Einzelhandelsumsätze im Juli erneut gestiegen
US-Bürger sind weiter in Einkaufslaune

Trotz Börsenkrise und schlechterer Stimmung der US-Bürger: Die Konsumfreude der Amerikaner dauert weiter an - und hält die US-Wirtschaft über Wasser. In den nächsten Monaten erwarten Volkswirte aber nur noch ein moderates Wachstum beim privaten Konsum - zu wenig für ein Konjunktur-Feuerwerk.

ost DÜSSELDORF. Auf die Kauflust der US-Verbraucher ist weiterhin Verlass: Trotz der Turbulenzen an den Aktienmärkten stiegen die Umsätze der US-Einzelhändler im Juli auf 304,3 Mrd. US-Dollar - gegenüber Juni ein Plus von 1,2 %, so die am Dienstag veröffentlichte erste Schätzung des US-Handelsministeriums.

Im Jahresvergleich stiegen die Umsätze um 4,8 %. Zudem korrigierten die Statistiker das Juni-Plus auf 1,4 % von 1,1 % nach oben. Damit sind die Einzelhandelsumsätze in drei der vergangenen vier Monate um mehr als ein Prozent gestiegen. "Die US-Konsumenten sind von einem Käuferstreik noch weit entfernt", kommentiert Holger Bahr, Volkswirt bei der Deka-Bank.

Vor der Veröffentlichung der Einzelhandelszahlen hatte US-Finanzminister Paul O'Neill Konjunktur-Optimismus verbreitet: Bis zum Jahresende werde die amerikanische Wirtschaft wieder mit annualisierten Raten zwischen 3 und 3,5 % wachsen. Im zweiten Quartal legte das reale Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal, auf ein Jahr hochgerechnet nur um 1,1 % zu.

Privater Konsum stützt Wirtschaft

Der private Konsum ist in den USA nach wie vor eine wichtige Stütze der Konjunktur - obwohl sich durch die Aktienkrise das Vertrauen der Bürger in die Wirtschaft deutlich verschlechtert hat. Die Stimmung der Konsumenten war im Juli so stark gefallen wie seit den Terroranschlägen vom 11. September nicht mehr. Auf den privaten Konsum entfallen in Amerika gut zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung - und der Einzelhandelsumsatz macht etwa 40 % des Privatkonsums aus.

"Der private Verbrauch stabilisiert derzeit die Konjunktur", sagt Cary Leahey, US-Ökonom bei der Deutschen Bank. "Allerdings wird der private Verbrauch in den kommenden Monaten kein Wachstumsmotor sein." Auch Gerald Müller von der Commerzbank meint: "Für einen echten Aufschwung ist der private Verbrauch zu schwach." Denn im Detail sind die Zahlen relativ durchwachsen: Das Plus im Juli ist fast ausschließlich der starken Nachfrage nach Autos zu verdanken - die Ausgaben für Möbel, Elektrogeräte und Bekleidung waren allesamt im Minus.

Rabattprogramme kurbeln Autoabsatz an

Die US-Autohändler dagegen kurbelten mit massiven Rabattprogrammen ihre Geschäfte im Juli weiter an: Zinslose Kredite für den Neuwagen-Kauf bescherten der Branche wie bereits im Juni ein stattliches Umsatzplus von 4,2 % gegenüber dem Vormonat.

"Die Gefahr ist, dass die Händler die zinslosen Kredite auf Dauer nicht durchhalten können", meint Ian Morris, US-Volkswirt bei der Bank HSBC. "Dann würde der Auto-Absatz wegbrechen." Aber Morris ist zuversichtlich: Im August und September dürften die Rabatte bestehen bleiben und die Auto-Käufe weiter beflügeln.

Klammert man die boomenden Neuwagen-Käufe aus, die gut ein Viertel des gesamten Einzelhandelsumsatzes ausmachen, schrumpft das Umsatzplus gegenüber Juni auf 0,2 % zusammen. Rechnet man zudem die gestiegenen Absätze bei den Tankstellen heraus, stagnierten die Einzelhandelsumsätze im Monatsvergleich sogar. Im Juni gab es bei dieser Berechnung noch ein Plus von 0,6 %. "Sollte diese Schwäche andauern, wäre sie ein Grund zur Sorge", meint Ian Morris, US-Volkswirt bei HSBC. David F. Milleker von der Dresdner Bank allerdings relativiert: "Ich halte es nicht für ungewöhnlich, dass die Verbraucher beim Kauf eines Neuwagens ihren restlichen Konsum ein wenig zurückfahren."

Quelle: Handelsblatt

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