Einstige Börsenstars Lucent und Nortel sind zu Penny-Stocks geworden
Angst vor Geldmangel hält Telekom-Ausrüster unter Druck

Trotz Massenentlassungen und Fabrikschließungen verbrennen die Telekom-Ausrüster momentan viel Geld. Anleger befürchten sogar Pleiten.

BRÜSSEL. Bislang galten 5,4 Mrd. Dollar als viel Geld. Das wird offenbar anders gesehen, wenn der Betrag auf dem Konto eines Telekom-Ausrüsters liegt. Nur so lässt sich erklären, dass die Anleger in den vergangenen Tagen die Aktien von Lucent massenhaft auf den Markt geworfen haben: Der Kurs notierte am vergangenen Mittwoch erstmals unter der magischen Marke von 1 Dollar. Investoren fürchten, dass Lucent die lebensbedrohliche Krise im Telekommunikations-Markt nicht übersteht. Dabei verfügte das Unternehmen zum Stichtag 30. Juni über 5,4 Mrd. Dollar an Bargeld oder kurzfristige Anlagen. Auch Rivale Nortel Networks hat an 20 der vergangenen 39 Börsentage unter der Marke von 1 Dollar notiert. Dabei haben die Kanadier rund 4,9 Mrd. Dollar Cash in der Kasse.

Doch die Anleger zweifeln daran, ob das Geld reicht. Die Firmen selbst verweisen auf die Cash-Bestände und ungenützte Kreditlinien. Dennoch: Die Restrukturierungen hinterlassen tiefe Spuren in den Kassen. Dazu kommt noch, dass in den nächsten Jahren ein enormer Teil der Schulden fällig wird. Bei Nortel fehlen darüber hinaus im Pensionsfonds rund 1 Mrd. Dollar. Und Lucent und Nortel haben Schuldenberge von 7 Mrd. Dollar bzw. 4,5 Mrd. Dollar aufgehäuft (einschließlich Vorzugsaktien) und massenhaft Aktien ausgegeben. Frisches Kapital zu beschaffen wird deshalb schwierig und sehr teuer.

Die Unternehmen versuchen derweil, durchzuhalten, bis der Käuferstreik der Telekommunikations-Industrie aufhört. Mit neuen Internet-Technologien und Mobilfunk-Angeboten soll das Geschäft möglichst bald wieder angekurbelt werden. "Die großen Telekommunikations-Firmen kaufen momentan so wenig wie möglich ein, um ihre eigenen Kassen zu schonen. Das schnürt den Zulieferern die Luft ab", sagt Susan Kalla, Analystin bei Friedman Billings Ramsey. Sie glaubt, dass die Bargeldbestände von Nortel im Jahr 2004 bedrohlich stark zurück gehen, falls die Firma keine neuen Finanzierungsquellen findet.

Nortel könnte sogar gezwungen sein, seine Schulden umzuschichten - die Anleihenbesitzer würden dann die Kontrolle über die Firma bekommen. "Der große Bargeldbestand gibt Lucent Zeit, wird das Unternehmen aber nicht retten", fürchten die Analysten von Egan Jones Rating. "Dazu müsste schon die Telekom-Industrie wieder kräftig investieren und danach sieht es momentan nicht aus." Für Sean Egan ist es "unwahrscheinlich", dass Lucent künftig alle seine Schulden künftig bedienen kann.

An der Börse droht Lucent und Nortel derweil schon die nächste Gefahr. Die New York Stock Exchange kann Aktien vom Parkett verbannen, wenn der Kurs an 30 Handelstagen unter 1 Dollar liegt. Zur Erinnerung: Im Dezember 1999 zahlten die Börsianer für Lucent-Titel rund 64 Dollar.

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