Einladung ins Weiße Haus
Zabel verpasst das Grüne Trikot

Erik Zabels Konkurrent Mc Ewen kürte sich zum besten Sprinter auf der Champs Elysees. Lance Armststrong fuhr seinen vierten Gesamtsieg bei Tour souverän nach Hause.

HB PARIS. US-Präsident George Bush gratulierte dem Triumphator Lance Armstrong auf den Pariser Champs Elysees via Handy. Wenige Minuten, nachdem der 30-jährige Texaner die Tour de France zum vierten Mal in Folge seit 1999 gewonnen hatte, klingelte sein Telefon. "Komm ins Weiße Haus und bring dein Gelbes Trikot mit, sagte der Präsident. Er ist ein wahrer Sportsmann und Texaner wie ich", freute sich Armstrong über den prominenten Gratulanten nach seinem erneuten Höhenflug.

Die 89. Tour de France wurde für den vierfachen Gewinner zur Triumphfahrt. Erik Zabel (Unna) dagegen musste sich am Sonntag nach insgesamt 3277 km umgewöhnen: Zum ersten Mal seit 1996 verpasste der Etappensieger von Alencon das Grüne Trikot. "Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich respektiere, dass einer besser war", sagte Zabel. Der Australier Robbie McEwen, der wie 1999 die Schluss-Etappe auf den Champs Elysees nach 144 km im Massensprint gewann, löste den Berliner Weltranglisten-Spitzenreiter als bisher sechsfachen Serien- Sieger der Punktwertung ab. "Wer im Grünen Trikot die letzte Etappe gewinnt, hat sich den ersten Platz in der Punktwertung redlich verdient. Ein eigener Fehler in der letzten Kurve, als ich mit Fagnini ins Gehege kam, hat mich wahrscheinlich eine bessere Platzierung gekostet. Natürlich ärgere ich mich, dass das Trikot weg ist, aber meine Leistung kann sich auch so sehen lassen", sagte der am Sonntag siebtplatzierte Zabel, der in der Punktwertung 19 Zähler weniger als McEwen sammelte.

Allerdings gab er auch eine Kampfansage ab: "Ich komme nächstes Jahr wieder." Wegen Armstrongs Dominanz, der vier Tagessiege verbuchte, verlief die Tour ohne Überraschungen. Bei seinem vierten Sieg in Folge konnte das Phänomen aus Texas seinen Abstand zum zweiten des Gesamtklassements zum dritten Mal vergrößern. Diesmal siegte er mit 7:17 Minuten vor dem Spanier Joseba Beloki, dem dritten der vergangenen beiden Jahre. Jan Ullrich, in diesem Jahr nicht dabei, fuhr 2001 in der Endabrechnung 6:44 Minuten (2000: 6:02) hinterher. Bester der acht deutschen Tourstarter war der Ansbacher Jörg Jaksche auf Rang 31 mit 56:05 Minuten Rückstand auf den "Überflieger" Armstrong. Die Tour-Überraschung Raimondas Rumsas (Litauen) wurde bei seiner Premiere mit 8:17 Minuten Rückstand Dritter.

Wenigstens der Kampf um das Grüne Trikot hielt die Spannung im Tour-Finale zwischen Melun und Paris am Sonntag hoch. Beim ersten Zwischensprint nach 54 km überraschte McEwen Zabel und gewann mit einem langen Sprint von der Spitze. Damit war er in der Punktwertung um drei Zähler enteilt. "Da hat er einen Elfmeter rausgeholt", meinte Zabel. Den zweiten Zwischensprint überließen die beiden den US- Postal-Fahrern Armstrongs. Damit musste der Schlussspurt die Entscheidung bringen. Im Vorjahr hatte Zabel McEwens Landsmann Stuart O'Grady im letzten Moment noch um zwei Punkte abgefangen. Diesmal hatte er im finalen Spurt keine Chance. "Heute ärgern wir uns, dass das Trikot weg ist. Morgen nicht mehr", sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, der nur eine sehr durchwachsene Tour-Bilanz ziehen konnte: "Erik hatte einen Tag das Gelbe Trikot, hatte bis Beziers das Grüne und gewann die Etappe in Alencon.

Er hat die Erwartungen erfüllt. Aber besonders mit unseren Bergfahrern konnten wir nicht zufrieden sein." Von den übrigen deutschen Startern war nicht viel zu sehen. Besonders der Berliner Jens Voigt, im Vorjahr Etappensieger und einen Tag in Gelb, war enttäuscht: "Das vergessen wir mal ganz schnell. Zum Glück hat unser Team wenigstens einen Etappensieg." Voigt war durch einen Sturz, der eine Knie-Verletzung nach sich zog, gehandicapt. Seine große Meisterschaft, aber auch eine gewisse Besessenheit bewies Armstrong noch ein Mal am Samstag beim 50 km-Zeitfahren in Macon. Dort riskierte er viel, holte sich auf schwierigem Parcours den Etappensieg mit einem Stundenmittel von 47 km und nahm Revanche für seine Niederlage im ersten Zeitfahren von Lorient gegen den Kolumbianer Santiago Botero. "Es ist nie leicht eine Tour de France zu gewinnen. Aber mit einem Super-Team, wie ich es hatte, ist das Leben leichter. Sie mussten härter arbeiten als ich", zog Armstrong Bilanz der vergangenen 24 Tage.

Noch nie seit 1999 schien die Gegenwehr der eingeschüchterten Konkurrenz so gering. Seinen Start für nächstes Jahr hat Armstrong schon angekündigt. 2003 im 100. Jubiläums-Jahr der Tour kann der ehemalige Krebspatient mit einem erneuten Erfolg in den exklusiven Kreis der fünffachen Toursieger Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufsteigen.

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