Einzelhandel muss nacharbeiten - Währungsumstellung im Detail problematisch
Viele Mittelständler noch nicht auf Euro vorbereitet

Ein Großteil der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist unzureichend auf die Gemeinschaftswährung vorbereitet. Das geht aus verschiedenen Umfragen hervor. Kaum ein Viertel der Mittelständler hatte zu Beginn dieses Jahres das betriebliche Rechnungswesen schon auf Euro umgestellt;vier von zehn wollen damit sogar bis zum 1. Januar 2002 warten.

15.03.2001 lud DÜSSELDORF. Und etwa jeder dritte Unternehmer weiß noch nicht ob, wie und wann er sich auf das Euro-Bargeld vorbereiten soll. Das alles hat die IHK-Düsseldorf ermittelt. Andere Kammern berichten Ähnliches. Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) wertet derzeit eine bundesweite Umfrage unter Mittelständlern aus. Darum wolle man sich jetzt nicht äußern. Lässt das Ergebnis also nichts Gutes erwarten?

Glaubt man einer Studie der Unternehmensberater von Cap Gemini Ernst & Young, dann wird vor allem der europäische, von Mittelständlern geprägte Handel, Probleme mit der neuen Währung bekommen. Nicht einmal jeder Fünfte von 1000 befragten Händlern in den Euro-Staaten gab an, seine Umstellungsprojekte abgeschlossen zu haben. Die Übrigen jedoch haben wenigstens damit begonnen, IT und Kassensysteme umzustellen.

Rund ein Viertel der Mittelständler glaubt laut Ernest & Young immer noch, man könne auch nach dem 1. Januar 2002 die internen Konten und Belege in der jeweiligen Landeswährung beibehalten. Und gut ein Drittel der Unternehmen im Eurogebiet ist noch nie von Zulieferern gebeten worden, die Geschäfte in Euro abzuwickeln. Der "Marktdruck", der den Umstellungsprozess beschleunige, sei zu gering, folgern die Berater. Grundsätzlich gilt:Die am weitesten bei der Umstellung fortgeschrittenen Sparten im Euro-Raum sind Banken und Fertigungsunternehmen. Staatliche Behörden - die doch als Vorreiter gelten sollten - sind am schlechtesten vorbereitet. Eine gewisse "sorglose Selbsteinschätzung" hat das nordrhein-westfälische Handwerk ausgemacht. Viele Mittelständler hätten keinen genauen Überblick über die erforderlichen Maßnahmen. Häufig fehlten systematische Analysen in den Betrieben.

Teufel liegt oft im Detail

Beispiel Kostenkalkulation: Die Rundung des Euro-Betrags bei der Umrechnung auf bis zu zwei Stellen hinter dem Komma könne sich in Preisen niederschlagen. So macht es einen Unterschied, ob ein Quadratmeterpreis eines Mietvertrags zuerst in Euro umgerechnet und dann mit der Gesamtquadratmeterzahl multipliziert wird oder ob dies umgekehrt geschehe. Sei in Gewerbemietverträgen kein Gesamtmietpreis genannt, könne es hier zu Unstimmigkeiten kommen. Ein juristisches Nachspiel sei denkbar. "Bei der Euro-Umstellung liegt der Teufel oft im Detail", sagt Alexander Hoeckle, Euro-Beauftragter der IHK Düsseldorf.

Die großen Konzerne indessen wissen, was auf sie zukommt, sie gelten als gut auf die Umstellung vorbereitet. Die Großen haben auch ihre Zulieferer gedrängt, sich rechzeitig - oft bereits zur Einführung des Euro als Buchgeld 1999 - einzustellen;zu wichtig ist der reibungslose Ablauf ganzer Zulieferungs- und Produktionsketten. So bestätigten Sprecher von BASF, Siemens, VW und Daimler-Chrysler dem Handelsblatt, dass die Konzerne in Fragen des Euro mit ihren Zulieferern keine Schwierigkeiten haben oder erwarten.

Von manchen Beratern entworfene Horror-Szenarien, wonach Fertigungsstraßen still stehen, weil der Materialnachschub fehlt oder Mitarbeiter von Zulieferern in den Streik treten, weil die Gehälter wegen fehlerhafter Abrechnungssoftware ausblieben, gelten als unrealistisch. Inzwischen halten auch viele Mittelständler die Chancen des Euro für größer als die Risiken. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, dem rund 150000 Unternehmen angeschlossen sind: "Für den Mittelstand bedeutet der Euro in erster Linie neue Exportchancen und Investitionsmöglichkeiten."

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