Einst wertvolles Tafelsilber
Hintergrund: T-Mobile leidet unter dem Dilemma der Mobilfunkwelt

In der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom wurde in den vergangenen Wochen viel hin- und hergerechnet. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres stand der Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile auf der Tagesordnung. Am Ende wurde dem Anbieter keine Börsenreife bescheinigt - nicht weil das inzwischen zum Marktführer in Deutschland aufgestiegene Unternehmen besonders schlecht dasteht, sondern weil die Zeiten für erfolgreiche Börsengänge in der Telekom-Branche einfach schlecht sind.

afp BONN. Galt Mobilfunk einst als wertvolles Tafelsilber, sind die Töchter der großen europäischen Konzerne derzeit nur eine Belastung. Die immensen Summen, die im vergangenen Jahr für die neuen UMTS-Mobilfunklizenzen gezahlt wurden, schlagen sich in den Bilanzen der Mütter nieder. Die Aussichten auf einen schnellen Start der multimediafähigen Netze stehen zudem schlecht. Wie andere Unternehmem macht auch T-Mobile, die Anfang 2003 den UMTS-Betrieb aufnehmen will, alles von eine ausreichenden Zahl von entsprechend entwickelten Endgeräten abhängig. Und hier zeichnet sich nach Meinung vieler Experten eine Verzögerung ab.

Für T-Mobile wurde der Börsengang damit schon zum zweiten Mal auf Eis gelegt. Eigentlich hatte das Unternehmen schon im vergangenen Herbst an den Markt gehen sollen, der anvisierte Termin fiel dann aber in die Krise von Technologiewerten und wurde abgeblasen. Jüngst hatte die Telekom dann angekündigt, sie wolle bis Ende August erneut über die Frage befinden. Zwar hatte niemand wirklich erwartet, dass ein Termin in diesem Jahr auch nur zur Diskussion stehen könnte. Dass die Telekom sich nun aber nicht einmal auf 2002 festlegen wollte, zeigt die Unsicherheit über die Entwicklung der Branche.

Für Mobilfunkfirmen sei das Börsenumfeld derzeit generell "schwierig", sagt Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär. Bei T-Mobile hätte "man das Ding nochmal nach unten taxieren müssen", um das Unternehmen an den Markt zu bringen. Warnendes Beispiel für Telekom-Chef Ron Sommer dürfte bei der Entscheidung zu T-Mobile auch der Versuch von France Télécom gewesen sein, die Mobilfunk-Tochter Orange Anfang des Jahres zu einem Schleuderpreis in den Markt zu drücken. Der Börsengang im Februar wurde zum Fiasko: Trotz eines niedrigen Ausgabepreises wollten nur wenige Anleger das Papier haben. Heute dümpelt der Preis der Aktie mit unter neun Euro weiter deutlich unter dem Ausgabewert. Telekom-Sprecher Stefan Broszio betont, die Telekom sei "nicht zwingend auf die Einnahmen aus dem T-Mobile-Börsengang zu einem bestimmten Termin angewiesen". Zudem wäre ein Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt "auch nicht im Interesse der Aktionäre gewesen". Auch Sels meint, die Entscheidung Sommers sei verständlich. In den nächsten 18 Monaten dürfte sich seiner Ansicht nach das Klima für die Telekomwerte wieder bessern. Damit sei für T-Mobile ein Börsengang im kommenden Jahr denkbar.

Für Unruhe an den Märkten sorgte die Entscheidung von T-Mobile vor allem wegen der hohen Schulden der Telekom. Diese sind durch die Übernahme des US-Anbieters VoiceStream und UMTS-Kosten mittlerweile auf fast 69 Milliarden Euro angewachsen. Ohne die Einnahmen aus einem T-Mobile-Börsengang könne das Ziel der Telekom in Gefahr geraten, diesen Berg bis Ende 2002 auf 50 Milliarden Euro zu verringert, sagte ein Frankfurter Händler. Rating-Agenturen wie Standard&Poors und Moody's, deren Einstufungen direkte Auswirkungen auf die Kreditkonditionen für Unternehmen haben, könnten nun versucht sein, die Telekom schlechter zu bewerten.

Dies weist die Telekom zurück. "Die Gründe für die Erhöhung der Schulden waren bekannt", sagt Broszio und verweist auf die Übernahme von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 8,3 Milliarden Euro durch den Kauf von VoiceStream. "Für die Spezialisten dürfte da keine Überraschung drin gewesen sein." Die Rating-Agenturen hätten zudem "signalisiert, dass dieser Nichtvollzug des Börsengangs von T-Mobile dieses Jahr nicht wichtig ist.

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