Einsatzgebiet sollte ausgedehnt werden
Karsai für deutsches Kommando der Schutztruppe

Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, hat zu Beginn seines ersten offiziellen Besuchs in Deutschland seinen Appell an die Bundesrepublik bekräftigt, die Führung der internationalen Schutztruppe für Afghanistan zu übernehmen.

Reuters BERLIN. Sein Land und sein Volk würden einen solchen Schritt begrüßen, sagte Karsai am Mittwochabend nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Joschka Fischer vor Journalisten in Berlin. Zudem solle das Einsatzgebiet der Schutztruppe von Kabul und der Umgebung der afghanischen Hauptstadt auf das gesamte Land ausgedehnt werden. Fischer betonte, die Bundeswehr befinde sich auf Grund ihres Engagements im Anti-Terror-Einsatz und auf dem Balkan bereits an den Grenzen ihrer Kapazität und beschränke sich daher auf ihre bisherige Rolle innerhalb der Truppe, die derzeit von Großbritannien geführt wird. Über eine Ausweitung des Einsatzgebietes habe der Weltsicherheitsrat zu entscheiden. Fischer betonte die Bereitschaft der Bundesregierung, den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes langfristig finanziell zu unterstützen.

Karsai war am Abend zu einem dreitägigen Deutschland-Besuch in Berlin eingetroffen. Für Donnerstag sind Treffen mit Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Verteidigungsminister Rudolf Scharping (beide SPD) sowie ein Gespräch beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geplant. Karsai, der die Ende vergangenen Jahres gebildete Übergangsregierung in Kabul leitet, hatte ursprünglich bereits im Februar zu einem Besuch nach Deutschland kommen wollen. Schlechtes Wetter hatte seinen Flug aber verhindert.

In den Gesprächen Karsais dürfte es neben der deutschen Beteiligung an der internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) auch um das US-geführte Vorgehen gegen Stellungen der Taliban und der El-Kaida-Organisation des Moslemextremisten Osama bin Laden in Ost-Afghanistan gehen. Großbritannien will das Kommando der ISAF-Truppe spätestens im Juni abgeben.

Für Karsai dürfte der deutsche Beitrag zum wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau Afghanistans ein wichtiges Thema sein. Deutschland wird einer Zusage vom Januar zufolge den Aufbau in den nächsten vier Jahren mit 320 Millionen Euro unterstützen. Schwerpunkte des deutschen Engagements sind der Aufbau von Schulen, des Rechtssystems, der Polizei und die Wiederherstellung der Rechte von Frauen.

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