Einnahmen von mehr als 2 Mrd. Euro
Deutsche Bank verkauft auch US-Leasingtochter

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann macht Tempo: Die Verhandlungen über den Verkauf des Geschäfts mit der Verwahrung von Wertpapieren und der passiven Vermögensverwaltung stehen kurz vor dem Abschluss. Zudem wird sich die Bank von ihrer US-Leasing-Tochter trennen.

FRANKFURT/M. Das Verkaufsprogramm von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fällt umfangreicher aus als bislang bekannt. Nach Informationen des Handelsblatts will sich das Institut nicht nur vom Geschäft mit der Wertpapierverwahrung und der passiven Vermögensverwaltung trennen, sondern darüber hinaus auch ihre US-amerikanische Leasingtochter Deutsche Financial Services (DFS) abstoßen. Der Abschluss der Verkaufsgespräche werde bereits in den kommenden Tagen erwartet, hieß es in Finanzkreisen.

Bei der DFS handelt es sich um einen Anbieter von Spezialfinanzierungen für Firmenkunden mit Sitz in St. Louis, der 1 750 Mitarbeiter beschäftigt und ein Finanzierungsvolumen von 12 Mrd. US-Dollar betreut. Die Deutsche Bank hatte das Unternehmen im Mai 1995 für 2,6 Mrd. US-Dollar vom amerikanischen Mischkonzern ITT Corp. übernommen. Ein Verkaufspreis in dieser Größenordnung gilt heute allerdings als völlig ausgeschlossen. Hintergrund für den Zukauf waren damals die guten Verbindungen der DFS zu Firmenkunden in Nordamerika, denen die Deutsche Bank ihre Produkte anbieten wollte. Doch inzwischen gehört die US-Tochter nicht mehr zu den Kernbereichen des Instituts. Ackermann hatte bereits angekündigt, sich "von denjenigen Geschäftsfeldern zu trennen, die weder strategischen Zielen dienen noch ausreichende Renditen erzielen".

Bei der Umsetzung dieser Vorgabe will der Vorstandssprecher offenbar keine Zeit verlieren. Auch für das Wertpapierverwahrgeschäft (Custody) und das passive Asset Management (an Indizes ausgerichtete Vermögensverwaltung) wird der Bankchef in den kommenden Tagen einen Käufer präsentieren. Die Verhandlungen stünden in beiden Fällen sehr kurz vor dem Abschluss, hieß es in Finanzkreisen.

Beim Verkauf des Custody-Geschäfts hatten drei Kandidaten, ABN Amro Mellon Securities, die State Street Bank sowie die Bank of New York den Sprung in die entscheidende Bieterrunde geschafft. Inzwischen räumen Finanzkreise State Street die besten Chancen ein, den Zuschlag zu erhalten. Nach Einschätzung von Investmentbankern, die mit der Transaktion vertraut sind, könnte die Deutsche Bank für ihr Wertpapierverwahrgeschäft derzeit einen Preis zwischen 1 und 1,5 Mrd. Euro erzielen. Dieser Wert würde zwar deutlich unter den bisher für derartige Transaktionen üblichen Maßstäben liegen. Nach Meinung der Banker ist im Moment allerdings niemand bereit, mehr für das Geschäft der Deutschen zu bezahlen, da der Bereich im Vergleich zu Konkurrenten wie JP Morgan Chase weniger effizient arbeite.

Im passiven Asset Management verwaltet die Deutsche Bank rund 160 Mrd. Euro. Nach Analystenschätzungen könnte die Bank für diesen Bereich einen Preis von 700 bis 800 Mill. Euro erzielen. Bei der Übernahme der US-Fondsgesellschaft Scudder habe das Institut im vergangenen Jahr rund 1% des aktiv verwalteten Vermögens als Kaufpreis bezahlt. Für das passive Geschäft sei etwa die Hälfte zu veranschlagen, hieß es.

Die Mittel aus den Verkäufen der drei Bereiche will Ackermann offenbar vor allem für den angekündigten Umbau des Privatkundengeschäfts und der Vermögensverwaltung verwenden. Gerade für das Privatkundengeschäft hat Ackermann in der vergangenen Woche ehrgeizige Ziele ausgegeben: Innerhalb von 12 bis 18 Monaten soll die Deutsche Bank zum großen Vorbild Citigroup aufschließen und in Deutschland mit Privat- und Geschäftskunden rund 1 Mrd. Euro verdienen.

Am Donnerstag wird der Leiter des Geschäftsbereichs Privatkunden, Herbert Walter, Details zur neuen Struktur und Strategie bekannt geben. Die Deutsche Bank wird das Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking), das Massenkundengeschäft der Deutsche Bank 24, die Geschäftskunden sowie diden Online-Broker Maxblue unter der Dachmarke Deutsche Bank vereinen.

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