Einstige Hightech-Boombranche besinnt sich auf alte Qualitäten
Beim Sparen eifern Telekomkonzerne den Versorgern nach

Im Hightech-Boom hatten Telekomanbieter und Stromversorger scheinbar nichts miteinander zu tun. Doch Investoren entdecken immer mehr Ähnlichkeiten. Sie kaufen wieder Telekomaktien, weil die Konzerne das solide Wirtschaften neu entdecken. Diese Tugend galt bislang als Domäne der Versorger.

FRANKFURT/M. In der guten, alten Zeit, als Telefon- und Stromnetze noch dem Staat gehörten, hatten die Unternehmen beider Branchen viel gemeinsam: Die Fernmeldetechniker der Bundespost waren ebenso unbeliebt wie die Zählerableser der Stadtwerke, denn die Manager kümmerte sich mehr um die staatlichen Aufseher als die jeweiligen Kunden. Schließlich waren die Preise behördlich fixiert und die Alternative zu einem Anbieter zu wechseln gab es nicht.

Mit dem Börsengang der Deutschen Telekom 1996 mutierte jedoch der verstaubte Telefon-Monopolist in den Augen der Anleger zu einem Zukunftskonzern, der gigantisches Wachstum versprach - bis die Spekulationsblase platzte.

Heute haben beide Branchen mehr miteinander gemein als man glauben mag. "Investoren schätzen defensive Qualitäten, die mittlerweile einige Telekomkonzerne ebenso bieten wie die Versorger", sagt Philip Isherwood, Branchenstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, der Investmenttochter der Dresdner Bank. Ben Funnell von der US-Investmentbank Morgan Stanley empfahl zeitweise sogar Telekoms als die "besseren Versorger", hat diese Aussage aber wieder zurückgenommen. Tatsächlich erscheinen Telekomaktien nach einigen Bewertungskriterien günstiger als Versorger- Titel. So bieten Deutsche Telekom auf dem aktuellen Kursniveau einen niedrigeres Kurs-Cash- Flow-Verhältnis als die Versorger Eon oder RWE.

Noch günstiger fällt der Vergleich bei Betrachtung des Free-Cash-Flow aus, also die Zahlungszuflüsse, die nach Steuern und Kreditzinsen übrig bleiben. Grund: Deutsche Telekom, France Télécom, BT Group und andere sparen, wo es nur geht. Sie haben Investitionen gestrichen und massiv Mitarbeiter entlassen. "Dadurch ist deren Free Cash Flow in den vergangenen Monaten stark gestiegen", sagt Roger Richards von Prudential Financial in London.

Versorger sind ans Sparen gewöhnt

Bei den Strom-, Wasser- und Gaslieferanten gehört das Sparen seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Tugenden. Aufgrund gesättigter Märkte steht dort Gewinnsteigerung via Kostensenkungen statt Wachstum im Fokus. Wenn Versorger ihr Geschäftsvolumen dennoch ausweiten wollen ist das fast nur über Zukäufe möglich. Von der Telekombranche erwarten Analysten dagegen mit der neuen Mobilfunkgeneration einen organischen Wachstumsschub. Kostendisziplin, kombiniert mit Wachstumsphantasie, das klingt, als seien Telekoms doch die besseren Versorger.

"Leider nein", sagt Morgan-Stanley-Analyst Funnell, "denn einen Teil der ersparten Gelder müssen die Konzerne in den Schuldenabbau stecken". Daher dürfte für die Aktionäre zumindest auf kurze Sicht weniger übrig bleiben, als die schönen Kennziffern suggerieren. Schließlich stehen Deutsche Telekom und France Télécom unter Druck, ihre Verbindlichkeiten von jeweils mehr als 60 Mrd. Euro abzubauen.

Investoren sollten sich auch nicht von den hohen Dividendenrenditen blenden lassen. "Der extrem hohe Wert für France Télécom ist nicht realistisch", sagt Prudential-Analyst Richards. Eine Kürzung der Ausschüttung sei wahrscheinlich. Völlig abwegig ist der Vergleich dennoch nicht, meint Isherwood. Einige Branchenvertreter böten tatsächlich ähnlich sichere Ertragsaussichten wie die Stromgiganten. Dazu zählt Isherwood Telecom Italia und Portugal Telecom. Die letzt genannte Aktie zählt zu seinen fünf weltweiten Top-Empfehlungen. "Portugal Telecom senkt seine Kosten und verbessert die Bilanz, statt von zukünftigem Wachstum zu träumen", lobt er. Die Portugiesen setzten die richtigen Prioritäten - wie ein Versorger eben.

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