Einstige DDR-Marke verschwindet vom Markt
Letzte Minol-Tankstelle drehte den Zapfhahn zu

ap MICHENDORF. Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung ist mit der Stilllegung der letzten Minol-Tankstelle im brandenburgischen Michendorf ein weiteres Stück DDR-Geschichte zu Ende gegangen. Der aus den dreißiger Jahren stammende Tankstellenbau an der Autobahn Berliner Ring wurde am Donnerstag geschlossen und wenige Meter nebenan ein Neubau des Mineralölkonzerns TotalFinaElf eröffnet. Damit verschwindet die letzte von einst 1 400 Tankstellen, die einst unter dem Namen des früheren DDR-Monopolisten Minol firmierten. Die alten Gebäude sollen in den kommenden Wochen abgerissen werden.

Minol war nach der Wende im Zusammenhang mit der skandalumwitterten Leuna-Privatisierung vom französischen Mineralölkonzern Elf übernommen worden, der inzwischen mit Total und Fina fusionierte. Die Michendorfer Tankstelle an der Transitautobahn Westberlin - Bundesrepublik gehörte zu den bekanntesten und wohl auch bestbewachtesten Stationen der DDR. Die "Stasi-Tanke", wie sie im Volksmund genannt wurde, war eine der umsatzstärksten des VEB Minol.

Dabei war die Filiale nicht nur ein Begriff als Zapfstation für Diesel, Benzin und das von den Trabi-Motoren verbrannte Benzin-Öl-Gemisch. Verwandte und Freunde aus Ost und West nutzten den großen Parkplatz als Treffpunkt. Aber auch die Westwaren des "Intershop" neben den Zapfsäulen lockten Tausende Kunden an. Stasi und Volkspolizei beobachteten das Treiben aus ihren im angrenzenden Wald geparkten Ladas.



Elf gab zunächst geplanten Ausbau der Marke auf



Die im Landhausstil gebaute Tankstelle hatte in den dreißiger Jahren mit dem Verkauf von Kraft- und Schmierstoffen der Marke Shell begonnen. Nach dem Krieg gehörte sie zunächst zur von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten Deutsch-Russischen Naftan-Gesellschaft (DERUNAFT). Ab 1956 firmierten die Zapfsäulen dann unter dem Zeichen des Minol-Pirols.

War dieses Logo bereits mit der Elf-Übernahme 1993 verschwunden, so gehört mit der Schließung der Michendorfer Station nun auch der Minol-Schriftzug der Vergangenheit an. Den zunächst geplanten Ausbau der Marke hatten die Franzosen schnell aufgegeben. Die häufig Jahrzehnte alten Minol-Tankstellen wurden in den vergangenen sieben Jahren durch moderne Stationen unter dem Namen "Elf" ersetzt oder geschlossen.

Die letzten "Minoler" indes verspürten vor dem Umzug in den Neubau am Donnerstag keinen Wehmut. "Wenn man die moderne Tankstelle da drüben sieht, ist man nicht traurig", sagte Tankwart Karl-Heinz Wüst. Die alte, beengte Anlage habe die Arbeit in den letzten Jahren nicht immer leicht gemacht.



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