Einzelhandel im Elsass und in Baden macht gemeinsam Front
Erstes "Factory Outlet Center" am Rhein

Im elsässischen Roppenheim soll das erste Factory Outlet Center - eine Einkaufsstadt mit bis zu hundert sogenannter Fabrikläden - am Oberrhein entstehen. Renommierte Modefirmen sollen dort auf 25 000 Quadratmetern Kleider und Schuhe im so genannten Direkt-Verkauf verbilligt feilbieten. Das Projekt ist in der entscheidenden Phase: Am 20. August hat der britische Investor Freeport bei den Behörden einen Genehmigungsantrag eingereicht, der noch geprüft wird.

afp ROPPENHEIM/SÖLLINGEN. Ein Bäcker, ein Metzger, drei Gasthäuser noch ist das elsässische Roppenheim mit seinen rund 950 Einwohnern ein beschauliches, etwas verschlafenes Dorf. Doch dies soll sich bald ändern, zumindest wenn es nach Gilbert Winckel geht. In seinem rund 45 Kilometer von der Europastadt Straßburg entfernten Ort, hofft der agile Bürgermeister, soll das erste "Factory Outlet Center" am Oberrhein entstehen - eine Einkaufsstadt mit bis zu hundert so genannter Fabrikläden. Renommierte Modefirmen sollen dort auf 25.000 Quadratmetern Kleider und Schuhe im so genannten Direkt-Verkauf verbilligt feilbieten.

Das Projekt, für das Winckel seit mehreren Jahren kämpft, ist in der entscheidenden Phase. Am 20. August hat der Investor, die britische Firma Freeport, bei den Behörden einen Genehmigungseintrag eingereicht. Der wird nun von einem Komitee geprüft, in dem unter anderem Vertreter der betroffenen Gemeindeverbands, der Handelskammer und der Zentrale für Verbraucherschutz vertreten sind.

Alain Bacquier, der sich bei Freeport um die europaweite Entwicklung kümmert, hofft auf zügige Abwicklung. Denn weniger als 15 Autominuten von Roppenheim entfernt gibt es auf deutscher Seite des Rheins in Söllingen ein ähnliches Projekt. Allen Beteiligten ist aber klar, dass im anvisierten Einzugsgebiet zwischen Straßburg, Stuttgart und Karlsruhe nur eine solche Einkaufsstadt lebensfähig ist. "Und die wird dort entstehen, wo zuerst eine Genehmigung vorliegt", betont Bacquier.

Freeport betreibt europaweit bereits zehn Factory Outlet Center, davon sechs in Großbritannien, und baut gerade an vier anderen, in Lissabon und Skandinavien. In Frankreich sind drei Freeport-Center in Planung, von denen das in Roppenheim am weitesten fortgeschritten ist. Es soll an ein "befestigtes Dorf" aus dem Mittelalter erinnern - neben Boutiquen in Fachwerkstil-Häusern sind Cafés und Restaurants geplant. Dabei hat Freeport nicht zuletzt potenzielle deutsche Kunden im Auge. "In Roppenheim werden sich in Deutschland beliebte Marken niederlassen", glaubt Bacquier. Außerdem sei die Lage im Elsass ausgezeichnet: In einem Umkreis von zwei bis drei Fahrstunden lebten fünf Millionen Menschen mit überdurchschnittlich großer Kaufkraft.

Dies gilt freilich auch für Söllingen, wo British Airport Authorities (BAA) und das US-Unternehmen Mc Arthur Glen auf dem Gelände des Regionalflughafens Baden Airport ein Fabrikladenzentrum mit 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche bauen wollen. Auch in Deutschland ist das Genehmigungsverfahren im Gange. Nach Auskunft des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird zur Zeit geprüft, ob das Vorhaben mit dem Landesentwicklungsplan in Einklang zu bringen ist. Der sieht eigentlich vor, dass großflächige Einzelhandelszentren dieser Art nur am Rande größerer Städte angesiedelt werden sollen. Doch Ausnahmeregeln seien möglich, betont der Behördensprecher. Die Frage sei, inwieweit ein solches Projekt "dem Handel in der Region insgesamt" nutzt. Mit einer Entscheidung ist nach seinen Angaben Anfang 2002 zu rechnen. Bis dahin soll auch im Elsass die Prüfung abgeschlossen sein.

"Das ist nun ein Wettlauf mit der Zeit", meint Bürgermeister Winckler. Misstrauisch wird dieses Rennen auf beiden Seiten des Rheins vom Einzelhandel verfolgt. Bei einer Krisensitzung beschlossen die Verbände vor einigen Wochen, gemeinsam Front zu machen. Die Umsetzung eines solchen Projektes würde nicht nur den Besitzern von Boutiquen, sondern auch der Gastronomie schaden, und zwar in der ganzen Region, fürchtet Manfred Noppel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden. "Wir wollen keinen Fabrikverkauf auf der grünen Wiese - egal ob links oder rechts des Rheins.

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