Einzige Sorge bei Euro-Einführung sind die Busse
Euro keine Ausrede für Schwarzfahrer

Eine Euro-Ausrede für Schwarzfahrer wird es Anfang Januar nicht geben. Bahn und regionale Verkehrsbetriebe sorgen dafür, dass man an allen gewohnten Stellen mit Mark oder Euro einen Fahrschein ziehen kann.

Reuters FRANKFURT. Kontrolleure und Schaffner stehen zum Nachlösen bereit. Für die benötigten glatten Euro-Preise haben die Betriebe mal ab- und mal aufgerundet - ein solches Nullsummenspiel hatte der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VdV) empfohlen. Damit konnte die Bahn wegen ihrer Tarifstruktur nicht aufwarten, doch der Rundungsgewinn von schätzungsweise einer Million Mark soll gespendet werden. Einzige Sorge bei der Euro-Einführung sind die Busse: Hier könnte den Fahrgästen das nötige Kleingeld Anfang Januar fehlen und der Fahrplan ins Trudeln geraten.

Beim Umrüsten der Fahrkartenautomaten geht die Bahn etwa nach dem gleichen Zeitplan vor wie die meisten kommunalen und regionalen Verkehrsunternehmen. Von den insgesamt 10 000 Automaten seien 6 500 mit Bargeld zu bedienen. Ein Drittel davon werde bis Ende Dezember auf Euro umgestellt und bis dahin still gelegt, sagt Bahn-Sprecher Steffen Felger. Das zweite Drittel werde im Januar und der Rest spätestens bis Ende Februar nur noch das neue Geld annehmen. Früh umgestellt wird nur an Haltestellen mit mindestens zwei Automaten, so dass einer noch immer D-Mark annimmt.

An Haltestellen mit nur einem Fahrkartenautomaten machen sich die Techniker von der Bahn, für die jetzt Hochbetrieb herrscht, erst im Januar oder Februar ans Werk. Das Umrüsten könne einen Tag dauern, sodass eventuell keine Fahrkarten erhältlich seien. "Das Zugpersonal weiß dann aber Bescheid und verlangt keinen Nachlösezuschlag", verspricht Felger. Auch Till Ackermann, der Euro-Beauftrage vom VdV, sagt: "Wir lassen niemanden stehen, wenn er nicht das richtige Kleingeld hat." Die Verkehrsbetriebe sehen sich nach jahrelanger Vorbereitung gut gerüstet für das Euro-Zeitalter. Für die neue Währung seien viele neue Automaten angeschafft worden. Der eine oder andere Lieferant sei in Verzug geraten, weil für den vorübergehenden Boom nicht mehr Personal eingestellt werden konnte. "Das hat uns den Schweiß auf die Stirn getrieben."

Knifflig ist das Nebeneinander von altem und neuem Geld im Januar ist besonders in Bussen. Die meisten Verkehrsbetriebe wollen hier nur Euro-Kleingeld annehmen und herausgeben, weil doppelte Kassenhaltung im engen Bus für sie umständlich und zu riskant ist. Der Fahrgastverband Pro Bahn rechnet deshalb mit Verspätungen, weil es beim Bezahlen zu Verzögerungen kommen könnte, wenn Kunden in den ersten Tagen nicht genug Euro- Kleingeld haben. Doch nach zehn Tagen wird nach Schätzungen der Kreditwirtschaft die D-Mark fast ganz verschwunden sein. "Das Thema wird sich schnell erledigen", sagt Ackermann. Die Verkehrsbetriebe wie der Fahrgastverband raten, Euro-Kleingeld bereit zu halten, Fahrscheine am Schalter zu kaufen oder bargeldlos mit der Geldkarte zu bezahlen.

Fast in allen Bussen könne man mit dem aufladbaren Chip auf der EC-Karte, den die Mehrheit der Kartennutzer in der Tasche hat, bezahlen, sagt Ackermann. "Die Geldkarte wurde aber bisher kaum von den Leuten angenommen", weiß Joachim Kemniz von Pro Bahn und rät, wenigstens für einige Tage einen kleinen Geldbetrag auf die Karte zu buchen. Der Interessenverband der Fahrgäste hat an den Vorbereitungen von Bus und Bahn auf den Euro bisher wenig auszusetzen. Wenn es zu Beschwerden komme, dann ohnehin erst im Januar, sagt Kemniz.

Während sich die meisten Nahverkehrsbetriebe dem VdV zufolge daran halten, Auf- mit Abrundungen für automatenfähige glatte Euro-Preise auszugleichen, bleibt bei der Bahn unter dem Strich wohl eine Million DM zu Lasten der Kunden hängen. Streckenpreise werden erhöht, einige Pauschalpreise abgerundet. "Wegen der Bahncard und dem halben Fahrpreis für Kinder ist das nicht anders zu machen", sagt Kemniz. Die Bahn will das Geld für einen guten Zweck spenden. Abgesehen von der Rundungs-Million wird die Bahn allerdings ausgerechnet am 1. Januar, wenn die Verbraucher mit Argusaugen auf die Euro-Preise achten, die Tarife im Nahverkehr erstmals seit zwei Jahren anheben, und zwar um 3,8 Prozent.

Wenig Gelegenheit soll der Währungswechsel Dieben und Schwarzfahrern verschaffen. Damit in den Bussen nicht so viel Wechselgeld Räuber locken könne, würden die Busfahrer an Knotenpunkten häufig von Kurierfahrern versorgt, heißt es etwa bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Und Ausreden haben nach Einschätzung von Ackermann auch weiterhin keine Chancen. Wer auf kostenlose Beförderung mit dem Argument hoffe, kein neues Kleingeld dabei zu haben, "dem wird der Kontrolleur tief in die Augen schauen und anbieten, bei ihm in D-Mark zu bezahlen."

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