Einstiger Monopolist Cesky Telecom verliert Marktanteile an kleinere Anbieter
Neun von zehn Tschechen haben ein Mobiltelefon

Während sich die Telekommunikationsmärkte in Westeuropa nur langsam weiterentwickeln, weist der tschechische Markt einen bemerkenswerten Aufwärtstrend auf. Unter allen mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern gilt er als am weitesten entwickelt und besonders leistungsfähig. Die letzte legislative Hürde zur vollständigen Liberalisierung des Marktes ist mit der Inkraftsetzung der Novelle zum Telekommunikationsgesetz am 20. August 2003 gefallen.

PRAG. Entsprechend schnell haben sich Mobiltelefone in Tschechien verbreitet. Zur Jahresmitte 2003 zählten die drei größten Mobilfunkgesellschaften 8,94 Mio. Kunden, d.h. neun von zehn Einwohnern telefonieren heute schon mobil. Bis Ende 2003 wird die Zahl der Nutzer auf ca. 9,2 Mio. Personen weiter ansteigen. Der Markt gilt mittlerweile als gesättigt und die Anbieter Eurotel/Netz Eurotel (Anzahl der Kunden Ende Juni 2003: 3,99 Mio., Marktanteil: 44,7 %), T T-Mobil-Mobil/Netz (3,61 Mio. Kunden, 40,4 %) und Cesky Mobil/Netz Oskar (1,34 Mio. Kunden, 14,9 %) werben sich die Kunden nur noch gegenseitig durch Sonderangebote und vor allem ein verbessertes Leistungsspektrum bei der Gewährung von Informationsdiensten ab.

"Trotz des stark wachsenden Interesses an Datendiensten müssen wir den Kunden beibringen, diese Produkte noch mehr zu nutzen" charakterisiert der Finanzdirektor von T-Mobil, Otakar Kral, den aktuellen Schwerpunkt im Marketing seines Unternehmens. Eurotel hat es immerhin geschafft, seit dem Herbst 2002 bis Mitte 2003 rd. 50.000 MMS-multimediataugliche Mobiltelefone an den Mann zu bringen.

In diesem hart umkämpften Umfeld ist es für den einstigen Monopolisten Cesky Telecom schwierig, sich zu behaupten. Wie schon in den Vorjahren musste er auch im 1. Halbjahr 2003 weitere Kunden (rd. 100.000) an seine Konkurrenten auf dem Markt abgeben. "Dieser Trend dürfte noch etwa zwei Jahre anhalten", meint der Experte Jan Slaby von Wood & Company. Der neue, seit Mitte Juni 2002 amtierende Generaldirektor Gabriel Bednar, will nun das Unternehmen rigoros entschlacken, mit neuen Datendiensten Kunden zurückgewinnen und die Gesellschaft für die bevorstehende Privatisierung fit machen.

"Wir wollen zu einem Unternehmen werden, das fähig ist, Kunden zu fesseln, sie zu gewinnen und von der Qualität der Dienstleistungen zu überzeugen" fasst der 38jährige Slowake und frühere Chef der tschechischen und slowakischen Niederlassung von Dell Computers seine Firmenvision zusammen. Bis spätestens Ende 2005 soll der staatliche Anteil an Cesky Telecom (51 %) in einem zweiten Versuch an einen strategischen Investor verkauft werden.

Mit dem im Juni 2003 geklärten Kauf der übrigen 49 % der Anteile am Mobiltelefonoperator Eurotel für 1,05 Mrd. US$ vom Konsortium Atlantic West hat sich Cesky Telecom für den bevorstehende Eigentümerwechsel in eine gute Verkaufsposition gebracht. Dennoch müsse das Unternehmen noch viel tun, um wettbewerbsfähiger zu werden, erklärt Bednar. In diesem Jahr erhalten 1.800 Mitarbeiter einen blauen Brief, im nächsten wird die dann 11.000 Mann starke Belegschaft weiter schrumpfen. Die Anzahl der Leitungsebenen soll um die Hälfte gekappt werden.

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