Einsparungen sollen Ertragslage langfristig verbessern
Commerzbank stellt sich auf schwieriges Jahr ein

Die Commerzbank muss sich nach ihrem Spitzenresultat 2000 auf ein schwieriges Jahr und rückläufige Erträge einstellen. Für 2001 wird ein Gewinn vor Steuern von nur 1,7 bis 1,8 Mrd. Euro angepeilt. Vorstandvorsitzender Kohlhaussen hält zurückhaltende Prognosen angesichts der Erfolgsrechnung für Januar und Februar für angebracht.

dpa FRANKFURT. Schon das erste Quartal wird deutlich schlechter ausfallen als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2000 konnte die viertgrößte Geschäftsbank Deutschlands dagegen ihren Vorsteuergewinn um 63 % auf 2,23 Mrd. Euro (4,4 Mrd. DM) steigern, berichtete Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen am Mittwoch in Frankfurt.

Damit wird der Start seines Nachfolgers Klaus-Peter Müller mit einem deutlichen Ertragsminus beginnen. Die ungünstigen Prognosen für sein erstes Geschäftsjahr aber nicht auf Konjunktur und Börsenumfeld zurückzuführen. Schließlich hatte vor allem der Börsengang der Direktbank-Tochter Comdirect im Juni mit einem Erlös von 1,22 Mrd. Euro die 2000er-Bilanz kräftig aufpoliert. Dieser Einmal-Effekt verhilft dem Ende Mai ausscheidenden Kohlhaussen nach zehn Jahren an der Spitze des Kreditinstituts zu einem strahlenden Abgang. Müller kann diese einmalige Einnahme aber nicht wiederholen.

Einsparungen sollen Ertragslage langfristig verbessern

Um die Ertragslage langfristig zu verbessern, hat der Vorstand den 39 000 Beschäftigten ein massives Kostensenkungsprogramm verordnet. Darüber hinaus sollen das Angebot gestrafft, außereuropäische Aktivitäten reduziert und die Zusammenarbeit mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali verbessert werden. Im Inland bedeutet die Schließung weiterer 143 Filialen auf nur noch 781 Standorte den schärfsten Einschnitt. Dies soll allerdings ohne große Entlassungen erfolgen. Von sämtlichen Maßnahmen verspricht sich der Vorstand 2002 einen zusätzlichen Gewinn vor Steuern von rund 500 Mill. Euro. Bis 2005 werden aus der Kombination von Kosteneinsparungen und Zusatzerträgen fast 1,6 Mill. Euro erwartet.

Streit mit Investorengruppe Rebon/Cobra

Unmittelbar vor seinem Ausscheiden muss Kohlhaussen allerdings noch einen schweren Part übernehmen. Die Investorengruppe Rebon/Cobra, die knapp 10 % des Kapitals vertritt, will auf der Hauptversammlung am 31. Mai eine Sonderprüfung zur jüngsten Kapitalerhöhung durchsetzen. Auch soll dem Vorstand zu diesem Punkt das Vertrauen entzogen werden. Kohlhaussen beschuldigte die 40 Aktionäre aus dem "Dunstkreis" von Rebon/Cobra, der Mehrheit der Commerzbank-Aktionären zu schaden. Seit dem Auftreten von Cobra sei der Kurs der Cobank-Aktie abwärts gerichtet. Ziel dieser Gruppe sei es von Anfang an gewesen, "schnell viel Geld zu verdienen". Obwohl die juristischen Angriffe gegen die Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht zu Gunsten von Generali in sechs Gerichtsverfahren abgewehrt werden konnten, wolle Cobra nun die Hauptversammlung zum Forum ihrer Interessen machen. "Die Börse interpretiert die Existenz dieser Gruppe als Belastung - und wir sehen das genau so", betonte Kohlhaussen. Er stellt sich auf eine zweitägige Redeschlacht ein.

Der Vorstand geht aber davon aus, die Mehrheit der Anteilseigner hinter sich zu haben. Dabei könnte auch die gute Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2000 von Vorteil sein. Auf Grund des Rekordgewinns im Konzern von 1,34 Mrd. Euro nach 911 Mill. Euro im Vorjahr erhalten die Aktionäre einen Bonus von 0,20 Euro. Hinzu kommt eine unveränderte Dividende von 0,80 Euro je Aktie. Ohne die hohe Risikovorsorge von 685 Mill. Euro und Wertberichtigungen auf Holzmann-Aktien wäre das 2000er Ergebnis günstiger ausgefallen. Aber schon das erste Geschäftsquartal 2001 wird bei der Commerzbank klar schlechter ausfallen als vor Jahresfrist. Im ersten Vierteljahr 2000 hatte das gelbe Institut nämlich sein bislang bestes Quartalsergebnis erzielt. Dazu trug der damalige Börsenboom mit hohen Handelsgewinnen bei. "Die Zahlen aus der Erfolgsrechnung für die Monate Januar und Februar signalisieren, dass zurückhaltende Prognosen angebracht sind", warnte Kohlhaussen.

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