Einstieg bei Premiere
Kommentar: Malone testet die Grenzen

Wenn die Kartellbehörden zustimmen, wird im deutschen Fernsehmarkt schon bald nichts mehr ohne den US-Konzern Liberty Media und dessen Gründer John Malone gehen. Mit dem beabsichtigten Kauf von 60 Prozent des Telekom-Kabels sowie weiterer kleinerer Anbieter wie Telecolumbus wird Liberty der weitaus größte Kabelnetzbetreiber in Deutschland sein. Hinzu kommen Beteiligungen an TV-Sendern. Und der Einstieg bei Premiere ist erklärtermaßen erst der Anfang umfangreicher Kooperationen mit Leo Kirch. Angesichts seiner Finanzmisere muss dem Filmhändler der neue Partner wie gerufen kommen. Daher ist keineswegs auszuschließen, dass in München über kurz oder lang ein neues, starkes Medienkonglomerat aus Liberty und Kirch entsteht.

Zum ersten Mal kommen damit in Deutschland der Betrieb einer Infrastruktur, des Kabels, und die Produktion von Inhalten unter einem Dach zusammen, ein vertikal integriertes Unternehmen entsteht. Für die anderen großen Fernsehveranstalter, Bertelsmann und der öffentlich rechtliche Rundfunk, stellt sich bei einer engen Freundschaft zwischen Kirch und Liberty die Frage nach dem diskriminierungsfreien Zugang zu den Kabelkunden.

Für das Bundeskartellamt ist damit gestern die Entscheidung über den Telekom-Deal schwieriger geworden. Denn bisher gingen die Wettbewerbshüter davon aus, dass Liberty mit seinen US-Programmen ein zusätzlicher Anbieter auf dem deutschen TV-Markt wäre. Mit Premiere kommt es hingegen zum ersten Anzeichen von Konzentration. Mit den Kaufvereinbarungen zu Telecolumbus und dem Premiere-Paket wird deutlich, dass Liberty bis Anfang kommenden Jahres wissen will, was es in Deutschland durchsetzen kann und wo die Kartellgrenzen liegen. Wenn diese Malone zu eng erscheinen, kann er von allen Käufen wieder zurücktreten. Das allerdings würde auf Jahre hinaus weniger Investitionen in das Kabelfernsehen bedeuten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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