Einzelhandelsumsätze verringert
Volkswirte skeptisch über weitere Entwicklung des US-Konsums

Die jüngsten Statistikdaten signalisieren für das zweite Quartal bestenfalls einen geringen Zuwachs beim privaten Konsum.

vwd FRANKFURT. Ökonomen haben sich angesichts der enttäuschenden Daten zu den April-Umsätzen im US-Einzelhandel besorgt über den weiteren Verlauf der Konsumentwicklung gezeigt. Die jüngsten Zahlen signalisierten für das zweite Quartal "bestenfalls einen geringen Zuwachs des privaten Verbrauchs", befürchtet etwa Patrick Franke von der Commerzbank. Zugleich werde deutlich, dass ein größerer Teil des Umsatzanstiegs vom März vor allem eine Reaktion auf die ungewöhnlich kalte Witterung im Februar war, was bislang nicht angenommen wurde.

Nach den Angaben des US-Handelsministeriums vom Mittwoch verringerten sich die Einzelhandelsumsätze verglichen mit dem Vormonat um 0,1 % auf saisonbereinigt 309 Mrd USD. Im März hatten sie binnen Monatsfrist noch um revidiert 2,3 (vorläufig: plus 2,1) Prozent zugelegt. Von vwd befragte Volkswirte hatten für April zwar mit einem Rückgang der Wachstumsdynamik gerechnet, im Mittel ihrer Prognosen allerdings noch ein Plus von 0,4 % erwartet. Die Einzelhandelsumsätze ohne Kfz fielen gegenüber März um 0,9 %, verglichen mit einer Konsensschätzung von plus 0,2 %.

Franke vermutet, dass der Umsatzrückgang an den Tankstellen (minus 5,9 % im Vergleich zum Vormonat) auf die niedrigeren Benzinpreise zurückzuführen ist. Ohne die Tankstellen ergebe sich gegenüber dem Vormonat immerhin noch ein Umsatzplus von 0,4 %.

Rudolf Besch von der DekaBank urteilt, der Ausblick auf die kommenden Monate falle wegen des schwachen Arbeitsmarkts aber einer stabilen Einkommensentwicklung gemischt aus. Er betont, dass die Automobilhändler den Gesamtumsatz nach oben getrieben haben. Auf dem US-Automobilmarkt tobt seit Monaten eine "Rabattschlacht", die zu einer Sonderkonjunktur der Branche geführt hat. Beobachter befürchten allerdings, dass dieser positive Einfluss nach dem Auslaufen der Kaufanreize abebbt und zudem gegenwärtig zu Vorzieh-Effekten bei solchen Anschaffungen führt.

Die deutliche Abweichung zwischen Prognose und den tatsächlichen Daten hängt nach Auffassung Beschs zumindest teilweise mit der Aufwärtsrevision für den März-Wert zusammen, was die Vorhersage der Zahlen erschwere. Wie Franke sieht er Rückpralleffekte im April, was sich etwa am Umsatzrückgang der Bekleidungsgeschäfte (minus 3,2 %) zeige. Franke meint, hier habe sich möglicherweise auch ausgewirkt, dass Sonderverkäufe auf Grund der Lage der Osterfeiertage später als üblich begonnen worden seien.

John Shin von Lehman Brothers urteilt, die Zahlen seien ausgesprochen schwach und würden - falls die Schwäche im Einzelhandel auch im Mai und Juni anhalte - zu einem Wirtschaftswachstum von lediglich einem Prozent im zweiten Quartal führen. Zugleich machten die Daten eine Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte bei der kommenden Sitzung im Juni wahrscheinlicher.

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