Einstimmiges Ergebnis
Ricke zum neuen Telekom-Chef gewählt

Der bisherige Mobilfunkchef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, rückt an die Spitze des Unternehmens. Der Aufsichtsrat des größten europäischen Telekommunikationskonzerns beschloss am Donnerstag einstimmig, dass der erst 41-Jährige bereits am Freitag den Vorstandsvorsitz übernehmen soll.

Reuters BONN. Ricke löst Helmut Sihler ab, der im Juli für eine Übergangszeit die Nachfolge des damaligen Telekom-Chefs Ron Sommer angetreten hatte. Mit der Wahl Rickes endet ein monatelanges Ringen um die Führung des Konzerns mit knapp 250 000 Mitarbeitern.

Die Wahl Rickes war erwartet worden, nachdem sich bereits im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung eine breite Zustimmung der Arbeitnehmerseite abgezeichnet hatte. Mit der Neubesetzung des Vorstandspostens hat die krisengeschüttelte Telekom jedoch erst einen - wenn auch wichtigen - Schritt getan. Noch am Donnerstag werden weitere bedeutende Weichenstellungen für die zukünftige Ausrichtung des Konzerns erwartet.

Auf Ricke warten schwierige Aufgaben. Zunächst gilt es, die immense Verschuldung der Deutschen Telekom von zuletzt rund 64 Milliarden Euro zu reduzieren und den Kurs der einst als Volksaktien gefeierten Telekom-Papiere aus ihrem Dauertief zu holen. Zur Verringerung der Verbindlichkeiten plant die Telekom unter anderem die Streichung von rund 50 000 Stellen bis 2005, wogegen sich jedoch nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Gewerkschaftskreisen die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat stellen wollen.

Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, will Ricke auch die Konzernspitze der Telekom komplett umbauen. Das Führungsgremium solle teilweise neu besetzt und zugleich verkleinert werden, hieß es. Sihler dürfte indes wieder in den Aufsichtsrat wechseln. Auch zur Zukunft der bei Analysten und Aktionären umstrittenen US-Mobilfunktochter VoiceStream werden jetzt Entscheidungen erwartet. Entgegen vereinzelter Hoffnungen am Kapitalmarkt wird die 2001 für mehr als 40 Milliarden Euro erworbene Firma nach Angaben des bisherigen Vorstandschefs Sihler in absehbarer Zeit nicht verkauft. Die mittlerweile als T USA-Mobile firmierende Gesellschaft hat sich dort in den vergangenen Quartalen zur am schnellsten wachsenden Mobilfunkfirma entwickelt.

Mit Spannung werden auch die aktuellen Geschäftszahlen der Telekom erwartet. Der Konzern könnte infolge von Wertberichtigungen auf Firmenwerte und Mobilfunklizenzen für das dritte Quartal einen Rekordverlust von bis zu rund 30 Milliarden Euro ausweisen. Daher plant der Vorstand auch, die bereits einmal reduzierte Dividende nun für 2002 ganz ausfallen zu lassen. Der Aktienkurs der Telekom büßte im frühen Handel 0,4 Prozent auf 11,17 Euro ein.

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