Einzeltäter sprach von "Tag des Zornes"
14 Tote bei Amoklauf in Schweizer Kantonsparlament

Ein Amokläufer hat im Parlament des Schweizer Kantons Zug am Donnerstag ein Blutbad angerichtet. Mindestens 14 Menschen wurden erschossen, unter ihnen drei Mitglieder der Kantonsregierung, wie die Behörden mitteilten. Acht Parlamentarier wurden zum Teil schwer verletzt. Der Schweizer Amokläufer beging nach der Tat offenbar Selbstmord. Nach Angaben der Polizei gibt es keinen terroristischen Hintergrund für die Tat.

ap ZUG. Der Leiter der Kantonspolizei, Urs Hürlimann, erklärte, ein Zusammenhang zu den Terroranschlägen in den USA könne mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Das Motiv für den Amoklauf sei vermutlich ein örtlicher Konflikt. Zum Tathergang sagte Hürlimann, der Mann habe den Kantonsratssaal um 10.35 Uhr betreten und habe mit einem Sturmgewehr 90 aus Hüfthöhe in die Reihen der Parlamentarier und der vollzählig anwesenden Kantonsregierung geschossen. Dann habe er den Saal verlassen, sei nochmals zurückgekommen und habe einen Sprengkörper zur Detonation gebracht.

Der Täter soll sich über die Abweisung einer Aufsichtsbeschwerde durch die Zuger Kantonsregierung beschwert haben. In einem Brief sprach der aus dem Kanton Zürich stammende Täter von einem "Tag des Zornes für die Zuger Mafia", wie der Schweizer Rundfunksender DRS berichtete. Der Täter hatte am Donnerstag von der Justizprüfungskommission des Zuger Kantonsparlaments Bescheid erhalten, dass seine Aufsichtsbeschwerde abgelehnt wurde. Dies sagte Kantonsrat Jean-Pierre Prodolliet, der den Amoklauf unverletzt überlebte. Zum Inhalt der Beschwerde machte der Politiker keine Angaben.

Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Regierungspräsident des Kantons Zug, Hanspeter User. Die Polizei löste Großalarm aus, das Stadtzentrum von Zug wurde abgesperrt. In Bern unterbrach das Parlament seine Sitzung. Bundespräsident Moritz Leuenberger zeigte sich bestürzt. Die Sicherheitsvorkehrungen im Bundeshaus wurden verschärft. Die Namen der getöteten Regierungsmitglieder wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Bundestag drückt Angehörigen Mitgefühl aus

Der Deutsche Bundestag drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Die Abgeordneten erhoben sich am Donnerstag während der Haushaltsdebatte spontan. Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) sagte, die deutschen Abgeordneten seien empört und erschrocken über den Anschlag auf ihre Parlamentarierkollegen.

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