Einnahmen aus dem Ölexport brechen weg: Syrische Wirtschaft schwert belastet

Einnahmen aus dem Ölexport brechen weg
Syrische Wirtschaft schwert belastet

Die syrische Wirtschaft gerät auch ohne die von den USA angedrohten Sanktionen erheblich unter Druck. Schon in den ersten Kriegstagen wurden die Öllieferungen aus dem Irak eingestellt. Syrien kündigte daraufhin seinen Kunden an, im weiteren Verlauf dieses Jahres die eigenen Ölexporte um 40 % zu drosseln.

DÜSSELDORF. Bislang bezog Syrien aus dem Irak circa 200 000 Barrel pro Tag zu Sonderkonditionen unter Umgehung des Uno-Programms "Öl für Lebensmittel" und speiste daraus seinen Inlandsbedarf.

In diesem Jahr muss Damaskus schmerzliche Einnahmeausfälle wegstecken, denn zu den gleichen Konditionen wie bisher dürfte Syrien keine Öllieferungen aus dem Irak mehr erhalten. 2002 konnte Damaskus aus dem illegalen Ölgeschäft noch 500 Mill. $ verbuchen. "Syrien dürfte ein enormer Schaden aus dem Irak-Krieg entstehen", erwartet Professor Yahya Sadowsky von der Amerikanischen Universität in Beirut. Die Lage ist für Syrien umso dramatischer, als die eigenen Ölreserven nur sehr begrenzt sind.

Der Krieg im Nachbarland trübt Syriens Wachstumserwartungen ein. Ministerpräsident Mustapha Miro bezifferte die Zunahme des syrischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber der Oxford Business Group für 2002 noch mit 3,3 %. Diplomaten in Damaskus sprechen jetzt mit einigem Understatement von "unerfreulichen Auswirkungen des Irak-Krieges". Die in London ansässige Economist Intelligence Unit reduzierte die Prognose für 2003 bereits auf 2 %, da Einnahmen aus dem Tourismus, die den Leistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr noch auf 800 Mill. $ (3,9 % des BIP) geschraubt hatten, infolge des Irak-Krieges ebenso wegbrechen wie die Öleinnahmen.

Die ausbleibenden Windfall-Profite aus dem Ölgeschäft zwingen Damaskus zum Umdenken. Die Regierung müsste nun eigentlich die angedachten Wirtschaftsreformen beschleunigen. "Im Moment wissen die Syrer allerdings nicht so recht, wie sie mit der Lage umgehen sollen", beobachten Diplomaten in Damaskus. "Zur Zeit herrscht eine angespannte Unsicherheit." Jetzt rächt sich, dass die bei Amtsantritt von Präsident Baschar Assad angestoßenen Reformen im Ansatz stecken geblieben sind. "Man könnte aus dem Land sehr viel mehr machen", sagt Nahost-Experte Jochen Münker vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Er verweist vor allem auf ungenutzte Potenziale im Tourismus und im Kosmetiksektor.

Hinderlich für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland sind laut Münker die hohen Importbarrieren. Zwar setzt Premier Miro auf die Einrichtung einer Arabischen Freihandelszone, um neue Geschäftsfelder zu erschließen, aber das ist wohl noch Zukunftsmusik. Aussichtsreicher ist der Abschluss eines Assoziationsabkommens mit der Europäischen Union. Darüber wird schon seit 1998 verhandelt. "Aber", so heißt es in diplomatischen Kreisen in Damaskus, "wenn die Syrer intelligent sind, dann werden sie diese Verhandlungen jetzt mit Nachdruck vorantreiben." Noch verhindern syrische Wünsche an einen präferentiellen Zugang für Agrarprodukte und das starre Handelsregime mit seinen vielfaltigen Importverboten einen schnelleren Abschluss.

So wird der sichtbarste Ausdruck für Wirtschaftsreformen in diesem Jahr wohl die Eröffnung von fünf Privatbanken bleiben. Im vergangenen Dezember, mehr als zwei Jahre nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens, hatte die syrische Regierung angekündigt, fünf ausländischen Banken das operative Geschäft in Syrien zu genehmigen. Darunter befinden sich zwei jordanische, zwei libanesische und eine Bank aus Bahrein. Doch weil der ausländische Kapitalanteil auf 49 % begrenzt wurde, sprechen Kritiker noch nicht von einem wirklichen Durchbruch im dem archaischen Bankensystem. "Von dieser Reform hatten wir uns eigentlich mehr erhofft", sagt Münker.

Trotz des Irak-Krieges und drohender Sanktionen will die deutsche Wirtschaft schon im Mai die sich aus dem Öffnungsprozess des Landes ergebenden Marktchancen in Syrien sondieren. "Wir gehen von Business as usual aus", sagt der DIHK-Experte. Deutsche Produkte sind in Syrien begehrt, aber das Handelsvolumen ist noch sehr bescheiden. Die deutschen Ausfuhren erreichten 2001 knapp 450 Mill. $. Unter den Lieferanten steht die deutsche Wirtschaft mit über 7 % Importanteil allerdings auf Platz zwei. Deutsche Unternehmen hoffen jetzt, insbesondere bei der Exploration der reichhaltigen Gasressourcen und bei der Lieferung von Maschinen zum Zuge zu kommen.

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