Einstimmiger Beschluss
SEC: Keine Ausnahmen für Auslandsfirmen

Nach den Bilanzskandalen in den USA sollen die an US-Börsen notierten Unternehmen ihre Geschäftszahlen nach einstimmigen Beschluss der Börsenaufsicht (SEC) künftig nicht nur regelmäßig beeiden, sondern auch schneller veröffentlichen. Ausnahmen für in New York notierte ausländische Firmen lehnte die Kommission ab.

Reuters WASHINGTON. Die US-Börsenaufsicht regelte auf ihrer ersten Sitzung in neuer Zusammensetzung am Dienstag zudem auch den Insider-Aktienhandel von Managern neu. Im vom Kongress vor kurzem verabschiedeten Sarbanes-Oxley-Gesetz war die SEC (Securities and Exchanges Commission) zur einer besseren Überwachung der Firmen aufgefordert worden. Die Chefs von 942 großen Unternehmen haben seither die Bilanzen ihrer Firmen beeidet.

"Wir sind entschlossen, dem neuen Gesetz Durchschlagskraft und echte Bedeutung zu geben", erklärte SEC-Chef Harvey Pitt nach dem ersten Treffen mit seinen Kommissionskollegen Paul Atkins und Cythia Glassmann sowie Harvey Goldschmid und Roel Campos. Während Pitt, Glassmann und Atkins zu den Republikanern gehören, zählen Goldschmid und Campos zu den Demokraten. Die Kommission ist erstmals seit Monaten wieder mit fünf Personen voll besetzt.

1300 ausländischen Firmen in USA gelistet

Die neuen Kommissare widmeten sich auch den Forderungen und Einwänden einiger der rund 1300 in den USA gelisteten ausländischen Firmen, darunter Konzerne wie Deutsche Telekom oder Daimler-Chrysler. Die deutschen Konzerne hatten argumentiert, die verschärften Aufsichts- und Rechnungslegungspflichten seien in Teilen mit deutschem Recht unvereinbar. Die Forderung, den Aufsichtsrat mit von der Firma unabhängigen Mitgliedern zu besetzen, kollidiere beispielsweise mit dem deutschen Mitbestimmungsrecht, das unter anderem den Arbeitnehmern einen Sitz im Aufsichtsrat zubilligt. An den US-Börsen sind 31 deutsche Unternehmen gelistet. Auch die britische Regierung hatte Einwände gegen die neuen Regeln, die 143 britische Unternehmen treffen.

SEC-Vertreter Alan Beller erklärte: "Ich glaube, dass die neuen Regelungen für ausländische Firmen ausreichend weit gefasst sind, um damit leben zu können." Natürlich sei die SEC immer für neue Argumente offen, "und während wir mehr hören und lernen, werden wir entsprechend handeln", fügte Beller hinzu. Es gebe sicherlich Situationen, in denen es angemessen wäre, ausländische Firmen anders zu behandeln. "Ich bin bestimmt nicht davon überzeugt, dass das eine solche Situation ist", fügte Baller hinzu.

McDonald´s wollte mehr Zeit

Für die neuen Regeln gilt nun eine Einführungsphase von drei Jahren. Betroffen sind Firmen, die seit mindestens einem Jahr unter SEC-Aufsicht stehen, mindestens einen Jahresbericht eingereicht haben und bei denen der Wert öffentlich handelbarer Aktien wenigstens 75 Millionen Dollar beträgt.

Nach den Beschlüssen des SEC müssen die Unternehmen ihre Jahresergebnisse nun bis spätestens 60 Tage nach Ablauf des Geschäftsjahres vorlegen. Bisher hatten sie 90 Tage dazu Zeit. Für Quartalsberichte gilt nun eine Frist von 35 statt bislang 45 Tagen. Zunächst hatte die SEC hier sogar nur 30 Tage vorgesehen, war aber nach Protest mehrerer Unternehmen - darunter auch der Schnellrestaurant-Kette McDonald's - davon abgerückt. Der im Standardwerteindex Dow-Jones 30 notierte Konzern hatte 40 Tage Zeit für die Bilanzierung verlangt und die ursprünglich geplante 30-Tage-Frist als zu kurz für ein Unternehmen seiner Größe beschrieben.

Nach dem Willen der SEC muss ferner künftig innerhalb von zwei Werktagen gemeldet werden, wenn Manager Aktien ihres Unternehmens kaufen oder verkaufen. In der Vergangenheit konnte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis diese Informationen öffentlich gemacht wurden. "Das sollte den Anlegern zugute kommen, da die Märkte immer generell großes Interesse daran gehabt haben, was das Management mit den Aktien macht", kommentierte ein Experte diese Neuerung.

Experten in Washington rechnen damit, dass die Börsenaufsicht demnächst in Papieren und Formularen versinken wird. Zum Aktienhandel von Unternehmensmitarbeitern bekomme die SEC jetzt bereits 140.000 Formulare jährlich auf den Tisch. "Diese Zahl wird garantiert hoch gehen", sagte auch Beller voraus. Die SEC plane, in den nächsten Monaten eine elektronische Formularerfassung vorzuschreiben. Internet-Nutzer können bereits viele Unternehmensmitteilungen an die SEC abrufen unter: http://www.sec.gov/edgar.shtml.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%