Einstieg beim Konkurrenten Credit Lyonnais
BNP-Deal mischt Bankensektor auf

Nach dem überraschenden Einstieg von BNP Paribas beim Konkurrenten Credit Lyonnais (CL) erwarten Experten nun weitere Zusammenschlüsse im französischen Bankensektor.

Reuters PARIS. Die Ersteigerung des französischen Staatsanteils an Credit Lyonnais, für den Finanzriese BNP einen kräftigen Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs zahlt, könnte nach Einschätzung von Analysten der Startschuss für eine erneute Konsolidierungsphase in der französischen Bankenlandschaft sein. Die nach Marktwert größte Bank der Euro-Zone könne nun als größter Anteilseigner auch eine vollständige Übernahme anstreben, hieß es am Montag. Banken wie Societe Generale und Dexia könnten ebenfalls zu Allianzen gezwungen werden, um gegen die großen Institute zu bestehen. Lange galt CL-Anteilseigner Credit Agricole (CA) als Favorit für einen Erwerb der restlichen Anteile an Lyonnais.

An der Pariser Börse löste der Kauf des 10,9-prozentigen staatlichen Credit-Lyonnais-Anteils durch BNP für rund 2,2 Milliarden Euro heftige Kursschwankungen bei französischen Bank-Titeln aus. CL-Aktien legten rund 30 Prozent zu, BNP-Aktien verloren rund zehn Prozent. Die Aktien der beiden deutschen CL-Anteilseigner Allianz und Commerzbank reagierten ebenfalls mit Kursaufschlägen.

"Dieser Schritt könnte in unseren Augen dramatische Folgen für die Konsolidierung des französischen Bankensektors innerhalb der nächsten zwölf Monate haben", schrieb Philippe Annamayer, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney, in einer Kurzstudie. Unterdessen sagte ein Commerzbank-Sprecher, die 3,9-prozentige Beteiligung der Bank an CL sei nicht strategisch und es gebe keine Gespräche über einen Verkauf des Anteils. Ein Allianz-Sprecher wollte sich indes nicht zu weiteren Plänen des Konzerns hinsichtlich des CL-Anteils äußern und verwies auf die französische Konzerntochter AGF, über die die Allianz 9,5 Prozent an CL hält.

Das französische Finanzministerium hatte am Freitagabend überraschend für das Wochenende die Auktion des CL-Staatsanteils angekündigt und am Samstagabend BNP als Gewinner der Auktion benannt. Die Regierung hatte bereits seit längerem angekündigt, den Verkauf von Staatsbeteiligungen zügig voranzutreiben, um mit den geplanten Erlösen von insgesamt rund 40 Milliarden Euro Wahlversprechen wie Steuersenkungen finanzieren zu können.

BNP hatte auch mit seinem hohen Gebot für den Staatsanteil von Credit Lyonnais die Finanzmärkte überrascht. Die Bank zahlt mit 58 Euro je CL-Aktie einen Aufschlag von 49 Prozent auf den Aktienkurs von vergangenem Freitag. BNP-Chef Michel Pebereau wies am Montag in Zeitungsinterviews Pläne einer feindlichen Übernahme von CL zurück. Er wolle vielmehr in einen "engen Dialog" mit dem Management von CL treten und die Kooperationsmöglichkeiten ausloten, sagte der 60-Jährige. BNP rechtfertigte den hohen Aufpreis mit "exzellenten Möglichkeiten" für die Bank.

Nach Einschätzung von Analysten hätte BNP jedoch für den CL-Anteil nicht einen derartigen Aufschlag bezahlt, wenn sie nicht auch gleichzeitig eine komplette Übernahme plane. CL-Chef Jean Peyrelevade und BNP-Chef Pebereau pflegen Branchenkennern zufolge ein eher kühles Verhältnis.

"BNP kann es sich nun erlauben, ersteinmal abzuwarten", sagte Romain Burnand von J.P. Morgan in London. Für eine komplette Übernahmen müsse BNP den Beteiligten keine 58 Euro je Aktie bieten. Das einzige Risiko sei, zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Kapitalverlust herauszugehen.

Der größte Verlierer ist Analysten zufolge Credit Agricole, die bis zum Wochenende mit 10,5 Prozent größter privater CL-Anteilseigner war. Agricole-Finanzchef Gilles de Margerie bekräftigte am Montag, seine Bank sei auch weiterhin an einer Kombination mit Credit Lyonnais interessiert, werde dafür aber nicht jeden Preis bezahlen. Analysten schließen nicht aus, dass Credit Agricole nun ganz herausgedrängt werden könnte.

CL-Aktien lagen am Montag an einer im Verlauf kaum veränderten Pariser Börse noch mehr als 20 Prozent im Plus bei 46,86 Euro, nachdem sie am Morgen um rund 30 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch bei 50,25 Euro gesprungen waren. BNP-Titel lagen noch rund acht Prozent im Minus bei 41,96 Euro und hatten zeitweise den Gesamtmarkt in Paris deutlich ins Minus gedrückt. Die Aktien von Credit Agricole gaben knapp vier Prozent auf 17,34 Euro nach.

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