Einwände der Verteidigung
Erster Terrorprozess auf Bali vertagt

Der erste von mehreren Prozessen zu den Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali ist am Montag kurz nach Beginn vertagt worden. In Kuta auf Bali waren im Oktober vergangenen Jahres mehr als 200 Menschen, vor allem Touristen, durch drei Bomben getötet worden.

HB/Reuters DÜSSELDORF/BALI. Zum Prozessauftakt umstellten hunderte Polizisten und Scharfschützen das Gerichtsgebäude, darüber kreisten Hubschrauber. Der 40-jährige Angeklagte, der mutmaßliche Moslem-Extremist Amrozi, folgte mit versteinerter Miene der Verlesung der Anklageschrift. Der Prozess wurde um eine Woche vertagt, um der Anklagevertretung Zeit zu geben, auf juristische Einwände der Verteidigung zu antworten. Bei einer Verurteilung droht Amrozi die Todesstrafe.

Amrozi ist einer von 30 Festgenommenen, die nach Polizeiangaben an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Sprengstoff und einen Lieferwagen gekauft zu haben, der vor einem Nachtclub in die Luft gesprengt wurde. Zudem habe er an sechs Vorbereitungstreffen für die Anschläge teilgenommen. Die Polizei vermutet die moslemische Extremistengruppe Jemaah Islamiah als Drahtzieher hinter der Tat. Sie soll Verbindungen zur El-Kaida-Organisation des Extremisten Osama bin Laden haben. Motiv sei des Angeklagten es gewesen, Rache an den USA und ihren Verbündeten für das Vorgehen gegen Moslems in Afghanistan, den Palästinensergebieten, in Kaschmir und im Irak zu nehmen, erklärte die Staatsanwaltschaft in der 33 Seiten umfassenden Anklageschrift. Dies hätten die Attentäter bei ihren Vorbereitungstreffen besprochen. Amrozis Anwälte erklärten nach der Verlesung der Anklageschrift, darin würden keine Hinweise darauf gegeben, dass der Angeklagte an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen sei.

Angehörige der Opfer und Überlebende der Attentate verfolgten den Auftakt des Prozesses. "Als Amrozi hereinkam, fühlte ich, wie eine Last von mir abfiel", sagte der Australier Peter Hughes, der das Attentat überlebt hatte. Es sei ein sehr wichtiger Tag für die Opfer, sagte der australische Botschafter in Indonesien, David Ritchie. Etwa die Hälfte der 202 Todesopfer waren australische Touristen. Auch mehrere Deutsche wurden bei den Anschlägen getötet.

Vor dem Gerichtssaal versammelten sich einige Dutzend Bewohner der Insel, um ihrer Wut gegenüber dem Angeklagten Luft zu machen. "Die Einwohner Balis haben unter all dem sehr gelitten. Alle, die daran beteiligt waren, sollten getötet werden", sagte einer von ihnen. Das Attentat hatte Balis Image als romantische Ferieninsel zerstört und die Tourismusindustrie der Insel in eine schwere Krise gestürzt.

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