Einreise verweigert
Auseinandersetzungen zum Beginn des G8-Gipfels

Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) beginnt heute in Genua unter massiven Sicherheitsvorkehrungen.

rtr GENUA. Trotz der Fürsprache durch die griechische Regierung verweigerte Italien noch vor dem Auftakt des Treffens 150 griechischen Globalisierungsgegnern die Einreise. Bei ihrer Zurückweisung im Hafen von Ancona kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die erste große Demonstration mit 50.000 Teilnehmern verlief in Genua friedlich. Das Treffen endet am Sonntag mit einer Abschlusserklärung.

Das Themen des ersten Tages sind voraussichtlich die aktuelle Lage der zuletzt abflauenden Weltwirtschaft und andere wirtschafts- und finanzpolitische Fragen. Nach Angaben aus Delegationskreisen sollen am Freitag die Vertreter der G7-Länder, also ohne Russland, erste Beratungen aufnehmen. Zur G7 gehören Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, die USA und Japan. Bundeskanzler Gerhard Schröder unterbricht seinen Sommerurlaub an der italienischen Adria und trifft am Mittag in Genua ein, wo er von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi empfangen werden soll.

Ebenfalls am Freitag soll im Rahmen der G8 der von UNO-Generalsekretär Kofi Annan geförderte Welt-Gesundheitsfonds zum Kampf gegen AIDS und andere Infektionskrankheiten auf den Weg gebracht werden. Für den Abend ist ein Treffen mit Staats- und Regierungschefs einiger Entwicklungsländern geplant. Dabei wird es um die Bekämpfung von Armut und Unterentwicklung gehen.

Außer den Griechen wurde am Donnerstag auch drei Briten die Einreise verweigert. Sie wurden auf dem Flughafen von Genua acht Stunden festgehalten und mussten dann nach Großbritannien zurückkehren. "Es wurde ihnen nichts vorgeworden, sie wurden einfach nicht ins Land gelassen", sagte eine Vertreterin des britischen Außenministeriums. Die 150 Griechen versuchten in Ancona mit einem Sitzstreik ihre Rückfahrt nach Hause zu verhindern. "Das war eine geplante Maßnahme der Polizei", sagte einer der Passagiere, der die Jugendorganisation einer der Regierungsparteien vertrat. Die Gruppe bestand aus den Passagieren von 18 Bussen. Die Polizei schickte drei davon auf die Fähre zurück, mit der sie angekommen waren. Beide Seiten berichteten von mehreren leicht Verletzten. Das griechische Außenministerium sagte, es habe sich in Rom und bei der italienischen Botschaft in Athen für eine Einreise der Demonstranten eingesetzt.

Berlusconi rief die Demonstranten aus aller Welt zu Gewaltverzicht auf. Die Sicherheitskräfte hätten sich mit großem Verantwortungsbewusstsein vorbereitet. Globalisierungsgegner haben angekündigt, die Sicherheitszone im Zentrum der Hafenstadt stürmen zu wollen. Diese "Rote Zone" ist mit Beton-Barrikaden und Stacheldraht abgeriegelt und wird von rund 20.000 Polizisten und Soldaten bewacht.

Vor dem Gipfel gab es eine Fülle von Protesten und einzelne Gewaltaktionen von Gegnern der Globalisierung. Insgesamt rechnen die Behörden mit bis zu 100.000 Demonstranten, andere Schätzungen gehen von bis zu 150.000 Demonstranten aus. Zuletzt war es beim Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) im schwedischen Göteborg bei Protesten gegen die Globalisierung zu Straßenschlachten gekommen.

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