Einstweilige Verfügung
Gericht verbietet Raab derbe Späße mit Lisa Loch

Dem Fernseh-Moderator Stefan Raab hat das Landgericht Essen seine derben Späße mit der 17-jährigen Lisa Loch aus Essen in seiner ProSieben-Sendung "TV Total" verboten. In einer einstweiligen Verfügung untersagte die Behörde es Raab unter anderem, den Namen der Gymnasiastin im Zusammenhang mit herabsetzenden textlichen oder bildlichen Darstellungen zu benutzen.

dpa ESSEN/KÖLN. "Wir halten uns selbstverständlich ganz klar an den Beschluss. Wenn sich bei uns jemand meldet und sagt, er möchte es nicht, dann machen wir das auch", sagte Katja Plüm, Sprecherin der für "TV Total" verantwortlichen Produktionsfirma Brainpool am Mittwoch in Köln. Raab hatte mehrfach Bemerkungen mit sexuellen Anspielungen zu einem RTL-Fernsehspot mit der Schülerin gemacht.

"Raab hat massiv auf eine wehrlose Minderjährige eingeschlagen und dem Mädchen bleibenden Schaden zugefügt", sagte der Anwalt Frank Roeser am Mittwoch in Essen. Die Staatsanwaltschaft Essen teilte mit, dass Lisa Loch Strafanzeige gegen Stefan Raab wegen Beleidigung erstattet hat. Die Strafanzeige werde nun geprüft. Angesichts der Verbreitung der vorgeworfenen Beleidigung über einen Fernsehsender werde das Verfahren jedoch vermutlich an die für die Ausstrahlung des Senders zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben.

Raab hatte unter anderem in seiner Sendung TV Total am 8. Mai in einem Beitrag ein fiktives Wahlplakat, auf dem ein kopulierendes Paar zu sehen ist, mit der Aufschrift "Lisa Loch Partei" versehen. Unterhalb des Paares stand der Spruch "Loch für alle". Die blonde Frau auf dem Plakat ähnelte dabei der Betroffenen. Der Beitrag nahm außerdem eine Sequenz aus einer RTL-"Explosiv"-Ausgabe von Mitte Dezember auf. Darin hatte sich die damals noch 16-Jährige nach der gewonnenen Wahl zur "Miss Rhein-Ruhr" bei einem weiteren Miss-Wettbewerb mit den Worten vorgestellt: "Mein Name ist Lisa Loch und ich bin 16 Jahre alt." Bereits im Dezember hatte Raab diese Sequenz wiederholt in seiner Sendung gezeigt, woraufhin die Schülerin bereits viele perverse Anrufe erhalten habe, sagte Roeser.

"Lisa Loch traut sich mittlerweile kaum noch aus dem Haus und ist sehr verunsichert", sagte Roeser weiter. Sie sehe sich durch die Beiträge von Raab als Opfer von Gewalt durch die Medien, hieß es in der Antragsschrift an das Gericht. "Der vorliegende Fall belegt besonders exemplarisch, dass das Fernsehen und auch das Internet zum Gewaltinstrument umfunktioniert und missbraucht werden können." Der Spot, der auf der Internetseite von "TV Total" auch nach der Sendung noch angeschaut werden konnte, ist dort inzwischen nicht mehr abzurufen.

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