Einschnitte offenbar ganz gut verdaut
Arcor wieder auf Wachstumskurs

Für Arcor, den größten Konkurrenten der Deutschen Telekom im Festnetz, geht es nach einer drastischen Schlankheitskur offenbar wieder aufwärts: Das Unternehmen erwartet in diesem Geschäftsjahr, das im März 2003 endet, ein Umsatzwachstum von 5 bis 8 % und damit mehr als der Branchendurchschnitt sowie ein größeres Plus beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda).

slo FRANKFURT. "Den operativen Gewinn, der uns durch die Trennung von den bahnspezifischen Diensten weggebrochen ist, werden wir kompensieren können", sagt Arcor-Chef Harald Stöber.

Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld wird Arcor voraussichtlich am Ende des Geschäftsjahres wieder ein kleines Plus im einstelligen Millionen-Euro-Bereich beim Ebitda vorweisen. Unterm Strich fährt die Telekomgesellschaft aber weiterhin Verluste ein.

Arcor hat sich Anfang Juli komplett von der Sparte Bahntechnik getrennt und diese für 1,15 Mrd. Euro an die Deutsche Bahn AG verkauft. Der Streit mit der Bahn über diesen Unternehmensbereich von Arcor hatte das Unternehmen lange gelähmt. Mit dem Abtrennen der bahnspezifischen Dienste halbierte sich die Mitarbeiterzahl von Arcor auf 4 000 Beschäftigte. Gleichzeitig ist dem Unternehmen ein Viertel des Umsatzes weggebrochen. Der stagnierte im vergangenen Jahr bei insgesamt 1,6 Mrd. Euro.

Hinzu kamen noch weitere Einschnitte: Arcor hat seine Töchter Otelo und Arctel geschlossen und so Personal abgebaut sowie seine Internettöcher zusammengelegt. Die Einsparungen hat in erster Linie Arcors Hauptgesellschaft, der britische Mobilfunkkonzern Vodafone, gefordert. Inzwischen heißt es im Umfeld der britischen Gesellschaft: Solange Arcor keine großen Kosten verursache, könne es ungestört weiterarbeiten. Das Unternehmen will in zwei Jahren einen positiven Cash-flow erwirtschaften und ist bis dahin eigenen Angaben zufolge finanziert. Dazu trug unter anderem der Erlös durch den Verkauf der Bahntechnik-Sparte bei.

Im Vorjahr hatte Arcor zudem mit dem Preisverfall auf dem Telekommarkt zu kämpfen. Das Minutenwachstum bei Telefongesprächen konnte dies nicht kompensieren. Die starke Stellung der Deutschen Telekom, die vor allem den Wachstumsmarkt der schnellen Internet-Zugänge über DSL-Technik besetzte, bremste Arcor zusätzlich aus. Den großen Vorsprung auf dem DSL-Markt habe der ehemalige Monopolist aber nur mit Hilfe von Dumpingpreisen erreicht, kritisieren die Konkurrenten schon seit längerem. Inzwischen hat die Telekom die Preise für den Internet-Turbo erhöht - mit positivem Nebeneffekt für die Wettbewerber. "Seitdem die Telekom die DSL-Preise erhöht hat, spüren wir einen Aufwind", sagt Stöber. "Wir haben jetzt erst die Wachstumsgeschwindigkeit, die wir eigentlich schon im Vorjahr haben wollten."

Arcor hat etwa 30 000 DSL-Kunden und und 130 000 ISDN-Kunden. Neben dem kompletten Telefonanschluss bietet Arcor auch das so genannte Call-by-Call (Einwahl über eine Netzvorwahl) sowie Preselection (vertraglich fixierte Voreinstellung für alle Fern-, Mobilfunk- und Auslandsgespräche) an, so dass das Unternehmen auf insgesamt mehr als sechs Millionen Kunden kommt.

Sobald das Call-by-Call-Verfahren auch im Ortsnetz verwirklich wird, will Arcor auch dies anbieten. Das Unternehmen hofft so, die Umsätze um bis zu 10 % und das Gesprächsvolumen um bis zu 30 % steigern zu können. "Vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen", so Stöber. Experten gehen davon aus, dass das Call-by-Call bei Ortsgesprächen ab Frühjahr 2003 möglich sein wird.

Quelle: Handelsblatt

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