Einschätzung der Beschäftigungsperspektiven stark eingetrübt
Pessimismus in US-Haushalten wächst

Die Stimmung in den privaten Haushalten der USA hat sich im Februar weiter verschlechtert. Der vom US Conference Board monatlich ermittelte Index des Verbrauchervertrauens ist um 8,9 auf 106,8 Punkte abgerutscht - das ist der niedrigste Stand seit Juni 1996.

bbl HB DÜSSELDORF. Trotz zuletzt wieder gestiegener Arbeitsstunden und einer anhaltend robusten Arbeitsnachfrage beurteilen die Verbraucher ihre gegenwärtige und künftige Situation pessimistischer als im Vormonat. Finanzmarktexperten gehen davon aus, dass der Druck auf US-Notenbankchef Alan Greenspan, die Leitzinsen zu senken, als Folge dieser Entwicklung größer geworden ist.

Nach der Umfrage hat sich vor allem die Einschätzung der Beschäftigungsperspektiven im Februar stark verschlechtert. 27,2 % der befragten Haushalte (gegenüber 21,5 % im Januar) rechnen mit einer zurückgehenden Arbeitsnachfrage der Unternehmen.

Damit liegt das Verbrauchervertrauen jedoch noch immer weit über seinem Niveau in der Rezessionsphase von 1990/91. Nach Ansicht von Analysten sind vor allem die im Januar stark gestiegenen Konsumentenpreise für das trübe Klima verantwortlich. So hatten etwa die Gaspreise mit 17,4 % kräftig zugelegt. Auch die in den vergangenen Monaten zum Teil heftig zusammengeschrumpften Wertpapier-Portfolios hätten die Stimmung belastet, meint Christoph Harff von DB Research. Für sein Institut sei das Umfrageergebnis kein Signal für einen anhaltenden US-Wirtschaftsabschwung, sondern vielmehr eine Korrektur des zuvor erreichten Allzeithochs.

Zahlen zum privaten Verbrauch

Ob die Klimaverschlechterung die Ausgabefreudigkeit der US-Verbraucher im Januar weiter eingetrübt hat, werden die am Donnerstag erwarteten Zahlen zum privaten Verbrauch zeigen. Der Vertrauensindex ist nach Ansicht von Analysten ein wenig bedeutsamer Indikator für den Konsum. Vielmehr müsse man sich zur Verbrauchsprognose an den Einzelhandelsumsätzen orientieren, die im Januar unerwartet stark um 0,7 % zum Vormonat zugelegt hatten. Damit könnten die Ausgaben für den privaten Verbrauch im gleichen Monat gar um rund 1,2 % gestiegen sein, so Brian Jones von der US-Investmentbank Salomon Smith Barney in New York. Das Wachstum der privaten Konsumausgaben hatte sich seit Herbst stark verlangsamt.

Bush schlägt Steuersenkungen vor

Die Erwartung auf einen anhaltend robusten Konsum wird durch die von US-Präsident Bush vorgeschlagenen Steuersenkungen gestützt. Nach Berechnungen der US-Investmentbank J.P. Morgan machen die fiskalischen Entlastungen der Haushalte im ersten Jahr nach Inkrafttreten rund 0,5 % vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus sowie 0,1 % in den Folgejahren. Dadurch entsteht ein wichtiger Stimulus für den privaten Verbrauch. Dies könnte nach Ansicht von Jones in diesem und im nächsten Jahr rund 0,4 % zum Wachstum beitragen. Die privaten Konsumausgaben sind die wichtigste Teilkomponente des US-BIP. Auf sie entfallen über 75 % der gesamten Wirtschaftsleistung.

Zunahme der Sparneigung von Haushalten

Die Analysten gehen davon aus, dass sich in den für Donnerstag erwarteten Zahlen über die Haushaltseinkommen und über den Konsum im Januar eine Zunahme der Sparneigung der US-Haushalte abzeichnen wird. Die Sparquote, also der Anteil der privaten Ersparnis am BIP, ist seit Mitte des vergangenen Jahres negativ. Dies bedeutet, dass die Verbraucher verstärkt Rücklagen angreifen, um ihre Kauflust zu befriedigen. Die Konsumausgaben sind dementsprechend schneller gewachsen als die Haushaltseinkommen. Der schwächere Vermögenseffekt am Aktienmarkt, aus dem ein Teil des Konsumbooms der vergangenen Jahre finanziert wurde, wird nach Ansicht von Jay Feldman, US-Volkswirt bei der Investmentbank CSFB in New York, künftig den privaten Verbrauch weniger beeinflussen. Die Anleger seien vorsichtiger geworden. Mit den schwindenden Aktienvermögen habe bei den Haushalten eine Rückbesinnung auf bewährte Sparformen eingesetzt. Dementsprechend dürfte die Sparquote im Laufe dieses Jahres stark ansteigen und sich dann im Zuge der erwarteten Konjunktur- und Konsumbelebung ab Herbst stabilisieren.

Unternehmen haben Läger an die geringere Nachfrage angepasst

Die Unternehmen scheinen mittlerweile ihre Läger an die geringere Nachfrage der vergangenen Monate angepasst zu haben. Ungeplante Bestände dürften bereits weitgehend abgebaut sein, so dass sich die Industrieproduktion nach Ansicht von Analysten bald erholen wird. Auch neue Zahlen zum Auftragseingang für langlebige Güter scheinen gegen hohe Überkapazitäten zu sprechen. Zwar sind die Orders im Januar mit 6 % stärker als erwartet gegenüber dem Vormonat abgefallen. Doch hat die Nachfrage nach Investitionsgütern ohne Rüstung und Transportgütern mit einem Plus von 6,5 % erstmals seit Monaten wieder zugenommen. Im Dezember waren die Auftragseingänge wegen Großorders bei zivil genutzten Flugzeugen unerwartet stark angestiegen. Kräftiger als erwartet war auch der Rückgang der Neubauverkäufe. Sie nahmen im Januar um 10,9 % zum Vormonat ab. Die Analysten hatten mehrheitlich mit - 4,6 % gerechnet.

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