Einkaufstour am Neuen Markt
Microboss will sich Börsenmantel und Aufmerksamkeit sichern

Inmitten der Kursturbulenzen am Neuen Markt will die Duisburger Microboss Software AG den Gang an den Neuen Markt wagen, aber das nicht aus eigener Kraft, sondern im Mantel der insolventen Gigabell AG aus Frankfurt. Die nächsten Coups sind auch schon geplant. So will Mircroboss auch an die Nasdaq. Nicht alle sind angetan vom Börsengang zum Spartarif. Die Deutsche Börse hält das Vorhaben für wenig aussichtsreich; Future Securities kündigte Microboss die Zusammenarbeit auf.

vwd/dpa-afx/jgoDÜSSELDORF/FRANKFURT. Microboss will Gigabell per Aktientausch im Verhältnis 20 zu eins übernehmen. Außerdem plant das Unternehmen nach eigenen Angaben zur Abrundung seines Geschäfts den Kauf von zwei weiteren Unternehmen am Neuen Markt, wie Vorstandsvorsitzender Sudhir Bhatia am Mittwoch ankündigte. Im Ausland will Microboss dagegen organisch wachsen. Später ist auch eine Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq geplant.

Allerdings wird das Unternehmen nicht allein durch die Übernahme eines insolventen Unternehmens in das Wachstumssegment Eingang finden können. Wie die Deutsche Börse AG am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, ist es nicht erlaubt, dass ein am Neuen Markt notiertes Unternehmen per Aktientausch durch ein anderes, noch nicht gelistetes, ersetzt wird. Ursula Schneider, Sprecherin der Deutschen Börse, sagte, nach der Übernahme von Gigabell durch Microboss entstehe ein neues Unternehmen, das vor einer Notierung an der Börse die selben Anforderungen zu erfüllen habe wie jedes andere Unternehmen.

Firmengründer Bhatia sagte: "Wir wollen Gigabell übernehmen und werden auch die Voraussetzungen erfüllen, um an den Neuen Markt zu gehen." Im Gespräch mit Handelsblatt.com sagte Bhatia, das Unternehmen werde die rechtliche Lage genau prüfen. Der Unternehmensgründer sagte, Microboss sei es nicht darum gegangen, Aufmerksamkeit zu erhalten. "Der Aktientausch war sehr ernst gemeint." Bhatia sagte, er sei bei der Zeitungslektüre auf den Einfall gekommen, Gigabell zu übernehmen. Eine reguläre Neuemission komme für Microboss nicht in Frage, da sie zu teuer und im derzeitigen Marktfumfeld wenig Erfolg versprechend sei.

Von der Gigabell AG, deren Aktien auf die Nachricht hin in die Höhe schossen, war zunächst keine Stellungnahme zu dem Angebot zu erhalten, und auch Insolvenzverwalter Dirk Pfeil war nicht erreichbar. Das Frankfurter Unternehmen hatte im September als erstes am Neuen Markt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt, das am 1. November eröffnet worden war. Das operative Geschäft wurde in der Zwischenzeit von dem finnischen Internetprovider Saunalahti/Jippii übernommen. Das Angebot von Microboss startet voraussichtlich Anfang Februar. Eine Frist für den Umtausch sei wegen der gesetzlichen Bestimmungen nicht nötig, sagte Bhatia.

Future Securities kündigt Zusammenarbeit auf

Das Wertpapierhandelshaus Future Securities, das Microboss im Telefonhandel betreut und für Gigabell als so genannter Designated Sponsor tätig ist, distanzierte sich unterdessen in einer Pressemitteilung von der Offerte und kündigte die Zusammenarbeit mit Microboss auf. Bhatia zeigte sich überrascht von der Entscheidung. Nach seinen Angaben ist Future Securities etwa ein Jahr für Microboss tätig gewesen. Future Securities will der Mitteilung zufolge mit Wirkung vom 12. Januar 2001 den vorbörslichen Handel mit Aktien der Microboss AG einstellen. Am Mittwoch Abend war von Future Securites niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Das Tauschverhältnis von 20 Gigabell- gegen eine Microboss-Aktie gilt nach Bhatias Worten bis Ende Januar, danach sei eine Verschlechterung möglich. Man wolle bestenfalls alle Aktien, auf jeden Fall aber die Mehrheit an Gigabell übernehmen. Zum geplanten Gang an den Neuen Markt hielt sich Bhatia bedeckt: Erst wolle er die Übernahme abschließen - "dann gehe ich den zweiten Schritt". Mit dem Going Public will das 1997 gegründete und zwei Jahre später in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Unternehmen, das sich als Weltmarktführer für CD-basierte MP3-Spieler sieht, das weitere Wachstum finanzieren, das sehr kapitalintensiv sei.

Das Grundkapital beträgt etwa 2 Millionen Euro

Zu den zwei anderen geplanten Übernahmen am Neuen Markt sagte Bhatia, die betreffenden verlustbringenden Unternehmen aus dem Medienbereich passten sehr gut ins unternehmerische Konzept von Microboss und seien schnell zu haben. Beiden habe man Angebote geschickt, eines habe bereits reagiert. Für dieses Jahr peilt Microboss einen Umsatz von bis zu 20 Mill. DM an. 1999 waren rund drei Mill. DM erlöst worden, nach 2,9 Mill. DM im Jahr zuvor und 0,7 Mill. DM im Gründungsjahr 1997. Als Jahresüberschuss waren 1998 genau 0,23 Mill. DM verblieben, 1999 verringerte sich der Nettogewinn wegen hoher Abschreibungen auf 0,1 Mill. DM. Microboss beschäftigt 14 bis 16 Mitarbeiter und hat ein Grundkapital von rund zwei Mill Euro.

Microboss lebt vom MP3-Boom

Hauptaktionär ist Firmengründer Bhatia mit einem Anteil von 98 %, die restlichen Anteile liegen bei rund 50 Gesellschaftern. Microboss liefert seine MP3-Player auch nach Großbritannien, Belgien, in die Niederlande, Schweiz, Österreich, Italien und Griechenland. Zu den Hauptkunden zählen die zur Metro gehörenden Elektronikmärkte Saturn und MediaMarkt. Demnächst hoffe man, Rewe und Otto-Versand als Kunden zu gewinnen, sagte Bhatia. Eine starke Stellung habe das Unternehmen auch als Anbieter von computergenerierten 3D-Modellen. Zur IT-Messe Cebit im März will Microboss mit 30 MP3-Playern auf dem Markt sein. In den nächsten Monaten will das Unternehmen verstärkt in den Markt der Tonträger vordringen. Als erste Produkte sind MP3-Audio-Books geplant.

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