"Einzeltäter stehen unter Druck"
Euro-Umstellung: Taucht verschwundenes Lösegeld wieder auf?

Der 27. Mai 1997 war für Dieter Zlof ein schwarzer Tag. Der Oetker-Entführer wollte nach seiner Haftentlassung in einer Londoner Bank 12 500 alte Tausend-Mark-Scheine eintauschen - und geriet ausgerechnet an Scheinkäufer von Scotland Yard: Die Handschellen klickten erneut.

8.5.2001 dpa HAMBURG/WIESBADEN. Das Beispiel Zlof ist nur ein Fall, bei dem verschwundene Beute wieder auftauchte. Die Euro-Umstellung kann - wie die Einführung der neuen DM-Scheine - für Entführer und andere Kriminellen zur Falle werden.

"Einzeltäter stehen gewaltig unter Druck", sagt Jürgen Jaitner, ehemaliger Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA), der jetzt für die Wiesbadener Firma ESPO Security Management fahndet. Er sieht bei Fällen mit geringeren Summen Chancen, dass die Umstellung auf den Euro zumindest Einzeltäter nervös machen könnte.

Das Geld aus Kidnapping-Fällen sei schließlich entweder präpariert oder nummeriert - was aufmerksamen Bankmitarbeitern auffällt, wie es beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin heißt. Dies wurde beispielsweise den beiden Tätern, die 1971 den Millionär Theodor Albrecht (Aldi) entführten, zum Verhängnis. Die Hälfte der sieben Millionen Mark umfassenden Beute ist allerdings nie wieder aufgetaucht. Auch die Millionen-Lösegelder aus anderen spektakulären Fällen wie die Entführung der Kinder des Drogerie-Filialisten Schlecker (1989) oder des Springreiters Henrik Snoek (1976) sind bis heute zumindest teilweise verschwunden.

Täter mit kriminellem Netzwerk - wie Reemtsma-Entführer Thomas Drach - werden sich aber wohl wenig von der Währungsumstellung 2002 beeindrucken lassen und bringen beispielsweise ihr Geld außerhalb der EU in Sicherheit. "Die lachen darüber", meint Jaitner, der maßgeblich an der Drach-Fahndung beteiligt war. Fünf Jahre nach der Entführung des Hamburger Millionärs ist nur ein Bruchteil der 30 Millionen-DM - Beute wieder aufgetaucht. Rund 13 Millionen DM, so vermutet Jaitner, sind längt in Osteuropa gewaschen und beispielsweise in den Händen der russischen Mafia. Dieses gewaschene Geld werde aber irgendwann wieder nach Deutschland zurückfließen: «Das kommt auf jeden Fall zurück.»

Dass ein Entführer mit registrierten Noten - dem Originallösegeld - zur Bank geht und dort in die Falle tappt, ist demnach eher unwahrscheinlich. Wenn Geld aus Entführungen nach Deutschland kommt, wird es früher oder später bei den Banken eintreffen, meinen Experten. Wie solches Geld erkannt wird, will die Deutsche Bundesbank nicht verraten - um den Kriminellen keine Anleitung zu geben. Anderes als bei der Umstellung von den alten auf die neuen Scheine, bleibt beim Euro-Umtausch viel Zeit. Die DM-Scheine verlieren nie an Gültigkeit, könnten aber irgendwann auffallen, wenn der Euro die Mark allgemein abgelöst hat. Wer bis dahin sein «heißes Geld» nicht losgeworden ist und sich nervös machen lässt, könnte in die "Oetker-Falle" tappen: Aus Dieter Zlofs Beute ist auch ein Teil im Versteck vermodert.

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