Einstieg von Murdoch soll verhindert werden
Kirch verliert im Kampf um sein Lebenswerk

Im Kampf um sein Lebenswerk steht Leo Kirch vor der Niederlage. Nach einem monatelangen Tauziehen mit den Gläubigern und Investoren hat sich der 75-Jährige Medienmogul nach Informationen aus Branchenkreisen offensichtlich dazu durchgerungen, das Kerngeschäft seines Imperiums in fremde Hände zu geben. Noch vor wenigen Tagen habe er seinen Konzern mit 9500 Beschäftigten lieber Pleite gehen lassen wollen, als ihn Banken oder Gesellschaftern zu überlassen.

dpa MÜNCHEN. Bis zuletzt habe der schwer kranke Unternehmer gehofft, auch diesmal - wie so oft in seiner Laufbahn - einen Ausweg aus der Krise zu finden. Doch der gigantische Schuldenberg von 6,5 Milliarden Euro versperre diesmal den Weg. Selbst die Banken, die ihm so oft aus der Patsche halfen, sind offensichtlich nicht mehr bereit, das riskante Spiel mitzumachen. Sie stellten Kirch vor die Wahl: Entweder Kirch gibt die Mehrheit an der KirchMedia ab - oder es gibt kein weiteres Geld.

Für die Banken ist die Übernahme der profitablen KirchMedia eine Chance, ihre Milliardenkredite an den Konzern eines Tages wiederzusehen. "Bei einer Insolvenz des Konzerns würden alle verlieren - und die Banken am meisten", sagte ein Experte. Eine zweite Pleite wie im Falle Holzmann wollten sie in jedem Fall vermeiden.

Doch zunächst müssen sich die Banken mit den Gesellschaftern der KirchMedia einig werden, denn die haben nach Informationen aus Verhandlungskreisen ebenfalls großes Interesse an einer vollständigen Übernahme des Kirch-Kerngeschäfts. Zu den Gesellschaftern gehören prominente Namen wie der Konzern Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der saudische Prinz Al Walid und der anglo-australische Medienmogul Rupert Murdoch.

Durch einen Einstieg von Murdoch könnte nach Einschätzung von Experten auch gleich die nächste Bedrohung für die KirchGruppe abgewendet werden: Denn durch seine Forderung von mehr als 1,6 Milliarden Euro für die Investitionen in den Bezahlsender Premiere könnte er die Gruppe im Oktober ansonsten erneut ins Wanken bringen.

Einen Einstieg Murdochs in den deutschen Medienmarkt wollten die Medienkonzerne und auch die Politik aber bislang mit aller Macht verhindern. Viele Branchenkenner gehen wegen dieser Widerstände eher davon aus, dass die KirchMedia in die Hände der Banken fallen wird. Leo Kirch selbst hatte sich schon vor einigen Wochen mit Galgenhumor über eine mögliche Übernahme seines Konzerns durch Murdoch geäußert. "Dann frisst er mich eben. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%