anzeichen für eine baldige Konjunkturerholung. Jetzt hat sich die Stimmung in der Industrie deutlich verbessert.

hus/pbs/Reuters NEW YORK/DÜSSELDORF. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage unter Einkaufsmanagern im Dezember des Instituts for Supply Management (ISM, vorher NAPM). Dagegen bleiben die Aussichten für Deutschland trüb. Während der Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone ebenfalls gestiegen ist, ging er für Deutschland zurück. "Deutschland wird auch in diesem Jahr beim Wirtschaftswachstum das Schlusslicht in Euroland darstellen," meinen die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Der US-Einkaufsmanager-Index ist deutlich stärker als von Volkswirten erwartet auf 48,2 von noch 44,5 Punkten im November gestiegen. Allerdings signalisieren Werte unter 50 Zählern stets ein Schrumpfen der Geschäftstätigkeit. Zumindest die Teilindizes für Produktion und neue Aufträge sind über diese kritische 50-Punkte-Marke gestiegen. In den Index fließen die Einschätzungen gleich zu mehreren Gebieten ein - unter anderem zur Lagerhaltung, den Auftragseingängen und zur Beschäftigung.

Chef-Ökonom David Wyss vom Finanz-Informationsdienst Standard & Poors glaubt, dass die US-Wirtschaft das vierte Quartal 2001 mit einem Null-Wachstum abschließen wird. "Die Industrie-Unternehmen haben diesmal ihre Lagerbestände rascher reduziert als in vorhergehenden Rezessionsphasen, das hat sich positiv ausgewirkt", glaubt er. Außerdem hätten die Konsumenten schneller Einkaufslust gezeigt, als nach den Terror-Attacken des 11. September erwartet worden war. Chef-Ökonom David Littmann von der Comerica Bank in Detroit geht davon aus, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal sogar ein leicht positives Wachstum vorgelegt hat. "Das bestätigt, was wir schon in der Auto-Industrie gesehen haben", sagte er, "innerhalb des nächsten Quartals wird die Industrieproduktion wieder anziehen." "Unsere Ökonomie hat die Talsohle erreicht", sagte Littmann und erwartet für 2002 ein Wirtschaftswachstum in den USA von 2,4 %.

In der Euro-Zone hat sich das Tempo des Abschwung im verarbeitenden Gewerbe zumindest verringert. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index ist das zweite Mal hintereinander gestiegen und liegt jetzt bei 44,1 nach zuvor 43,6 Punkten, gab die Forschungsgruppe NTC in London bekannt. Allerdings haben die 2 500 befragten europäischen Unternehmen den neunten Monat in Folge rückläufige Auftragseingänge gemeldet, die Produktion ist erneut geschrumpft.

In Deutschland ist das Barometer dagegen leicht auf 43,5 nach 43,9 Punkten gefallen. Das Tief von Oktober wurde allerdings nicht unterschritten. Rund ein Fünftel der Befragten hat geringere Mitarbeiterzahlen gemeldet. Die Stellenstreichungen hätten vor allem Beschäftigte mit Zeitverträgen getroffen, es habe aber auch zahlreiche Entlassungen gegeben. Eine baldige Erholung des deutschen Industriesektors könne aus den Daten nicht herausgelesen werden, sagte James Stewart von Weavering Capital in London. Adolf Rosenstock von Nomura bezeichnete die deutschen Daten als enttäuschend.

Auf Dauer ist eine Konjunkturbelebung in Euroland aber nur mit der deutschen Wirtschaft möglich, heißt es bei der Commerzbank. Hoffnung mache allerdings, dass die Neuaufträge und die Exportaufträge im Dezember besser beurteilt worden seien.

Angesichts der ungewissen Entwicklung in Deutschland erwarten viele Analysten in den nächsten Monaten eine erneute Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um mindestens einen Viertel Prozentpunkt. In diesem Zusammenhang wirkt es störend, dass die Preisindizes sowohl für Deutschland als auch die Euro-Zone leicht gestiegen sind.

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