Einzelhändler in Deutschland sind noch zurückhaltend
Self-Scanning macht die Kunden zu Kassierern

Der Kunde soll in Zukunft selbst Kasse machen: Er scannt die Produkte, die in dem Einkaufskorb gesammelt wurden, ein und zahlt diese per Scheckkarte. Der Handel spart mit den neuartigen Kassensystemen nicht nur Personal ein, er könnte auch den Einkauf attraktiver machen. Das Drängeln an der Kasse hätte ein Ende.

DÜSSELDORF. Die Kunden nehmen in Zukunft das Abrechnen ihrer Einkäufe einfach selbst in die Hand - Kassiererin ade! Zumindest, wenn es nach Ulrich Hieber geht, Director Self Checkout Solutions für Europa bei NCR, dem weltweit größten Anbieter von so genannten Self-Checkout-Terminals. Statt sich an der Kasse die Beine in den Bauch zu stehen, sollen die Kunden an den Selbstbedienungskassen den Barcode der Waren einscannen, EC- oder Kreditkarte zücken und elektronisch bezahlen.

Über 30 Einzelhändler weltweit zählt NCR mittlerweile zu seinen Kunden. Während die Technik in den USA längst etabliert ist, war die türkische Supermarktkette Migros Turk das erste Unternehmen in Europa, das die Self-Checkout-Lösung einsetzte. Seit Anfang des Jahres können auch Kunden der niederländischen Kaufhauskette Hema in der Franchise-Filiale in Nordwijk ihre Waren selbst scannen, verpacken und bezahlen. Und in Italien hat sich jüngst die Handelskette Finiper SpA entschieden, die neue Technik in einzelnen Filialen zu testen. In Deutschland sind die Einzelhändler zurückhaltender: Hier gibt es noch keine Anwendungen.

Und so funktioniert es: Der Kunde fährt mit dem Einkaufswagen an die Kasse, hievt die Lebensmittel auf die Abstellfläche und zieht die Ware über ein gläsernes Scannerfeld. Anschließend packt er die Waren in eine Tüte. Abschließend führt er seine EC-Karte in das Lesegerät und unterschreibt elektronisch auf einer Kunststofffläche.

Es gibt kein Scheitern beim Scannen

Selbst ist der Kunde auch beim Self-Scanning. Hierbei spart er sich das Aus- und Einräumen seiner Einkäufe an der Kasse. Mit einem Handscanner, der an eine Kinderrassel erinnert, registriert er die Waren, bevor er sie in den Einkaufswagen legt. Auch mit dieser Methode verkürzt sich die Wartezeit an der Kasse - schließlich muss die Kassiererin nur noch die Gesamtsumme eingeben.

Scheitern sei beim Self-Scanning mit mobilen Geräten so gut wie unmöglich, versichern die Hersteller. "Es gibt nur drei Knöpfe: einen zum Scannen und je einen Plus- und Minusknopf, um der Rechnung ein neues Produkt hinzuzufügen oder wieder rauszurechnen", erklärt Hania-Marie Schwarze, Pressesprecherin des Scanner Symbol Systems. -Herstellers Selbst ältere Menschen hätten kaum Probleme mit den Scannern gehabt, resümiert Schwarze die Erfahrungen bei einem Tengelmann-Pilotversuch.

Hilmar Juckel, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung in Köln, ist da skeptisch: Für den ungeübten Verbraucher sei es kein Kinderspiel, auf Anhieb den Barcode zu entdecken. "Ältere Leute werden da schnell nervös", sagt Juckel. Er favorisiert daher Kassensysteme, mit denen die Produkte berührungslos im Einkaufswagen erfasst werden.

Zunächst müssen alle Produkte neu etikettiert werden

Doch das werde erst funktionieren, "wenn alle Produkte mit Funksignal-Etiketten ausgestattet sind", prognostiziert Ulrich Spaan, Kassenspezialist beim Europäischen Handelsinstitut (EHI) in Köln. Solche digitalen Etiketten wurden kürzlich von Texas Instruments auf der Euroshop-Handelsmesse in Düsseldorf präsentiert. In Deutschland sind sie noch ein gutes Stück von der Markteinführung entfernt.

Selbst bezahlen, fernab von den Argusaugen des Ladenpersonals - fordert das nicht zum Betrug auf? "Da hilft letztlich nur Videoüberwachung und Stichprobenkontrolle per Waage", sagt Ulrich Hieber von NCR. Stimmt das Gewicht der Einkaufstasche nicht mit dem der gescannten Ware überein, dann wurde geschummelt. Wer erwischt wird, muss mit einem Vermerk auf der Kundenkarte rechnen - und wird in Zukunft öfter gecheckt.

Die schöne neue Technikwelt bleibt jedoch vorerst Zukunftsmusik. Ob Self-Checkout oder Self-Scanner: Nicht nur die deutschen Einzelhändler warten erst einmal ab. Und das liegt vor allem an den höheren Kosten. Für ein Self-Checkout-Terminal müssen die Händler mindestens doppelt so viel ausgeben wie für eine handelsübliche Kasse.

Die Strategen beim Symbol-Partner IBM lassen sich dennoch nicht entmutigen. Sie denken inzwischen schon einen Schritt weiter. Gute Kunden sollen den Scanner demnächst auch mit nach Hause nehmen können. "Wenn die Milch ausgegangen ist, scannen Sie nur den Barcode auf der Packung ein. Der Scanner erstellt dann einen elektronischen Einkaufszettel", erklärt Fehime Talay, Vertriebsbeauftragte für Kassenfilialsysteme bei IBM. Die Möglichkeiten lassen sich weiterspinnen, so Talay: Am Ende wird der Kunde den Einkaufszettel dann via Internet ans Kaufhaus weitergeben. Und den Laden nur noch betreten, um seine Einkäufe abzuholen.

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