Einwanderungsdebatte
Wirtschaft drängt auf Zuwanderungsregelung

Die Wirtschaft suche händeringend Fachkräfte aus dem Ausland, so der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Reuters BERLIN. Die deutsche Wirtschaft drängt auf eine rasche Einwanderungsregelung. "Einwanderung kann die Anpassung an die sich ändernde demographische Situation erleichtern. Dies würde nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft helfen", heißt es in einem Thesenpapier des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT). Und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte kürzlich beschwörend: "Die Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte im Ausland." Und DIHT-Präsident Hans-Peter Stihl mahnt: "Bei der Erarbeitung des Gesetzes ist keine Zeit zu verlieren."

Allein 450 000 ausländische Arbeitskräfte pro Jahr sind nach Schätzungen von Experten in den nächsten Jahren nötig, um bei sinkender Geburtenraten und einer höheren Lebenserwartung der Bevölkerung das Wirtschafts- und Sozialsystem in Deutschland auf dem heutigen Stand zu halten. Es geht um die Bezahlbarkeit des deutschen Sozialsystems, den Erhalt der Wirtschaftskraft.

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften

Trotz derzeit knapp 3,7 Mill. Arbeitslosen fehlen schon jetzt nicht nur Informations- und Kommunikationsexperten, sondern auch Naturwissenschaftler, Ingenieure und Fachbarbeiter. Sogar an weniger qualifizierten Arbeitskräften mangele es, klagte jüngst der DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser. "Das gilt inzwischen auf ganz breiter Ebene", heißt es beim BDI.

DIHT-Präsident Stihl und sein BDI-Kollege Hans-Olaf Henkel machen Druck. Sie mahnen eine praktikable, unbürokratische Zuwanderungsregelung an. Henkel sitzt in der von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bestellten Kommission, die Grundlagen dafür erarbeitet. Die Ängste der Wirtschaft, die um ihre Basis in Deutschland fürchtet, sind greifbar. Das unternehmernahe Kölner Institut der Wirtschaft (IW) sagte jüngst voraus, gebe es keine Zuwanderung, würde die Zahl der Erwerbspersonen von gegenwärtig rund 40 Mill. auf 27 Mill. im Jahre 2040 sinken.

Wettbewerb mit anderen Industrienationen

"Deutschland braucht ein am Bedarf von Wirtschaft und Gesellschaft orientiertes Einwanderungsgesetz", fordert daher der DIHT. Er plädiert dafür, den Zuzug von Einwanderern an objektive, nachvollziehbare Kriterien zu knüpfen wie das Alter oder den Bildungsabschluss von Bewerbern. Ein solches Gesetz sollte ständig den Änderungen am Arbeitsmarkt angepasst sein. Es sollte den Bewerbern aber gleichzeitig die Perspektive eines unbefristeten Aufenthalts eröffnen.

Um ausländische Arbeitnehmer bemühen sich allerdings auch andere Industrieländer, die ähnliche demographische Probleme haben, deren Gesellschaften zu überaltern drohen. Experten sprechen von einem Bedarf von jährlich gut 300 000 ausländischen Arbeitnehmern in den USA, in Japan seien es gut 600 000 und in Großbritannien über 100 000. Angesichts dieses Wettbewerbs könnte ein Ansatz darin bestehen, mehr junge Ausländer für ein Studium in Deutschland zu interessieren, um sie für einen späteren beruflichen Aufenthalt in Deutschland zu gewinnen, sagt ein DIHT-Vertreter.



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