"Einwandfreie Tierabfälle müssen weiter zu Tierfutter verarbeitet werden"
Sonnleitner lehnt Tiermehl-Gesetz als überzogen ab

Der Präsident des deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, hat der Bundesregierung "überzogenen Aktionismus" beim Verbot der Tiermehlverfütterung vorgeworfen. Lebensmittelrechtlich einwandfreie Fleisch-, Knochen- und Fettabfälle müssten weiter zu Tierfutter verarbeitet werden dürfen, sagte Sonnleitner am Mittwoch in Hannover.

ap HANNOVER. "Es darf nicht wahr sein, dass die Reste des Fleisches, das wir essen, für die Schweine nicht tauglich sein sollen".

Mit Gesundheits- und Verbraucherschutz habe es nicht mehr zu tun, wenn alle lebensmitteltauglichen tierischen Eiweiße verbrannt werden müssten, kritisierte Sonnleitner den Gesetzentwurf zum Tiermehlverbot. Bei der artgerechten Tierhaltung sei es schon immer üblich gewesen, Schlachtabfälle an Allesfresser zu verfüttern. Nicht mehr zu Tierfutter verarbeitet werden sollten allerdings verstorbene oder an Krankheiten verendete Tiere, verschmutzte Schlachtabfälle, Magendarmpakete und alle übrigen Schlachtabfälle, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet seien. Damit müssten über 60 % des bisher verwendeten Tiermehls künftig beseitigt werden.

Leidtragende des Gesetzes seien Bauern

Sonnleitner forderte den Bund auf, einen Weg zur Verwertung lebensmitteltauglicher Eiweiße und Fette zu eröffnen. Die Leidtragenden des vollständigen Verbots seien die Bauern. Durch das Verbot, Tiermehl zu verkaufen und durch die Verbrennung würden Kosten von insgesamt rund 1,7 Mrd. DM entstehen. Zu befürchten sei, dass die Bauern auf dieser Last sitzen blieben. Auch auf EU-Ebene zeichne sich eine Mehrheit für ein Verbot von Tiermehl aus nicht lebensmitteltauglichen Tieren oder Abfällen ab. Mit dem drastisch verschärften deutschen Gesetzentwurf drohe den Bauern in Deutschland ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.

Mit der Rinderhaltung erzielten die deutschen Bauern rund die Hälfte ihres Einkommens, sagte Sonnleitner. Die Politik stelle die Existenz wichtiger Teile der Volkswirtschaft in Frage und zerstöre die Märkte. Deutschland dürfe nicht mit Großbritannien auf eine Stufe gestellt werden, da deutsches Fleisch weiter unbedenklich sei. In Muskelfleisch seien noch nie BSE-Erreger festgestellt worden. "Krank wird man von der Angst und diese Angst muss man dem Verbraucher nehmen." Der Frage nach Protestaktionen gegen das Tiermehlgesetz wich der Bauernverbandspräsident aus. "Ein Bauer ergibt sich nie dem Schicksal", sagte er lediglich.

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