Einwanderung ist ein großes Geschäft
Einwanderungsland Australien regelt Zuzug Punkt für Punkt

dpa SYDNEY. Etwa 170 Namen von Einwanderungsberatern stehen allein auf den Gelben Seiten des Branchenbuchs von Sydney. Zwischen "Mikrowelle und Milchverkäufer" sind die Migrationsagenten aufgelistet. Einwandern ist auf dem Fünften Kontinent "Big Business". Jährlich lassen sich bis zu 100 000 Menschen aus der ganzen Welt in Australien nieder. Bevor sie einreisen dürfen, müssen sie einen manchmal äußerst komplizierten bürokratischen Prozess durchlaufen und werden bis hin zum AIDS-Test durchleuchtet.

Australien ist seit Beginn seiner europäischen Geschichte 1788 ein Einwanderungsland. Kamen zunächst nur Strafgefangene und deren Bewacher aus England, entschieden sich mit der Zeit mehr und mehr Menschen aus freiem Willen dafür, am anderen Ende der Welt ihr Glück zu suchen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges änderte sich die Mischung der Neu-Australier dramatisch. Durch Angriffe der Japaner aufgeschreckt, lautete die Parole "Populate or perish!" - (Bevölkerungszuwachs oder Untergang). Einwanderer aus ganz Europa kamen, nach Abschaffung der rassistischen "White-Australia"-Politik zunehmend auch asiatische Immigranten.

Seit 1945 sind fast sechs Mill. dazugestoßen, rund ein Viertel aller Australier sind im Ausland geboren. "Die Entscheidung, wer einwandern darf, hängt nicht von Rasse, Religion oder Nationalität ab", bekräftigt Minister Philip Ruddock. Er ist im Kabinett ausschließlich für Einwanderung zuständig, ein Zeichen wie wichtig dieses Thema der australischen Regierung ist.

Auch gleichgeschlechtliche Partner dürfen nachziehen

Alljährlich legt die Regierung eine Gesamtzahl für die Einwanderung fest, im derzeitigen Finanzjahr 2000/2001 (1. Juli bis 30. Juni) liegt diese bei 88 000. Gleichzeitig bestimmt sie bestimmte Kategorien und dazugehörige Höchstzahlen. Im Prinzip gibt es drei Hauptgruppen von Einwanderungen: Familienzuzug, also zum Beispiel ausländische Ehe- oder Lebenspartner (übrigens werden - wenn auch selten - manchmal sogar gleichgeschlechtliche Partner akzeptiert), Kinder und Eltern.

Die zweite Gruppe umfasst alle Arten von Menschen, die nach Meinung der Australier ihrem Land zugute kommen könnten. Also möglichst junge, gut ausgebildete und gut Englisch sprechende Antragsteller. "Perfekt Englisch sprechende zehnjährige Professoren mit zwanzigjähriger Berufserfahrung", beschrieb einmal ein Zyniker die Wunschvorstellung.

Um in dieser Kategorie aufgenommen zu werden, muss man sich einem Punkttest unterziehen, in dem Zähler für Alter, Ausbildung und Englischkenntnisse vergeben werden. Dazu kommen polizeiliches Führungszeugnis und ein umfassender Gesundheitstest bei einem Vertrauensarzt der australischen Botschaft. Manchmal gibt es zusätzliche Pluspunkte für bestimmte Berufe, derzeit zum Beispiel für Computerfachleute, Krankenschwestern und Köche.

Jedes Jahr legt die Regierung fest, wie viele Punkte der Einwanderungswillige haben muss, um erfolgreich zu sein. Die anderen müssen sich in eine Warteschlange einreihen, die Jahre umfassen kann. Die dritte Hauptkategorie betrifft Flüchtlinge, von denen Australien in diesem Jahr zum Beispiel 12 000 aufnimmt. Wer einmal alle Hürden genommen hat, erhält die Daueraufenthaltsgenehmigung und kann schnell Australier werden. Schon nach zwei Jahren steht ihm die Staatsbürgerschaft zu. Und wer es nicht allein schafft, kann sich immer noch an einen Einwanderungsanwalt wenden und bis zu 10 000 DM ausgeben.

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