Einzige Arbeitsgemeinschaft der Welt mit Jahresetat von 11,4 Milliarden Mark
ARD wird 50 Jahre alt

dpaHAMBURG. Föderales Denken hat die ARD schon bei ihrer Geburt bewiesen: In Bremen einigten sich im Frühsommer 1950 die Intendanten der sechs westdeutschen Sender auf eine Kooperation. In München wurden dann die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" am 5. August 1950 aus der Taufe gehoben.

50 Jahre danach gehören zehn Sender zur ARD, die mit knapp 22 000 Beschäftigten zu einem der größten Medienunternehmen der Welt aufgestiegen ist. Insgesamt betreibt die ARD bei einem Etat (1999) von 11,4 Mrd. DM mehr als 50 Hörfunk-Programme. Neben dem "Ersten" ist sie im Fernsehen an Arte, 3sat, Phoenix und dem Kinderkanal beteiligt. Hinzu kommen die "Dritten", die acht TV- Programme der einzelnen ARD-Anstalten. Der Bundesbürger verbindet mit den drei Buchstaben jedoch vor allem die Geschichte des deutschen Fernsehens: Namen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff in der Unterhaltung, Hanns-Joachim Friedrichs oder Gerd Ruge im politischen Journalismus, oder Dieter Meichsner, Eberhard Fechner oder Dieter Wedel beim Fernsehspiel.

Gebot der Staatsferne stieß in Adenauer-Zeit auf wenig Begeisterung

Ein staatsferner Rundfunk im föderalen Verbund war im Nachkriegs-Deutschland etwas, an das sich Politiker und Bevölkerung erst gewöhnen mussten. Es waren einige starke Intendanten wie Hans Bausch (vom Süddeutschen Rundfunk), die der ARD ihren Freiraum sicherten. Das von Konrad Adenauer angestrebte Bundes-Fernsehen wurde zwar 1961 von den Richtern in Karlsruhe gestoppt. Zwei Jahre später startete jedoch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in Mainz. Das zweite große Ereignis im Leben der ARD war noch weit einschneidender: 1984 fiel der Startschuss für das Privatfernsehen in Deutschland, das den TV-Markt völlig umkrempeln sollte.

Angesichts der neuen Bedingungen schwand das Interesse der Politiker an der ARD. Der gewaltige Einfluss der Parteien in den Aufsichtsgremien und bei Stellenbesetzungen ließ nach. So half die neue Konkurrenz der ARD, diese Lähmung zu überwinden. Der Senderverbund, oft wegen seiner Schwerfälligkeit gescholten, zeigte sich flexibel und reformfähig. "Wir haben uns gegen die kommerzielle Konkurrenz gut behauptet. Die alte Tante ist quicklebendig", sagt der derzeitige ARD-Vorsitzende Peter Voß, Intendant des Südwestrundfunks (SWR).

Im ersten Halbjahr lag die ARD wieder auf Platz 1

Die ARD hat in der ersten Hälfte dieses Jahres - wie schon 1998 - mit dem "Ersten" vor RTL wieder die Marktführerschaft übernommen. Gegenüber der RTL-Gruppe (Bertelsmann) oder der gerade gegründeten "Senderfamilie" aus SAT.1 und ProSieben (Kirch-Gruppe) versucht sich dabei die ARD, als Marke zu profilieren. Dabei setzt Programmdirektor Günter Struve vor allem auf einen Mix: Neben der Informations- Kompetenz wie etwa durch das bewährte Nachrichten-Flaggschiff "Tagesschau" hat die ARD im Unterhaltungsbereich auch Formate der privaten Konkurrenz wie Daily Soaps und Talks ("Fliege") für sich entdeckt. Im Sport, in dem die Öffentlich-Rechtlichen im Rechtehandel gegenüber den Privaten besonders stark an Boden verloren, setzt man weiterhin auf Großereignisse wie Länderspiele oder die "Tour de France".

Der ARD ist nicht nur von den Privatsendern vorgeworfen worden, sie orientiere sich mit dieser Strategie zu sehr an den Einschaltquoten und werde ihrem "Funktionsauftrag" nicht mehr gerecht. Die ARD (wie auch das ZDF) dürfe nicht auf eine "Grundversorgung" etwa ohne Unterhaltung reduziert werden, sagt der Medienwissenschaftler Wolfgang Schulz. "Die Identität als öffentlich- rechtlicher Sender lässt sich nur durch die Vernetzung aller Angebote erzielen und nicht durch die Reduzierung auf spezielle Formate", argumentiert Schulz, Vize-Geschäftsführer des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg.

Auch die Dritten Programme schielen starkt auf die Quoten

Allerdings meint Schulz, dass die zu Vollprogrammen ausgebauten "Dritten" der ARD mehr "kreatives Potenzial" zeigen sollten. Ähnlich sieht dies auch Manfred Jenke, fast 20 Jahre lang Hörfunk- Programmchef des WDR. Die dritten Programme, sagt der 69-jährige Jenke, sollten sich auf den "öffentlich-rechtlichen Kernbereich" wie Information und Kultur beschränken, "statt auf die Einschaltquoten zu schielen."

Die ARD hat sich andere Prioritäten gesetzt: Trotz der beschlossenen Erhöhung der Rundfunkgebühr zum nächsten Jahr muss der Sparkurs fortgesetzt werden, wie Voß betont. Nach der Fusion von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk zum SWR sind weitere Verschmelzungen denkbar. Die kleinen Sender wie der Saarländische Rundfunk und Radio Bremen kämpfen wegen der Kürzungen beim Finanzausgleich ums Überleben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%