Einstweilige Verfügung
Jan Ullrich erscheint nicht zur Vorstellung

Eigentlich hätte das neuformierte T-Mobile-Radteam um Jan Ullrich auf dem Rheinschiff "Asbach" in Köln präsentiert werden sollen. Dazu kam es denn auch - allerdings ohne den Kapitän. Juristen hatten Jan Ullrich gestoppt.

HB KÖLN. Eine Einstweilige Verfügung seines bisherigen Arbeitgebers Bianchi hätte den Olympiasieger angeblich daran gehindert, nach der offiziellen Vorstellung bei T-Mobile am 6. Oktober ein zweites Mal offiziell für die Bonner aufzutreten, bevor sein alter Vertrag am 31. Dezember offiziell ausläuft.

"Im Interesse aller Beteiligter kann ich nichts dazu sagen, ob es eine Einstweilige Verfügung gab", sagte Bianchi-Manager Jacques Hanegraaf, dessen Anwälte seit vergangenen Freitag mit der Ullrich- Seite verhandeln. Es geht um noch ausstehende Zahlungen und weiter bestehende Bindungen an den italienischen Sponsor, der sich am Ende des Jahres aus dem Profi-Radsport wohl zurückziehen wird.

"Nicht abgeschlossene Gespräche mit dem Management seines bisherigen Sponsors haben Ullrich aus persönlichen Gründen dazu bewogen, heute hier nicht zu erscheinen. Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass wir ab 1. Januar 2004 auf Ullrich zählen können", sagte der leicht zerknirscht wirkende Marketing-Geschäftsführer Martin Knauer. Alle anderen 24 Profis des T-Mobile-Teams, das die Nachfolge von Telekom antritt, waren mit einstündiger Verspätung erschienen.

"Das ist ein normales Pressegespräch für die nächste Saison und keine Werbeveranstaltung. Warum sollte ich nicht kommen? Aber bei mir liegen die Dinge vielleicht etwas anders", sagte Tobias Steinhauser, der ebenso wie Ullrich von Bianchi zu T-Mobile wechselte und am Montag auf dem Schiff erschien. Der Mannschaftsbus stand vorher eine Stunde mit laufendem Motor vor dem T-Mobile-Hotel, um die Fahrer - einschließlich Ullrich - zur offiziellen Vorstellung auf die "Asbach" zu bringen. Hinter verschlossenen Türen wurde um den Ullrich-Auftritt gerungen. Mehrere Kamera-Teams und Journalisten mussten ohne den Hauptdarsteller auskommen. Als das Schiff ablegte, war Ullrich schon auf dem Heimweg in die Schweiz.

Nach der Insolvenz seines Coast-Teams im Mai wurde die Bianchi- Mannschaft in einem ad hoc-Verfahren für die Tour de France aus dem Boden gestampft. Aber schon nach der Frankreich-Rundfahrt, bei der Ullrich ein beachtliches Comeback und zum fünften Mal Rang zwei gelang, zeichnete sich eine Rückkehr zu Telekom an. Nachdem Bianchi keine zusätzlich benötigten Co-Sponsoren akquirieren konnte, vollzog Ullrich den Wechsel für angeblich acht Mill. ? für drei Jahre. Außerdem soll der 29-jährige Olympiasieger danach weiter in Bonn als Repräsentant beschäftigt werden: Attraktive Renten-Versorgung auf Ullrich-Art.

Ein Auftritt für das künftige Team schon vor Jahresablauf ist gängige Praxis im Radsport. "Da gibt es auch keine Reglementierungen seitens des Weltverbandes UCI", erklärte T-Mobile-Manager Walter Godefroot. Bianchi-Manager Hanegraaf kann aber offensichtlich auf vertragliche Klauseln pochen, die Ullrich und seinen neuen Arbeitgeber vorerst stoppten, gemeinsam aufzutreten. "Der nächste offizielle Termin ist der Beginn unseres Trainingslagers am 10. Januar auf Mallorca. Da ist Jan natürlich dabei", sagte Teamchef Mario Kummer, der in Zukunft vor der schwierigen Aufgabe steht, mit Ullrichs persönlichem Betreuer Rudy Pevenage zu kooperieren, obwohl der Belgier keine Festanstellung im Team hat.

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