"Eins der stärksten Internet-Unternehmen in Europa“
Ein Riese unter den Zwergen

T-Online startet den Versuch, für seine Inhalte Geld zu nehmen. Viele andere Internet-Unternehmen am Neuen Markt sind aber zu klein.

nac DÜSSELDORF. Zu klein, zu undurchsichtig und zu wenig gehandelt: Bei den meisten Internet-Aktien am Neuen Markt winken professionelle Beobachter und Investoren derzeit immer noch ab. "Außer Online-Brokern sind die meisten Net-Firmen am Neuen Markt mit ihrem Geschäftsmodell gescheitert", sagt Analyst Peter Barkow von HSBC. Zwar hat sich der 58 Werte umfassende Nemax Internet Index seit September mit einer Steigerung von rund 28 Prozent deutlich besser als der Nemax selbst entwickelt. Doch dies wird zumeist lediglich als Korrektur des zuvor zu stark geprügelten Sektors interpretiert, an einen weiter andauernden Aufschwung des Gesamtmarktes mag kaum ein Beobachter glauben. Daran ändern auch die positiven Nachrichten der US-Unternehmen Amazon und Ebay nichts. "Die spielen in einer ganz anderen Liga", urteilt Fondsmanager Michael Pauli von der Bayerischen Landesbank.

Eine Ausnahme bildet allerdings das Marktschwergewicht T-Online mit seinen rund 10 Millionen registrierten Kunden. "T-Online ist eins der stärksten Internet-Unternehmen in Europa", sagt Analyst Jonathan Ayres von Goldman Sachs. Er betont die starke Kundenstellung in Deutschland und die Fähigkeit des Unternehmens, neue Techniken wie den Internet-Turbo DSL schnell auf den Markt zu bringen. Langfristig sei er für den Wert daher optimistisch gestimmt, hält ihn momentan allerdings für zu teuer.

Mit Spannung blickt die gesamte Branche zurzeit auf den Versuch der Telekom-Tochter, sich ausgewählte Internet-Inhalte bezahlen zu lassen. Seit Mitte Januar können Nutzer etwa ein Level des Online-Games "Rache des Igels" für 1,50 Euro spielen.

Bislang gilt im Netz, abgesehen von den reinen Zugangskosten, noch das "Umsonst-Prinzip", lediglich für Sex-Angebote waren die Benutzer bereit zu zahlen. "Wir rechnen aber auf lange Sicht damit, dass auch andere Inhalte nicht mehr umsonst angeboten werden, soweit sie hochwertig sind", sagt Ayres. "Es wird natürlich Zeit brauchen, bis die Leute sich daran gewöhnen." Spiele- und Unterhaltungsdienste gelten dabei als gut vermarktbar.

Als Vorteil von T-Online beim Verkauf von Inhalten gilt die enge Kundenbeziehung. Die T-Online-Surfer sind im Gegensatz zu Call-by-Call-Kunden fest registriert und erhalten eine regelmäßige Rechnung. "Zusätzliche Angebote können leicht über diesen Weg abgerechnet werden. Niemand muss seine Kreditkartennummer im Internet preisgeben", sagt Kai Kaufmann, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. T-Online sei in der komfortablen Situation, dass sich das Unternehmen auch bei nur zögernder Annahme der kostenpflichtigen Angebote nicht allein auf den zusammengebrochenen Werbemarkt verlassen muss. Durch die Gebühren als Zugangsanbieter bleibe ein kalkulierbarer Einnahmestrom. Kaufmann rät zum Kauf und setzt ein Kursziel von 17 Euro.

Bei anderen Internet-Unternehmen erwarten Experten wegen zu geringer Größe demnächst weitere Fusionen. Das gilt besonders für Web-Dienstleister. Diese Unternehmen helfen anderen Gesellschaften dabei, Geschäftsmodelle im Netz umzusetzen. Nach Meinung von Pauli sind Kandidaten wie Syzygy und Sinner-Schrader zu klein, um im Konzert der Großen mitzuspielen. Es sei sowohl möglich, dass sie übernommen oder selber aktiv würden. Ein Investment sei aber sehr spekulativ. Den Konkurrenten Pixelpark sieht er wegen geringem Liquiditätsbestand und hoher Restrukturierungskosten auch nicht als Kaufalternative. Besser aufgestellt sei die Schwarzwälder GFT, die einen Großteil der Aufträge von der Deutschen Bank und Deutschen Post erhält, aber derzeit unter der allgemeinen Investitionszurückhaltung leidet.

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