Einsamer Optimist
Barak hatte stets wenig politischen Spielraum

sin DÜSSELDORF. "Ich werde nie die Hoffnung verlieren". So machte sich Ehud Barak noch Ende Oktober selbst Mut. Einen Monat zuvor hatte sein Herausforderer Ariel Scharon mit einem Besuch auf dem Tempelberg den Palästinenseraufstand provoziert. Und im Dezember trat Barak, in der Knesset schon lange ohne Mehrheit, zurück, um Neuwahlen zu ermöglichen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt musste der Premier wohl geahnt haben, dass sein Optimismus nur von wenigen geteilt wird. Nur zeigen durfte er es nicht. Das passt nicht zum Image des bislang am höchsten dekorierten israelischen Generals, um dessen militärische Abenteuer sich Heldenlegenden ranken.

Aber der 1942 in einem Kibbuz geborene Sohn polnischer Einwanderer, der als junger Offizier in Jerusalem und an der US-Universität Stanford Physik, Mathematik und Ingenieurwesen studierte, zeigte auch politischen Mut. Im Mai 1999 trat der Chef der sozialdemokratischen Arbeitspartei gegen Benjamin Netanjahu an und gewann klar, musste aber eine extrem heterogene Koalition schmieden, was sowohl seinen innenpolitischen, vor allem aber den außenpolitischen Manövrierspielraum einschränkte.

Barak, der mit dem Slogan "Land für Frieden" einem Abkommen mit den Palästinensern höchste Priorität eingeräumt hatte und dies wohl immer noch tut, musste erkennen, dass die Fähigkeit, Kompromisse zu schließen, oft hart strapaziert wird. Die erfolglosen Gipfel mit Palästinenserchef Jassir Arafat in Oslo, in Camp David und zuletzt in Scharm el- Scheich sprechen für sich.

Am heutigen Dienstag wird sich entscheiden, ob Barak, dessen Ruf als Haudegen durch seine Liebe zu klassischer Musik - er selbst gilt als sehr guter Pianist - und zum Schachspiel relativiert wird, erneut zum Zug kommen wird. Er benötigt sehr viel Fortune.

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